Kennen sich aus der Bundesliga: FCA-Stürmer Alfred Finnbogason (li.) und der... - Bildquelle: imago/Depo PhotosKennen sich aus der Bundesliga: FCA-Stürmer Alfred Finnbogason (li.) und der ehemalige Freiburger Caglar Söyüncü © imago/Depo Photos

München/Istanbul - Türkei gegen Island - dieses EM-Spiel bietet ordentlich Zündstoff! Für die Türkei geht es darum, vor dem letzten Spieltag das Ticket für die Europameisterschaft 2020 bereits zu lösen. Ein Sieg oder ein Unentschieden würde der Elf von Nationalmannschaftstrainer Senol Günes reichen.

Gegner Island benötigt dagegen unbedingt einen Sieg, um die Türken oder die Franzosen in der Tabelle der Gruppe H noch zu überholen. Wenn das nicht klappen sollte, warten womöglich die Play-offs auf Alfred Finnbogason und Co., um sich doch noch für die Endrunde im kommenden Jahr zu qualifizieren.

Türkische Spieler unter Beobachtung

Die Vorzeichen für eine türkische Fußball-Party stehen also bestens – sollte man meinen. Es gibt da nur ein paar Spannungen rund um das wichtige Match: Nach dem Salutieren einiger Spieler bei den letzten beiden Qualifikationsspielen stehen die Türken unter Beobachtung. Der Umgang mit der Militäroffensive in Nordsyrien sorgt im wahrsten Wortsinn für einen "Nebenkriegsschauplatz".

Stein des Anstoßes: das Qualifikationsspiel gegen Albanien im Oktober, das die Türkei mit 1:0 für sich entschied. Es war das erste Länderspiel des türkischen Teams nach Beginn der international heftig kritisierten Operation gegen die Kurden in Nordsyrien.

Nach dem späten Siegtreffer durch den früheren Frankfurter Cenk Tosun salutierten er und weitere Spieler vor den Fans. Der Jubel wurde als Unterstützung der Offe

nsive interpretiert und hatte international für Verstimmung gesorgt.

Unter den salutierenden Spielern waren mit den beiden Düsseldorfern Kaan Ayhan und Kenan Karaman auch zwei Bundesligaspiele, was hierzulande ebenso stark kritisiert wurde. Beide versicherten danach, es habe sich nur um eine "Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen" gehandelt.

Drei Tage nach dem Albanien-Spiel jubelten einige Spieler beim 1:1 in Frankreich erneut mit dem Militär-Gruß. Die Düsseldorfer Spieler verzichteten darauf - was zu einem Disput mit Mitspieler Merih Demiral führte.

Regierung Islands erwägte Boykott des Spiels

Die UEFA leitete einen Tag später eine Untersuchung ein, da das Regelwerk des Verbandes politische Äußerungen in Stadien verbietet. Eine Strafe sprach die UEFA bislang nicht aus, stattdessen gab es Kritik von höchster Stelle. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Ermittlungen als "diskriminierend" und "ungerecht" - er sprach sogar von einer "Lynch-Kampagne".

Die isländische Regierung protestierte besonders gegen den Einmarsch der Türkei in Nordsyrien und stellte sich offensiv gegen die Militäraktionen. Es kam sogar soweit, dass ein Boykott des Spiels in Istanbul im Raum stand.

Eine brisante Note erhält das Aufeinandertreffen zusätzlich durch die Vorkommnisse beim Hinspiel im Sommer diesen Jahres (2:1 für Island). Damals war es bei der Anreise der Türken in Reykjavik zu besonders intensiven Gepäck- und Passkontrollen gekommen.

Die türkische Seite bezeichnete das Vorgehen als "inakzeptabel" und warf Island einen "Mangel an Respekt" vor. Das türkische Außenministerium sandte zudem eine diplomatische Protestnote an die Nordeuropäer.

Ein Punkt reicht den Türken zum Weiterkommen

Gerade deswegen dürfen sich die Isländer auf einen wenig warmherzigen Empfang einstellen. Das Stadion von Galatasaray Istanbul wird sich sicherlich in einen Hexenkessel verwandeln. Besonders die Schweizer können ein Lied davon singen.

Ein Sieg hält also die EM-Chancen der Wikinger am Leben, den Türken hingegen reicht bereits ein Punkt zur Qualifikation. "Wir wollen diesen letzten Schritt gehen", sagte Günes.

Viermal nahm die türkische Auswahl an einer Europameisterschaft teil. Bei ihrer ersten Teilnahme 1996 schieden sie in der Vorrunde als Gruppenletzter aus. Vier Jahre später war im Viertelfinale gegen Portugal Schluss.

Bei der EM in Österreich und der Schweiz packten es die Rot-Weißen bis ins Halbfinale - und verloren auf dramatische Weise gegen das DFB-Team. Bei der letzten EM in Frankreich mussten die Türken schon nach der Vorrunde nach Hause fahren.

Island: Letzte Hintertür Play-offs

Island hingegen trat zuletzt auf der Stelle. Nach dem märchenhaften Auftritt bei der EM 2016 in Frankreich und dem sensationellen Einzug ins Viertelfinale gelang zwar die Qualifikation für die WM in Russland. Dort aber blieb Island ohne Sieg, das Verpassen der EM im kommenden Jahr wäre eine weitere Enttäuschung.

Sollten die Isländer verlieren, müssen sie womöglich den Gang in die Playoffs antreten. Trotz ihres bescheidenen Auftritts in der Nations League (vier Niederlagen, 1:13 Tore) und dem verbundenen Abstieg, könnte sich das Team doch noch für die Endrunde im kommenden Jahr qualifizieren.

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