Von Daniel Kugler

Auch wenige Tage nach dem 15-Punkte-Abzug für den italienischen Rekordmeister Juventus Turin wegen gefälschter Finanzberichte kehrt keine Ruhe bei der "Alten Dame" ein.

Von Vereinsseite werden die Anschuldigungen jeglicher Tricksereien bei Transfers und Spielergehältern weiterhin konsequent abgestritten. Mehr noch, die Oberen des Klubs wollen gegen die Strafe vorgehen.

Die Erfolgsaussichten jeglicher juristischer Gegenmaßnahmen dürften jedoch gering sein. Ganz im Gegenteil, den "Bianconeri" droht vielmehr weiterer Ärger.

In mehreren Medienberichten herrscht die einhellige Meinung vor, dass den Turinern über die sportlichen Sanktionen hinaus hohe Geldstrafen drohen und sogar der erneute Zwangsabstieg aus der Serie A bevorstehen könnte.

Und auch auf ziviler Ebene droht den Norditalienern wohl Ungemach. Cristiano Ronaldo soll eine Klage gegen seinen Ex-Klub erwägen.

Cristiano Ronaldo strebt wohl Zivilklage gegen Juventus Turin an

Den Turinern wird angelastet, während der Corona-Krise mit diversen Spielern Vereinbarungen getroffen zu haben, um deren Gehälter temporär zu kürzen.

Den Behörden liegen offenbar aber Unterlagen vor, die belegen, dass der Verein die Spieler trotzdem schwarz weiter bezahlt haben und damit Millionen an Spielersalären nicht ordnungsgemäß abgerechnet haben soll.

Im Fall von Superstar Ronaldo ist die Problematik aber wohl noch spezieller. Dem 37-Jährigen lag wohl auch eine entsprechende Vertragsanpassung vor, welche der Spieler aber nicht unterschrieben haben soll. Die Rede ist folglich von ausstehenden Gehaltszahlungen an den Portugiesen von knapp 20 Millionen Euro.

Laut der Zeitung "La Repubblica" erwägt "CR7" derzeit, mit seinen Anwälten eine Zivilklage gegen seinen Ex-Klub einzureichen. Eine erste Anhörung soll dabei bereits am 27. März stattfinden.

Und es wird noch besser. In den italienischen Medien ist die Rede von einem "Geheimdokument", in welchem Ronaldo auch im Falle eines Vereinswechsels die Zahlung der ausstehenden Gehälter garantiert wurde.

Neben Ronaldo gerieten nun wohl auch zahlreiche Spieler der Turiner ins Fadenkreuz der Ermittler, die durch ihre Beteiligung an den krummen Geschäften der Turiner wohl mit persönlichen Konsequenzen rechnen müssen.

Juves falsche Buchführung: (Ex-)Spielern droht wohl Sperre

So drohen wohl empfindliche Strafen für aktuelle und ehemalige Akteure der Turiner - in den Medien kursiert eine Liste von insgesamt 23 Spielern.

Laut dem italienischen Journalisten Paolo Ziliani könnten besagte Profis mit einer Sperre von 30 Tagen oder mehr belegt werden, selbst wenn sie nicht mehr für den Turiner Klub tätig sind, wenn sie fälschlicherweise niedrigere Löhne akzeptiert haben bzw. deren Gehaltskürzungen nicht ordnungsgemäß gemeldet wurden.

Die prominentesten Namen auf der Liste, die nicht mehr für die "Bianconeri" spielen: Dejan Kulusevski und Rodrigo Bentancur (beide Tottenham Hotspur), Matthijs de Ligt (FC Bayern München) und Ronaldo (Al-Nassr).

Wie die "AS" und die "Gazzetta dello Sport" berichten, haben die Ermittler bei der "Alten Dame" reihenweise Dokumente gefunden, die Ronaldo und weitere Juve-Stars belasten sollen.

Neben den genannten Ex-Spielern betreffen diese Anschuldigungen wohl auch die aktuellen Turiner um Wojciech Szczesny, Leonardo Bonucci, Juan Cuadrado, Adrien Rabiot und den Ex-Schalker Weston McKennie.

Ein ewiger Spieler von Juve könnte bei der Umsetzung der krummen Gehaltsabsprachen wohl als Strippenzieher zwischen Verein und Mannschaft fungiert haben.

Finanzbetrug bei Juventus: Verteidiger Giorgio Chiellini im Mittelpunkt?

Ziliani erklärte, dass im Rahmen der Ermittlungen "alle beteiligten Akteure befragt wurden und die Vorfälle zugegeben haben".

Und weiter: "Zwei Spieler, Matthijs de Ligt und Mattia De Sciglio, haben den Richtern eine Kopie des Whatsapp-Chats zur Verfügung gestellt, in dem Giorgio Chiellini allen den Betrug erklärte und vorschlug, ihn gegenüber Journalisten nicht zu erwähnen."

Im Fall von Ronaldo könnte es dabei besonders brisant werden. Im zugrunde liegenden Bericht wird behauptet, dass mit dem 37-Jährigen ein falsches Spiel gespielt wurde.

Dabei drehe es sich im Rahmen der offenen Gehaltsforderungen des Portugiesen im zweistelligen Millionenbereich um ein Dokument, das zwar vom Klub unterschrieben worden sein soll, aber offenbar niemals an den Spieler geschickt wurde.

Doch nicht nur in Sachen Gehaltsbudget sollen die Turiner Bilanzen frisiert haben. Auch reihenweise Transfers stehen demnach unter Beobachtung der Behörden.

Juventus Turin: Wird Transfer-Deal um Miralem Pjanic und Arthur zum Verhängnis?

Laut vorliegenden Medienberichten sehen es die zuständigen Richter als erwiesen an, dass Juventus über Jahre hinweg durch fiktive Marktwertangaben seiner Spieler die Klub-Bilanzen beschönigt habe.

Ferner wird den Turinern vorgeworfen, dass Rechnungen für nicht-existierende Geschäfte gestellt und Transfers künstlich aufgebläht worden sind. Dabei sollen allein in den Geschäftsjahren 2018 bis 2020 durch den Bilanzbetrug mehr als 100 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschafft worden sein.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht offenbar der Spielertausch um Miralem Pjanic und Arthur. Ersterer wechselte 2020 für 60 Millionen Euro zum FC Barcelona, die Katalanen schickten im Gegenzug den Brasilianer Arthur für 72 Millionen Euro nach Turin.

Der besagte Deal sowie die Finanzen des Klubs an sich werden neben den italienischen Behörden demnach derzeit auch von der UEFA geprüft.

Nach Juventus-Skandal: Wohl auch Ermittlungen gegen Neapel

Juventus ist aber wohl nicht der letzte italienische Top-Klub, der von einer Untersuchung betroffen ist, denn die Staatsanwaltschaft hat demnach auch die Eröffnung eines Verfahrens gegen den SSC Neapel beantragt.

Dabei soll es unter anderem um den Transfer von Stürmer Victor Osimhen und die möglicherweise falschen Angabe der Ablösesumme für den nigerianischen Stürmer gehen, der vom OSC Lille kam.

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