Roman Bürki wird künftig in St. Louis im Tor stehen - Bildquelle: ImagoRoman Bürki wird künftig in St. Louis im Tor stehen © Imago

München/St. Louis - Dass die Torwart-Karriere von Lutz Pfannenstiel keine normale gewesen ist, wird schon anhand der langen Liste seiner Stationen deutlich.

Die ist so lang, dass sie bei seinem Wikipedia-Eintrag nicht auf eine Seite passt. Um zu erfahren, wo der heute 49-Jährige überall im Tor stand, muss man mit der Maus schon nach unten scrollen.

Bei so vielen Stationen ist es denn auch wenig verwunderlich, dass er bei keinem Verein auf eine dreistellige Anzahl an Liga-Spielen kam. Am häufigsten stand er noch beim 1. FC Kötzting im Tor. In 68 Spielen hütete er bei dem Verein in seiner bayerischen Heimat das Tor.

Und dennoch ist Pfannenstiel als Weltenbummler in die Fußball-Geschichte eingegangen – als erster Spieler bestritt er auf allen Kontinenten mindestens ein Profi-Spiel.

Aus Düsseldorf nach St. Louis

Da erscheint es nur logisch, dass es ihn auch nach eineinhalb Jahren als Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf wieder in die große weite Welt hinauszog.

Seit August 2020 ist er nun in den USA bei St. Louis City als Sportdirektor angestellt. Damit hält er es in Missouri schon jetzt länger aus als bei den allermeisten Vereinen, in denen er als Profi aktiv war.

Das Besondere daran: Noch hat sein Team nicht ein einziges Spiel in der Major League Soccer bestritten. Denn St. Louis wartet noch auf das Debüt in der MLS.

Eigentlich sollte es schon in diesem Jahr soweit sein. Doch die Coronavirus-Pandemie verzögerte den geplanten Start des Unternehmens. 2023 aber ist St. Louis definitiv dabei – als dann 28. Franchise der MLS.

"Wir sind sehr gut im Plan", sagte Pfannenstiel der "Passauer Neuen Presse". Die Franchise, die 2019 ins Leben gerufen wurde, nimmt inzwischen mit zwei Jugendmannschaften am Spielbetrieb teil: eine U16 und eine U17.

Auch eine U21 gibt es bereits, die in der Reserverunde MLS Next Pro mitspielt. Dort werden in Kürze auch ein paar Profis mitspielen, die man aus Deutschland ganz gut kennt.

Schon fünf Neuzugänge aus der Bundesliga

Denn Pfannenstiel mag zwar auf der ganzen Welt gespielt haben. Die besten Kontakte hat er aber noch in seine Heimat, auch weil er nach seiner aktiven Laufbahn Scout bei der TSG Hoffenheim war.

Und so kommt es, dass von den laut "transfermarkt.de" bisher sechs fixen Transfers für den Start des Abenteuers in der MLS allein fünf aus der Bundesliga kommen.

Der größte Name ist sicherlich Roman Bürki von Borussia Dortmund. Der Schweizer Keeper, mit 31 Jahren im besten Torhüter-Alter, hätte in Europa fast überall hin wechseln können. Er entschied sich aber für das Pfannenstiel-Projekt in St. Louis.

"Ich glaube nicht, dass man über Roman viele Worte verlieren muss. Er ist ein Top-Mann", lobte der Sportdirektor seinen Neuzugang.

Doch Bürki blieb nicht der einzige Bundesliga-Profi, den es nach Missouri verschlägt. Mit dem Kölner Tomas Ostrak und dem Hoffenheimer Joao Klass, der zuletzt nach Belgien ausgeliehen wurde, folgten zwei weitere Profis Pfannenstiels Ruf nach St. Louis.

Zuletzt schlossen sich auch Joakim Nilsson von Absteiger Arminia Bielefeld und Eduard Löwen von Hertha BSC dem Team aus den USA an.

"Seine körperlichen Attribute und seine Führungsqualitäten sind zwei starke Faktoren, warum er perfekt in unsere DNA passt", sagte Pfannenstiel über Löwen – seinen bislang letzten Transfer aus Deutschland.

Auch wenn alle in der nächsten Zeit noch im Reserve-Team spielen müssen und erst im Frühjahr 2023 ihr MLS-Debüt geben können, konnte sie Pfannenstiel von der neuen Herausforderung überzeugen.

Pfannenstiel: "Popularität wächst brutal"

"Wir können Spielern längerfristige Verträge bieten – bei ähnlichen finanziellen Konditionen wie Europa", sagte der Sportdirektor: "Wir bauen hier etwas Nachhaltiges auf." Gerade mit Blick auf die WM 2026 in Nord- und Mittelamerika werde der Fußballmarkt in den USA noch massiv wachsen, glaubt Pfannenstiel: "Die Popularität wächst schon jetzt brutal und auch das Niveau der MLS steigt stetig."

Dass dies nicht nur Worthülsen sind, beweist der Standort St. Louis selbst. "Wir haben unser Stadion für die kommenden drei Spielzeiten bereits ausverkauft, es gibt 80.000 Trikot-Vorbestellungen", erzählte Pfannenstiel.

Das neue Centene Stadium, das Ende Juli fertiggestellt sein soll, bietet Platz für 22.500 Fans und befindet sich in Downtown St. Louis. Noch ist auch der Kader des Teams nicht fertiggestellt. Zu Beginn des nächsten Jahres aber wird er spätestens stehen.

Es wäre überraschend, wenn sich bis dahin nicht noch der eine oder andere Bundesliga-Profi dem Projekt anschließen würde.

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