Kostenfaktor und Gewinnbringer: Die deutsche Nationalmannschaft - Bildquelle: ImagoKostenfaktor und Gewinnbringer: Die deutsche Nationalmannschaft © Imago

München – Der Erfolg steht über allem. Besonders wenn ein Turnier bevorsteht, sitzt das Geld beim DFB locker. "Bei der Planung steht für uns nicht im Vordergrund, ob wir 1000 Euro mehr oder weniger ausgeben", stellt DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge klar. "Wir wollen optimale Bedingungen für unsere Jungs schaffen, für das Betreuerteam und für die Trainer, damit die sportliche Leistung abgeliefert werden kann."

Die deutsche Nationalmannschaft verschlingt Jahr für Jahr zig Millionen - besonders wenn ein Großturnier ansteht. Im Jahre 2016, als die Europameisterschaft in Frankreich stattfand, kostete die A-Nationalmannschaft laut dem Finanzbericht des DFB 35,273 Millionen Euro.

Die bis zu vier Millionen Euro, die Bundestrainer Joachim Löw laut Medienberichten jährlich verdient, sind da nur ein kleiner Faktor. Das rund 40 Personen große Betreuerteam, die Reisekosten oder die Übernachtungen kosten weitaus mehr. Allein 22,328 Millionen Euro wurden 2016 für das Teammanagement aufgebracht.  

60 Millionen Euro Gewinn im WM-Jahr 2014

Wegen dieser Kosten rümpft in Frankfurt allerdings niemand die Nase. Schließlich sind die Einnahmen, die sich mit der Nationalmannschaft verdienen lassen, deutlich höher. Im Jahre 2016 spielte die A-Nationalmannschaft 85,877 Millionen Euro ein – macht also einen Gewinn von über 50 Millionen Euro.  

Noch lukrativer war das Jahr 2014, in dem Deutschland bei der WM in Brasilien Weltmeister wurde. 44,722 Millionen Euro Ausgaben standen beachtliche Einnahmen von 105,172 Millionen Euro gegenüber – ergibt einen Gewinn von mehr als 60 Millionen.

Alle anderen DFB-Nationalmannschaften machen Minus

Die Nationalmannschaft ist somit der große Geldmacher des DFB. Diesen braucht der Verband allerdings auch. Die übrigen Nationalmannschaften, ob bei den Herren oder bei den Frauen, sind nämlich ein Zuschussgeschäft.

Zwei Beispiele: Im Jahre 2015, als die Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada stattfand und die DFB-Auswahl immerhin den 4. Platz belegte, kostete die Mannschaft 5,246 Millionen Euro, spielte aber nur gut 2,5 Millionen Euro wieder ein – also nicht einmal die Hälfte.

Und als die männliche U21-Nationalmannschaft im gleichen Jahr an der EM in Tschechien teilnahm und immerhin das Halbfinale erreichte, überstiegen die Kosten (3,8 Mio.) die Einnahmen (knapp 1,3 Mio.) fast um das Dreifache.

Kein Wunder also, dass bei dem Gewinnbringer A-Nationalmannschaft nicht geknausert wird. Bei der Weltmeisterschaft 2014 wurde laut Medienberichten ein Sonderetat von 22 Millionen Euro bereitgestellt. Das war der bis dahin größte der Geschichte.

Noch lässt sich nicht vorhersagen, wie teuer die bevorstehende Weltmeisterschaft in Russland sein wird. Schließlich hängt das auch von dem sportlichen Abschneiden ab. Das Hauptquartier der DFB-Auswahl wird das Watutinki Hotel Spa Complex bei Moskau sein. Laut Teammanager Oliver Bierhoff sind die Kosten dort geringer als in Brasilien, wo die Unterbringung im Campo Bahia rund 1,5 Millionen Euro gekostet haben soll.

Doch nicht nur das Hauptquartier kostet Geld. Auch die Flüge und Übernachtungen an den Spielorten sind ein Kostenfaktor. "Je nachdem, welchen Platz wir belegen, variieren die Zimmerkosten um 400 bis 500 Prozent", verriet der Schatzmeister. "Wenn sie in Petersburg spielen, ist das eine ganz andere Hausnummer als an einem anderen Spielort." Sollte Deutschland Gruppensieger werden, steht bereits für das Achtelfinale die teure Reise nach St. Petersburg an. Werden sie Gruppenzweiter, würde es ein mögliches Halbfinale in der zweitgrößten Stadt Russlands geben.

Während die Nationalmannschaft über das ganze Jahr praktisch immer Gewinn macht, könnte die Weltmeisterschaft an sich auch ein Minusgeschäft werden, wenn der Erfolg ausbleibt. Weiterkommen ist also Pflicht. Osnabrügge erklärt: "Wenn wir das Viertelfinale überstehen, freut sich der Schatzmeister nicht nur, weil wir sportlich erfolgreich sind, sondern auch, weil sowohl für unseren Partner, die Liga, als auch für den DFB ein Deckungsbetrag rauskommt."

Spieler kassieren 350.000 Euro für WM-Titel

Für einen sportlichen Erfolg würden Thomas Müller & Co. mit einer satten Prämie belohnt werden. Für das Erreichen des Viertelfinales erhält jeder Spieler 75.000 Euro, für den Halbfinaleinzug 125.000 Euro, für Platz 3 gibt es 150.000 Euro, für eine Endspielteilnahme 200.000 Euro, für den WM-Titel 350.000 Euro. Das wären 50.000 Euro mehr als beim WM-Titel 2014.

Sollte die Nationalmannschaft hingegen in der Gruppenphase oder im Achtelfinale scheitern, gibt es keine Prämien.

Doch daran möchte sicherlich niemand denken.

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