Während sich Ex-Präsident Josep Bartomeu mit seinem Nachfolger Joan Laporta ... - Bildquelle: imago images/NurPhotoWährend sich Ex-Präsident Josep Bartomeu mit seinem Nachfolger Joan Laporta (Bild) streitet, schauen Stars wie Frenkie de Jong und Gerard Pique in die Röhre. © imago images/NurPhoto

Barcelona/München - Chaos im internationalen Fußball hat derzeit einen Namen: FC Barcelona.

Der einstige Spitzenklub ächzt unter einem gigantischen Schuldenberg, verprasst auf dem Sommer-Transfermarkt dennoch weiter fröhlich Geld und versucht nun händeringend neues Geld für die Anmeldung dieser Stars freizuschaufeln. Dabei ist es denn Verantwortlichen auch egal, ob Leistungsträger wie Frenkie de Jong durch kuriose Sparmaßnahmen vergrault werden.

Nach Informationen der "Mundo Deportivo" haben de Jongs Berater bereits die Spielergewerkschaft FIFPro und die spanische La Liga kontaktiert und sich über das Gebaren des Vereins zu beschweren. Anwälte des Niederländers untersuchen aktuell genau dessen Arbeitspapier mit den Katalanen. De Jong weigert sich demnach, erneut auf Gehalt zu verzichten und lehnt auch einen Wechsel ab.

Neben dem jungen Niederländer sollen nun auch die Verträge von drei weiteren Stars angepasst werden - zur Not auch mit juristischer Gewalt.

FC Barcelona: Vier Vertragsverlängerungen als tickende Zeitbomben

Im Oktober 2020 unterschrieben de Jong, Verteidiger Clement Lenglet (derzeit ausgeliehen an die Tottenham Hotspur), Barca-Legende Gerard Pique und der deutsche Nationalkeeper Marc-Andre ter Stegen neue Verträge bei den "Blaugrana".

Schon damals drückten die Katalanen große finanzielle Sorgen. In dieser Phase entschied sich der scheidende Präsident Josep Bartomeu kurz vor seinem Abgang zu einem gewagten Vorgehen. 

Die unterschriebenen Verträge beinhalteten drastische Gehaltskürzungen - zumindest auf den ersten Blick. Statt einer nachhaltigen Veränderung der Gehaltsstruktur verlängert Bartomeu die Arbeitspapier und schob die hohen Saläre einfach auf zukünftige Jahre.

Die Folge: Bartomeus finanzielle Bilanz bei seinem Abschied deutlich geschönt. Für den FC Barcelona entstanden aber laut übereinstimmenden Medienberichten aus Spanien zusätzliche Gehaltskosten in Höhe von über 300 Millionen Euro. Der Ex-Präsident stand besser da und erschwerte seinem ungeliebten Nachfolger Joan Laporta die Arbeit ungemein.

Schon während Bartomeus Amtszeit zankten sich die beiden immer wieder in den spanischen Medien.

FC Barcelona: Vier Verträge werden als "kriminell" eingestuft

Knapp zwei Jahre später ist Bartomeu nicht mehr da, stattdessen will sein Nachfolger Joan Laporta nun Nägel mit Köpfen machen.

Die 2020 aufgesetzten Verträge seien nicht weniger als "kriminell", ließen die Barca-Verantwortlichen laut der "Mundo Deportivo" mitteilen. Die aktuelle Klubführung wirft Bartomeu vor, während seiner Amtszeit Gelder des Vereins veruntreut zu haben. Aktuell muss sich der Ex-Präsident in einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung im Zuge des Neymar-Wechsels 2015 vor Gericht verantworten.  

Auch bei den Vertragsverlängerungen gäbe es laut Barca-Führung Unregelmäßigkeiten. Entsprechend sollen die vier von Bartomeu geschlossenen Arbeitspapiere aufgelöst und neu strukturiert werden.

Dafür benötigt der FC Barcelona aber die Zustimmung der betroffenen Spieler, was sich bislang sehr schwierig gestalten. Vor allem Frenkie de Jong, der eine der Hauptrolle der jüngsten finanziellen Überlegungen einnimmt, setzt mit seiner Zurückhaltung derzeit ein klares Zeichen.

