Kanada ist bei der Weltmeisterschaft 2026 Co-Gastgeber neben den USA und Mex... - Bildquelle: imagoKanada ist bei der Weltmeisterschaft 2026 Co-Gastgeber neben den USA und Mexiko © imago

München/Vancouver - Kanada ist nicht unbedingt als Fußball-Nation bekannt. Der Nationalsport im Nachbarland der USA ist Eishockey. 26 Mal holten die Kanadier den WM-Titel, neunmal kamen sie von den Olympischen Spielen mit der Goldmedaille nach Hause. Es heißt, die Kanadier werden mit Schlittschuhen geboren.

Vielleicht ist ja genau das das Problem. Denn im Fußball sind bisher nur die Frauen erfolgreich.

Die Männer rangieren abgeschlagenen auf dem 78. Platz der Weltrangliste, nur 1986 konnte sich das Männer-Team für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Spätestens 2026 werden die Kanadier zum zweiten Mal an einer WM teilnehmen, dann sind sie nämlich neben den USA und Mexiko Co-Gastgeber des Events.

Um dort eine gute Figur abzugeben und um den Sport im eigenen Land weiter voran zu bringen, soll eine neue kanadische Liga eingeführt werden. Ziel dabei: Förderung der heimischen Talente.

Sieben Teams werden ab April in der CPL - der Canadian Premier League - an den Start gehen. Zwar sind bereits drei kanadische Teams in der MLS vertreten, die CPL orientiert sich aber am europäischen Liga-System und will einen Gegenentwurf zum amerikanischen Wettbewerb darstellen.

Von April bis Oktober werden die Teams in Hin- und Rückspielen gegeneinander antreten. Der Meister wird über die Abschlusstabelle ermittelt - nicht wie in den USA üblich, durch Playoffs.

"Von Kanadiern für Kanadier"

Auf lange Sicht wollen die Funktionäre auch eine zweite Liga mit Auf- und Abstiegsregelungen etablieren. Der Fokus liegt auf den lokalen Talenten. "Die MLS-Teams haben den Fußball in Kanada groß vorangebracht, aber sie operieren in einer amerikanischen Liga. Es geht nicht um kanadische Spieler", erklärt Jim Brennan, ehemaliger Nationalspieler und Mitbegründer des CPL-Klubs York 9 FC.

Das soll in der CPL anders sein. "Von Kanadiern für Kanadier" - so lautet der Slogan der neuen Liga.

Pro Team dürfen maximal sieben Ausländer im Kader vertreten sein, in der Startelf müssen mindestens sechs Kanadier stehen.

Mindestens drei kanadische Spieler im Kader müssen unter 21 Jahren alt sein. Diese drei Youngster müssen in einer Saison gemeinsam auf mindestens 1.000 Einsatzminuten kommen.

"Es geht darum, jungen Kanadiern eine Chance zu geben. Die Leute wollen ein lokales Team, das sie anfeuern können. Wir wollen eine Bewegung starten. Es ist ein anderer Ansatz, um den Fußball groß zu machen. Wir fangen ganz neu an. Wir wollen die Fußball-Fans miteinbeziehen und Leute aus ihrer Mitte groß machen", erklärt Brennan.

Riesige Distanzen als Logistik-Problem

Eine professionelle Fußball-Liga aus dem Nichts zu formen bringt große Herausforderungen mit sich. Dass das Projekt so schnell umgesetzt werden konnte, ist laut Brennan Victor Montagliani, Präsident des Kontinentalverbandes CONCACAF, und Scott Mitchell zu verdanken.

Mitchell ist ein Geschäftsmann, der in die Canadian Football League involviert ist. Die CFL ist das kanadische Pendant zur NFL. Zuvor war Mitchell Chef des kanadischen Fußballverbandes und setzte sich dort zwei große Ziele: eine Weltmeisterschaft nach Kanada zu holen und eine kanadische Premier League zu etablieren.

Das erste Ziel hat er bereits erreicht, jetzt nimmt er den zweiten Meilenstein in Angriff. In nur vier Jahren gelang es den beiden das Projekt zu realisieren.

Dabei mussten sechs der sieben teilnehmenden Klubs komplett neu gegründet werden. Dazu kommen logistische Schwierigkeiten: Kanada ist flächenmäßig das zweitgrößte Land der Welt.

Wenn der Pacific FC zu einem Auswärtsspiel bei den HFX Wanderers FC in Nova Scotia anreist, muss das Team knapp 4500 km zurücklegen. Von London - also das in England, nicht in Ontario - nach Toronto zu fliegen, würde schneller gehen. Dennoch konnten rund 140 Spieler für das neue Format rekrutiert werden, darunter auch Spieler, die schon in Europa ihr Geld verdient haben.

Die Macher der Liga hoffen, dass die CPL zusammen mit der Aussicht auf die Weltmeisterschaft 2026 im eigenen Land einen Fußball-Hype in Kanada auszulösen.

Kanadier wollen Talente nach Europa bringen

"Die Kanadier sind Fußball-hungrig. Es wird immer mehr Fußball im Fernsehen gezeigt und bei Zuwanderern ist es sowieso der beliebteste Sport. Leute die neu in dieses Land kommen, kennen vielleicht nicht Eishockey oder die NBA, aber jeder kennt Fußball" erklärte Brennan.

Der Ex-Profi hofft auch, dass mehr kanadische Talente in die Fußstapfen von Alphonso Davies vom FC Bayern treten. "Eines unsere größten Ziele ist, Spieler aus der CLP in die Premier League, La Liga oder in die Bundesliga zu bringen", führt Brennan aus. Ein ambitioniertes Projekt - nur wenige MLS-Exporte können sich in Europa durchsetzen.

Vielleicht geht die CLP auch deshalb einen anderen, den europäischen Weg.

Julian Huter

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