Mit dem britischen Portal "The Athletic" sprach Ex-Nationalspieler Mesut Özi... - Bildquelle: imago Mit dem britischen Portal "The Athletic" sprach Ex-Nationalspieler Mesut Özil über die Kritik an seiner Person, seine Rolle bei Arsenal und das Thema Rassismus. © imago

München/London - Die letzten anderthalb Jahre in der Karriere von Mesut Özil waren von Tiefpunkten geprägt. Kritik und Vorwürfe an seiner Person begleiten den 31-Jährigen, der 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel holte. In einem ausführlichen Gespräch mit "The Athletic" hat sich der Spielmacher nun zu allen wichtigen Themen geäußert. Es geht um Erdogan, den Überfall im Juli in London, sein unrühmliches Karriereende im DFB-Team, das Thema Rassismus und seine sportliche Zukunft.

Mesut Özil über seine Situation bei Arsenal 

Unter Trainer Unay Emery hat Mesut Özil derzeit einen schweren Stand beim FC Arsenal. Während Vorgänger Arsene Wenger als großer Führsprecher Özils galt, setzt Emery auf andere Namen. In der laufenden Saison kam Özil nur in zwei von elf Pflichtspielen zum Einsatz. Özil: "Ich schiebe zum ersten Mal in meiner Karriere nach jedem Training Extra-Schichten, um bereit zu sein. Ich weiß, was es braucht, und glaube an mich. Ich werde spielen."

Ein vorzeitiger Abschied ist für Özil dennoch kein Thema: "Ich habe einen Vertrag bis zum Sommer 2021 und so lange bleibe ich auch. Jeder macht mal schwierige Zeiten durch, so wie ich gerade, aber das ist kein Grund wegzurennen - und das mache ich auch nicht. Ich bleibe hier."

Den Vorwurf, sich als bestbezahlter Profi der Gunners auf seinem Wochengehalt von geschätzten 400.000 Pfund auszuruhen, weist Özil zurück. "Das ist totaler Müll. Wenn das wahr wäre, warum habe ich dann so hart in der Vorbereitung gearbeitet? Warum bin ich dann nach der WM 2018 vorzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt? Das habe ich für meinen neuen Trainer und den Verein getan. Vielleicht mögen es viele Leute ja einfach nicht, dass ich einen guten Vertrag habe? Ich weiß es nicht."

Özil über den Überfall in London

Einen persönlichen Schockmoment erlebten Özil, dessen Frau und sein Teamkollege Sead Kolasinac im Juli 2019, als sie am Straßenrand nur knapp einem Raubüberfall entgehen konnten. "Sie müssen das große Auto gesehen haben und dass Sead eine teure Uhr trug. Sie riefen: 'Gib uns deine Uhr!' Seads Reaktion war sehr, sehr mutig. Er attackierte einen der Typen. Der andere stand mit seinem Moped vor meinem Auto, sodass ich nicht fahren konnte. Ich hatte Angst um meine Frau, hatte Angst um Sead. Ich dachte nicht an mich selbst. Wenn sie die Tür meiner Frau geöffnet hätten, wäre etwas Schlimmes mit ihr passiert." Seine Frau wollte nach den Erlebnissen die Stadt verlassen. "Es waren schwere Wochen danach. (…) Mittlerweile ist aber alles wieder okay, auch für meine Frau."

Özil über das Erdoğan-Foto und Rassismus in der Gesellschaft

In dem Interview bekräftigte Özil nochmal, dass er zu dem Foto mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Erdoğan stehe. Es sei für ihn eine Frage des Respekts gegenüber dem türkischen Präsidenten gewesen. "Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr respektiert, nicht mehr geschützt gefühlt. Alle schwiegen einfach und ließen es geschehen", sagte Özil.

Menschen hätten die Aufnahmen für rassistische Hetze genutzt. "Rassismus war schon immer da, aber die Menschen haben diese Situation als Vorwand benutzt, um ihrem Hass freien Lauf zu lassen. Leider ist Rassismus nicht mehr nur ein rechtsgerichtetes Thema im Land. Es hat sich in die Mitte der Gesellschaft verlagert."

Özil über sein Karriereende in der Nationalmannschaft

In Folge der Anfeindungen entschied sich Özil für den Rücktritt aus der DFB-Elf. "Ich habe das Gefühl gehabt, dass man eine Entschuldigung von mir erwartet, dass ich zugebe, dass es ein Fehler war. Dann wäre alles wieder gut gewesen. Wenn nicht, wäre ich nicht mehr willkommen gewesen." Neun erfolgreiche Jahre beim DFB gingen somit unrühmlich zu Ende. Özil: "Ich sage nicht, dass die Leute mich lieben müssen, sondern nur Respekt vor dem, was ich für Deutschland getan habe. Meine Generation hat den deutschen Fußball verändert".

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