Gerardo Seoane unterschrieb bei Bayer Leverkusen einen Vertrag bis 2024. - Bildquelle: ImagoGerardo Seoane unterschrieb bei Bayer Leverkusen einen Vertrag bis 2024. © Imago

München - Bundesligist Bayer Leverkusen hat die Verpflichtung des Schweizer Meistertrainers Gerardo Seoane von den Young Boys Bern bekanntgegeben. 

Der 42-Jährige hat mit seinen Young Boys die Zeit der Basel-Serienmeisterschaften in den letzten Jahren nicht nur beendet. Nein, vielmehr führte er die Young Boys selbst zuletzt schon zum vierten Meistertitel in Serie. Nun unterschreibt der Ex-Profi mit spanischen Wurzeln einen Vertrag bis 2024 bei der Werkself. ran.de stellt den neuen Leverkusen-Coach näher vor. 

Nachfolger von "Birchermüsli-Trainer" Babbel

Der frühere Innenverteidiger Seoane, der in der Schweiz nur "Gerry" genannt wird, wurde in Luzern geboren und um den dort ansässigen Erstligisten dreht sich auch seine sportliche Vita. Beim FC Luzern begann Seoane einst seine aktive Karriere und beendete sie auch bei seinem Jugendklub nach diversen Stationen in der Schweiz und Spanien im Alter von nur 31 Jahren im Sommer 2010.

Danach blieb der frühere U21-Nationalspieler seinem Herzensklub Luzern erhalten, begann dort seine Trainerkarriere im Jahr 2013 im Nachwuchs und arbeitete sich Stück für Stück nach oben. Als Anfang 2018 dann Coach Markus Babbel bei der ersten Mannschaft des FC Luzern gefeuert wurde und von Investor Bernhard Alpstaeg zum Abschied wegen der angeblich fehlenden Härte noch als "Birchermüsli-Trainer" beschimpft wurde, bekam der damalige U21-Trainer Seoane seine Chance als dessen Nachfolger.

Als Hütter-Nachfolger: Top-Einstand ermöglicht Wechsel nach Bern

Seoane startete mit Luzern als Vorletzter in seine erste Cheftrainer-Station im Profi-Bereich und das Risiko mit dem damaligen No-Name-Trainer sollte sich für den Klub bezahlt machen. In den darauffolgenden 17 Liga-Spielen bis zum Saisonende holte Luzern unter dem für attraktiven Offensivfußball stehenden Seoane 34 Punkte und schaffte so noch den Sprung auf Rang drei.

Dieser starke Einstand von Seoane blieb den Young Boys Bern nicht verborgen, die sich im Sommer 2018 um einen Nachfolger für den damals zu Frankfurt wechselnden Meistertrainer Adi Hütter umsahen. Und die Wahl fiel auf Seoane, obwohl dieser zum damaligen Zeitpunkt nur sechs Monate Erfahrung als Trainer im Profifußball vorzuweisen hatte.

"Seine Persönlichkeit - er strahlt eine natürliche Autorität aus, hat einen starken Charakter, ist ehrgeizig, ambitioniert sowie teamorientiert", begründete YB-Sportchef Christoph Spycher, früherer Bundesliga-Profi bei Eintracht Frankfurt, die für Seoane damals. Was Hütter mit dem ersten Meistertitel 2018 einleitete, setzte Seoane in Bern fort – der 42-Jährige holte mit den Young Boys seither drei weitere Meistertitel in Folge. Außerdem formte er in Bern heutige Bundesliga-Stars wie Djibril Sow (Gladbach), Ruben Vargas (Augsburg) oder Kevin Mbabu (Wolfsburg). 

Lob von Gladbach-Ikone Stiel - Duftmarke gegen Leverkusen

Neben dem offensiven Spielstil, den Spycher 2018 ebenfalls als Grund für die Seoane-Verpflichtung anführte, gilt "Gerry" Seoane in der Schweiz vor allem wegen seiner sozialen Fähigkeiten als Top-Trainer. "Ich finde, er macht einen sehr guten Job bei YB", sagte der frühere Gladbach-Keeper Jörg Stiel vor einigen Wochen in der Bundesliga-Webshow auf ran.de, "er ist ein intelligenter, junger, aufstrebender Trainer. Er ist kommunikativ sehr stark." 

In Sachen Kommunikation hat Seoane tatsächlich ein ganz großes Plus. Der Sohn spanischer Einwanderer spricht nicht nur perfekt Deutsch und Spanisch. Zudem beherrscht der Schweizer Meistertrainer auch noch Französisch, Englisch, Italienisch sowie Portugiesisch fließend.

Lob gibt es aber nicht nur von Ex-Spielern wie Stiel, sondern auch von der internationalen Presse. So etwa nach den zwei Siegen der Berner in der Zwischenrunde der Europa League gegen Bayer Leverkusen (4:3, 2:0). Spätestens mit dieser sportlichen Duftmarke hatte Seoane sich dann endgültig auf die Notizblöcke der Bundesliga-Klubs gebracht. 

Leverkusen erhält den Zuschlag

"Wie die Zukunft aussehen wird, werden wir in den nächsten Monaten sehen. Vielleicht kommen Angebote und vielleicht nicht - im Moment bin ich einfach glücklich", gab sich Seoane zuletzt bezüglich eines möglichen Abgangs aus Bern jedoch noch recht zurückhaltend. Schließlich hatte der Erfolgstrainer beim Schweizer Hauptstadt-Klub zu diesem Zeitpunkt auch noch einen Vertrag bis 2023. Nun hat aber doch Leverkusen den Zuschlag erhalten, kaufte Seoane aus dessen laufenden Kontrakt heraus.

Sein Landsmann Stiel äußerte sich gespannt und mit Vorfreude bezüglich eines möglichen Engagements des dreimaligen Schweizer Meistertrainers in Deutschland: "Es wäre interessant zu sehen, wie sich Seoane im Bundesliga-Umfeld bewegen würde." Statt gegen Leverkusen wird Seoane in der kommenden Saison nun mit den Rheinländern in der Europa League an den Start gehen. 

Christoph Gailer

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