Platzverweis nach 31 Minuten als Sinnbild: Harry Maguire steht scharf in der... - Bildquelle: Getty ImagesPlatzverweis nach 31 Minuten als Sinnbild: Harry Maguire steht scharf in der Kritik. © Getty Images

München/London – Es läuft die 31. Spielminute im Nations-League-Spiel gegen Dänemark, als England-Verteidiger Harry Maguire der Ball verspringt und er den darauf folgenden Konter mit einem taktischen Foul unterbindet. Die Folge: Gelb-Rot - England muss über eine Stunde in Unterzahl spielen.

Es kommt noch schlimmer: Drei Minuten später gibt es Elfmeter. Eriksen versenkt souverän und England verliert das Spiel und die Tabellenführung. Sinnbildlich für Maguires bisherige Saison.

Gnadenlose Kritik

Die Presse schoss sich nach dem Spiel auf den Verteidiger ein: Der "Guardian" betitelte seine 30-Minuten-Leistung als "rücksichtslos", die "Daily Mail" schrieb, dass der Kapitän von Manchester United nach einem verzweifelten Fußballer aussehe, der dringend Urlaub an einem ruhigen Ort brauche. Auch "The Athletic"-Journalist Oliver Kay konnte sich auf Twitter nicht zurückhalten.

Der teuerste Verteidiger der Welt  gerät nach dem peinlichen Auftritt in der Nationalmannschaft und nach einem schwachen Saisonauftakt in der Premier League immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Denn auch bei Manchester United läuft es für den 27-Jährigen aktuell überhaupt nicht. Nur eine Schwächephase? Oder wo liegen die Gründe für seinen enormen Leistungseinbruch?

Hohe Erwartungen

Nachdem Maguire im August 2019 für kolportierte 80 Millionen Pfund (rund 87 Millionen Euro) von Leicester City zu den "Red Devils" wechselte, war die Begeisterung bei United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer groß: "Harry ist derzeit einer der besten Innenverteidiger der Welt", sagte er auf der ManUnited-Webseite. Ihn würden ein großartiges Spielverständnis sowie eine starke Präsenz in beiden Strafräumen auszeichnen. Außerdem habe Maguire die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben und diese kniffligen Situationen mit einer Seelenruhe zu lösen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen.

Starke Debütsaison

In seiner Debütsaison konnte er diese auch erfüllen. Der 87-Millionen-Euro-Mann kam in allen 38 Premier League Spielen zum Einsatz und half, die zuvor viel kritisierte United-Abwehr (54 Gegentore in der Vorsaison) zu stabilisieren. Insgesamt kassierte Manchester nur 36 Gegentore und spielte 13 Mal zu Null – die Drittbeste Defensive der Premier League Saison 2019/2020. Maguire verschuldete dabei keinen Gegentreffer. Am Ende stand mit dem dritten Platz die Champions League Qualifikation. Die Probleme schienen gelöst.

Horrorurlaub auf Mykonos als Ursache?

Doch dann kam Mykonos. Der Urlaub auf der griechischen Insel entpuppte sich für Maguire als Albtraum: Vor einer Kneipe geriet der englische Nationalspieler in einen Streit, sodass Polizisten einschreiten mussten. Der Nationalspieler soll daraufhin auch die Beamten attackiert haben. Am Ende musste er zwei Nächte im Gefängnis verbringen und wurde zudem wegen schwerer Körperverletzung und Bestechung verurteilt. Ein griechisches Gericht gab ihm eine Strafe von 21 Monaten und zehn Tagen auf Bewährung. Maguire stritt die Vorwürfe ab und ging in Berufung.

Der Innenverteidiger genießt eigentlich das Image eines zurückhaltenden und fleißigen Profis. Nach den Vorfällen wurde seine Kapitänsrolle bei Manchester United aber medial in Frage gestellt, er wurde außerdem für die Länderspiele im September suspendiert. Am Ende stellten sich aber sowohl Verein als auch Nationalmannschaft hinter ihren Spieler: "Harry wird weiter unser Kapitän sein", teilte Trainer Solskjaer nach den Eskapaden mit. Auch die "Three Lions" nominierten ihn wieder für die Länderspiele gegen Belgien und Dänemark - der Ausgang ist ja bekannt.

Maguire der Unantastbare?

Der "Guardian" schrieb, dass seine Karriere nach dem Skandalurlaub gefährdet sei und in einen "freien Fall" gebracht werden könne. Der Trend geht nun tatsächlich in diese Richtung. Maguire kommt seitdem überhaupt nicht mehr in Form und liefert sich einen Aussetzer nach dem anderen. Beide Heimspiele im Old Trafford wurden in der noch jungen Saison verloren, Maguire zeigte sich nicht nur gegen Crystal Palace (2:3) wacklig. Gegen Tottenham setzte es on top eine historische 1:6-Klatsche - Maguire erwischte einen Horrortag und verursachte nach einem missratenen Kopfball das 1:1. Der Anfang vom Ende. Nach drei Partien steht ManUnited mit gerade einmal drei Punkten und einer Bilanz von 5:11 Toren auf Platz 16 der Premier League.

Fans und Medien spekulieren, ob der unantastbar scheinende Maguire am Samstag beim Spiel in Newcastle auf die Bank gesetzt wird, um ihn aus der Schusslinie zu nehmen. Die kommenden Wochen werden auf jeden Fall nicht einfacher. Es warten Spiele gegen Paris, Chelsea, Leipzig und Arsenal. Daher wäre jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, Maguire am Wochenende eine Auszeit zu gönnen. Eines steht auf jeden Fall fest: So darf es nicht weitergehen.

Denn in den kommenden Wochen braucht Manchester United ihren Captain als Bank – und nicht formschwach auf der Bank.

Nico Ditter

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