Die flache Hierarchie beflügelt die Nationalmannschaft. - Bildquelle: imago images / Jan HuebnerDie flache Hierarchie beflügelt die Nationalmannschaft. © imago images / Jan Huebner

Düsseldorf - Die Kapitänsbinde im Länderspiel gegen Argentinien trug Joshua Kimmich "mit Stolz". Der Münchner gilt in der deutschen Nationalmannschaft als Wortführer der neuen Generation. Doch als großer Chef auf dem Platz sieht sich Kimmich noch nicht - im Gegenteil. "Jeder Einzelne", sagte der 24-Jährige, "muss mehr Verantwortung übernehmen und ist gefordert."

Diese Forderung hören die Verantwortlichen gerne. Nach der Ausbootung der drei Rio-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng wurde auch der Mannschaftsrat im DFB-Team abgeschafft. Gemeinsam mit den Spielern habe man besprochen, "dass ein klassischer Mannschaftsrat alter Prägung nicht mehr passend für unser Miteinander ist", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff zuletzt in der "Sport Bild".

Das ist auch im Sinne des Bundestrainers. Joachim Löw will im nach dem WM-Debakel in Russland 2018 eingeleiteten Umbruch keine Hierarchie von oben herab bestimmen. "Das wird sich entwickeln", sagte Löw gelassen.

Flache Hierarchie als Erfolgsformel

Kimmich nimmt aufgrund seiner Leistungen im Verein und in der Nationalmannschaft in dieser "gelebten flachen Hierarchie" (Bierhoff) eine wichtige Rolle ein. Kapitän Manuel Neuer und sein Stellvertreter Toni Kroos zählen weiterhin zu den Anführern. "Die Spieler, die schon länger dabei sind, beschäftigen sich mit den Spielern, die neu dabei sind", sagte Löw. "Die Energie in der Mannschaft", so Löw, "ist sehr, sehr gut."

Nach dem Aus für den Mannschaftsrat, der unter anderem vor den Turnieren die Prämien für die Spieler aushandelte, gebe es nun "verschiedene Runden", in denen "themenbezogen" Teambelange besprochen würden, erklärte Neuer.

Auch sein Bayern-Teamkollege Leon Goretzka forderte, dass "jeder das Wort ergreifen" solle. "Wir sind an einem Punkt, gesellschaftlich und sportlich, an dem jeder was sagen darf. Dafür muss man keine 50 Länderspiele gemacht haben", sagte Goretzka vor dem vielleicht schon letzten Schritt zur EM 2020 am Samstag (20:45 Uhr im Liveticker) in Mönchengladbach gegen Weißrussland. Die "absolute Grundvoraussetzung, um Führungsspieler zu werden", sei aber, "Leistung zu zeigen und auf dem Platz unantastbar zu werden."

Zusammenhalt auf und neben dem Platz

Aber auch abseits des Platzes geht es lockerer zu. Eine Tischaufteilung bei den gemeinsamen Mahlzeiten gibt es nicht. Man sitze "bunt gemischt", verriet Timo Werner. In Löws Kader sind viele Spieler der Jahrgänge 1995/96, die schon in den U-Teams des DFB zusammen gespielt haben. "Man kennt sich schon lange untereinander. Es gibt da keine Differenzen", sagte Werner. Bierhoff verspürt eine "gute Stimmung."

Im EM-Jahr, wenn zahlreiche verletzte Spieler in den Kreis der Nationalmannschaft zurückkehren, dürften sich die Strukturen mit Blick auf das Turnier weiter festigen. "Die Hierarchie entwickelt sich mit den Spielen", sagte Kimmich. Er ist bereit, weiter voranzugehen: "Die Verantwortung, die man selber für das Team hat, wird größer."

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