Virgil van Dijk zog gegen Lionel Messi den Kürzeren. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesVirgil van Dijk zog gegen Lionel Messi den Kürzeren. © 2019 Getty Images

München - Lionel Messi verkörpert an seinen guten Tagen die ganze Schönheit des Fußballs. Den Fußball in seiner reinsten Form. Eleganz, Dynamik, Torgefahr. In ihm bündelt sich die Sehnsucht nach der Anmut, dem Charisma eines Spiels, das sich zunehmend im Kommerz verliert. Ein Held für die Romantiker, wenn man so will.

Es ist deshalb keine Frage, dass der Argentinier bei einer Wahl zum Weltfußballer des Jahres weit nach vorne gehört. Dass er die Wahl am Montag zum insgesamt sechsten Mal gewonnen hat, mutet dann aber doch etwas seltsam an.

Demokratisch gewählt

Man muss klar sagen: Die Weltfußball-Wahl ist eine Wahl. Abstimmungsberechtigt waren zu je 25 Prozent die Kapitäne und die Trainer aller Nationalmannschaften in der FIFA, die Fans weltweit sowie mehr als 200 Medienvertreter. 

Heißt: Der Mittelfeldmann vom FC Barcelona ist demokratisch gewählt. Und das sicher nicht unverdient.

Er wurde zudem zum Großteil von Leuten gewählt, die vom Fach sind. Was es daher noch überraschender macht.

Wobei: Wir wissen aus den Vorjahren, dass viele in erster Linie erstmal ihre Leute wählen, oder persönliche Vorlieben zum Ausdruck bringen. Oder komplett gegen den Mainstream gehen. Wie Joachim Löw: Der Bundestrainer wählte Eden Hazard, Kylian Mbappe und Sadio Mane auf die ersten drei Plätze. Manuel Neuer, vielleicht aus Abwehr-Verbundenheit, van Dijk.

Es wirkt, als sei das oft eingebrannt: Messi oder Ronaldo. Da muss schon einer wie Luka Modric kommen, um wie im Vorjahr die Dauerregentschaft der beiden zu beenden. Aber auch er ist ein Dirigent, einer, der für das Extravagante steht.

Es wirkt auch, als reiche bei Messi oder auch Ronaldo gerne mal eine für ihre Verhältnisse bescheidenere Saison mit lediglich einer nationalen Meisterschaft zum Gewinn. Vor allem dann, wenn ein Verteidiger der größte Konkurrent ist. 

Ja, Messi hat 51 Pflichtspieltore geschossen, den goldenen Schuh für Europas besten Torjäger gewonnen. Ein Vergleich zwischen Messi und Virgil van Dijk hinkt von grundauf sowieso schon gewaltig, doch nach neutralen Gesichtspunkten hätte der Niederländer wie schon bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres den Sieg verdient gehabt.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Schwerer Stand

Doch schon die Vergangenheit zeigt, dass es Abwehrspieler von Natur aus schwerer haben. Der 28-Jährige hätte den Award als erst zweiter Verteidiger nach Fabio Cannavaro 2006 erhalten. Bei dieser Wahl wäre er sogar fast noch hinter Ronaldo auf Platz drei gelandet.

Für van Dijk wäre der Triumph die Krönung gewesen nach einer beeindruckenden Saison, in der er mit Liverpool die Champions League gewann, in der Premier League einen klubinternen Punkterekord aufstellte und mit der niederländischen Nationalmannschaft das Finale der Nations League erreichte.

Hier ist Messis Schwachpunkt: In der argentinischen Nationalmannschaft enttäuscht er tatsächlich regelmäßig.

Warum er trotzdem gewann? Das wird das Geheimnis derjenigen bleiben, die ihn gewählt haben. Oder van Dijk nicht. Vielleicht, weil es seine ureigene Aufgabe ist, die Schönheit des Spiels zu zerstören.

Andreas Reiners

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