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München - Anfang November 2019 hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ihren neuen Verhaltenskodex ("Code of compliance") verabschiedet. Ziel der neuen Verhaltensregeln ist es, zukünftig noch rigoroser gegen das Doping-Problem vorzugehen und Verstöße noch härter zu sanktionieren. Und das könnte für Russland gravierende Folgen haben: dem Teilnehmer und Co-Gastgeber der Euro 2020 droht der EM-Ausschluss.

Wiederholt wurden in jüngster Vergangenheit russische Sportler von großen Sportevents ausgeschlossen. Bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang wurde Russland vom IOC suspendiert. 168 russische Sportler durften mit Sondergenehmigung als "Team Olympischer Athleten aus Russland" an den Start gehen, allerdings ohne russische Fahne, Nationalhymne und ohne übliche nationale Kleidung.

Nun droht Russland erneut sportliches Ungemach. Auf sportlichem Wege für die EM 2020 qualifiziert, könnte die "Sbornaja", wie das russische Nationalteam genannt wird, ihre Teilnahmeberechtigung am grünen Tisch wieder verlieren.

Entscheidung am 9. Dezember erwartet

Ausschlaggebend dafür wird das Ergebnis einer Untersuchungskommission sein. Eine mögliche Bestrafung Russlands soll final am 9. Dezember 2019, also neun Tage nach der ersten EM-Gruppen-Auslosung, verkündet werden.

Der neue WADA-Präsident, der ehemalige polnische 400-Meter-Läufer Witold Banka, sprach bei seiner Wahl Anfang November davon, dass es "strenge Schritte gegen Russland" geben werde, sollten sich die Vorwürfe, dass Russland bei Dopingproben manipuliert haben soll, bewahrheiten.

Neuer WADA-Verhaltenskodex sieht härtere Strafen vor

In diesem Fall dürfte der wiederholte Ausschluss russischer Sportler bei den Olympischen Spielen in Tokio ein rein bürokratischer Akt sein. Und auch den russischen Fußballern könnte die aktive Teilnahme an der Euro 2020 verwehrt werden.
Aber es könnte Russland noch härter treffen. Denn der neue WADA-Verhaltenskodex enthält eine Passage, nach der Ländern, die gegen den "Code of compliance" verstoßen, untersagt werden kann, Sportereignisse zu veranstalten, die von Organisationen verantwortet werden, die sich dem neuen WADA-Code verpflichtet haben - darunter zählen neben zahlreichen nationalen olympischen Komitees auch die FIFA und die UEFA.

Sollte ein Land verdächtigt werden, gegen den Compliance-Code der WADA verstoßen zu haben, so soll geprüft werden, ob es rechtlich und praktisch möglich ist, dem entsprechenden Land das Gastgeberrecht eines Großevents wieder zu entziehen und ein anderes Ausrichterland zu suchen.

Verliert St. Petersburg die Euro 2020 und das CL-Finale 2021?

Bei der Euro 2020 finden vier Spiele (drei Vorrundenpartien und ein Viertelfinale) im russischen St. Petersburg statt. Da der neue WADA-Verhaltenskodex erst am 1. Januar 2021 in Kraft tritt, dürfte diese Gastgeberrolle wohl noch nicht gefährdet sein, aber das Champions-League-Finale 2021 soll ebenfalls in St. Petersburg stattfinden. Sollte Russland also mit dem "Bann" der WADA belegt werden, könnte der Fall eintreten, dass sich die UEFA nach einem neuen Austragungsort für 2021 umsehen muss.

Die Sportwelt wartet also gespannt auf die Entscheidung der WADA am 9. Dezember. Sollte eine Bestrafung ausgesprochen werden - in welcher Form auch immer - hätte Russland 21 Tage Zeit, um beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das Urteil vorzugehen. Die Entscheidung über eine Teilnahme der Russen bei der Euro würde dann also nicht auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch entschieden werden.

Sportlich wäre das nicht, aber das ist Doping auch nicht.

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