Der niederländische Mittelfeldstratege akzeptierte eine Gehaltskürzung nach der anderen und muss nun dabei zusehen, wie sein Traumverein mehr als 150 Millionen Euro in Neuzugänge investiert.

FC Barcelona: Juristische Schritte gegen eigene Spieler?

Sollten die Stars allerdings nicht zustimmen, seien die Katalanen laut einem Bericht der "Sport" auch bereit, juristische Schritte gegen ihre eigenen Spieler einzuleiten. Diese würden sich dann nicht nur gegen den Vertrag und Ex-Präsident Bartomeu sondern auch gegen den entsprechenden Barca-Star richten.

Doch was würde ein juristischer Sieg für den FC Barcelona und die betroffenen Spieler um Marc-Andre ter Stegen bedeuten? 

Werden die Arbeitspapiere für nichtig erklärt, müssten die Stars wohl wieder zu ihren vorherigen Vereinbarungen zurückkehren. Zu viel erhaltenes Gehalt müssten die vier Spieler dann ebenfalls zurückzahlen, auch die Laufzeiten der Arbeitspapiere würden zurückgesetzt werden.

Die Laufzeit von ter Stegen würde sich demnach von 2025 auf 2023 verkürzen, Lenglets Vertrag würde ebenfalls im kommenden Jahr auslaufen (verlängert bis 2026), während Frenkie de Jong nicht mehr bis 2026 sondern nur noch bis 2024 an die "Blaugrana" gebunden wäre. Allesamt würden insgesamt deutlich weniger Gehalt kassieren.

Gerard Pique: Vereinslegende als Ausnahme im Vertragschaos

Eine Ausnahme in dieser Überlegung bildet die "kriminelle" Verlängerung mit Vereinslegende Pique, der seinen Kontrakt zwar verlängerte, aber darin keine zukünftige Gehaltserhöhung verankert hatte. 

Laut einem Bericht der "Mundo Deportivo" soll der 35 Jahre alte Routinier nun sogar bereit sein, auf die letzten zwei Jahre seines aktuellen Vertrags verzichten und stattdessen eine Anpassung aushandeln.

Dabei will der Welt- und Europameister offenbar auf eine Menge Gehalt verzichten, um seinem Verein dabei zu helfen, die Neuzugänge um Robert Lewandowski und Jules Kounde bei der spanischen Liga registrieren zu lassen. 

Josep Bartomeu: Ex-Präsident wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Hauptschuldige - zumindest in den Augen des FC Barcelona - will von den Vorwürfen gegen die Vertragsverlängerungen nichts wissen.

Josep Bartomeu halte sein Vorgehen für legal, die Vorwürfe des Vereins seien nichtig, da die Verlängerungen mit den vier Spielern von den Anwälten des Klubs und externen Auditoren ratifiziert wurden, lässt sich der ehemalige Präsident von dem Radiosender "SER Catalunya" zitieren. 

Zudem seien die Arbeitspapiere ordnungsgemäß bei der Liga eingereicht, verifiziert und registriert worden, behauptet Bartomeu.

FC Barcelona: Gehen Kessie und Christensen ablösefrei?

In jedem Fall läuft dem FC Barcelona die Zeit davon. Können sie ihre Gehaltskosten bis zum Liga-Start nicht senken, erhalten nicht alle Neuzugänge eine Spielerlaubnis. Und laut "ESPN" könnte es noch dicker kommen. Demnach könnten Franck Kessie und Ex-Gladbacher Andreas Christensen von einer Klausel im Vertragsrecht Gebrauch machen und die Katalanen wieder ablösefrei verlassen, sollten sie nicht spielberechtigt sein.

Besagte Klausel gelte aber nicht für Lewandowski und Kounde. Kessie und Christensen seien Sonderfälle, da sie als ablösefrei Transfers nach Barcelona kamen. Noch würden sich die beiden aber nicht ernsthaft mit dieser Option beschäftigen. 

Die Situation bei dem einst so stolzen und erfolgreichen Klub bleibt also weiter unübersichtlich. Der La-Liga-Start am Samstagabend gegen Rayo Vallecano (ab 21:00 Uhr im Liveticker) könnte die Aufmerksamkeit vorerst von den finanziellen Sorgen der Katalanen lenken.

Es dürften weiterhin spannende Tage am Camp Nou werden. 

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