Karl-Heinz Rummenigge zieht sich zum 30. Juni zurück - Bildquelle: ImagoKarl-Heinz Rummenigge zieht sich zum 30. Juni zurück © Imago

Frankfurt/München - Der monatelange Machtkampf ist zu Ende und echte Gewinner sind keine in Sicht. DFB-Präsident Fritz Keller konnte sich, nachdem er seinen Vize Rainer Koch mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte, nicht mehr halten.

Den Großteil seiner Widersacher mit in den Abgrund zu reißen, kann Keller allerdings als Sieg verbuchen. Jetzt bietet sich die einmalige Chance, ohne Rücksicht auf Personen, die Strukturen des DFB grundlegend zu verändern. Ohne Sticheleien, Attacken und Machtkämpfe.

Erfahrung, Expertise, Autorität und das richtige Maß an Rücksichtslosigkeit werden jetzt benötigt!

Lothar Matthäus hatte deswegen Recht, als er schon Anfang des Monats Karl-Heinz Rummenigge als neuen starken Mann beim DFB ins Spiel brachte.

Rummenigge, der zum Jahresende ohnehin seinen Job als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern an Oliver Kahn abgibt, wäre den DFL-Klubs ohne Probleme vermittelbar und könnte den mächtigen Fürsten der DFB-Regionalverbände die Stirn bieten.

Rummenigge muss nicht auf Schmusekurs gehen

Der ehemalige Weltklasse-Stürmer hat in seiner Karriere genug erreicht und braucht den Job nicht auf Jahre hinaus. Er müsste mit Rainer Koch, der als Präsident des Bayerischen und des Süddeutschen Fußball-Verbandes weiterhin eine gewichtige Rolle spielen wird, nicht auf Schmusekurs gehen. Freunde werden beide ohnehin nicht mehr.

Ohne Blick auf die eigene Eitelkeit und ohne Rücksicht auf alte Machtverhältnisse könnte der national und international bestens vernetzte Rummenigge also den Verband neu formen und dann an ein frisches Gesicht abgeben. Denn eines ist klar: Der DFB kann nicht für alle Ewigkeit von alten weißen Männern dominiert werden. Das Denken und Handeln muss diverser werden!

Drei Jahre Rosskur unter Rummenigges Führung dürften reichen, um den DFB fit zu machen. Die EM 2024 im eigenen Land wäre dann der ideale Zeitpunkt für die Übergabe des Staffelstabs und Rummenigge könnte sich zufrieden in den Ruhestand zurückziehen.

Während der DFB faktisch zum Multimillionen-Unternehmen geworden ist, stammen die Strukturen teilweise aus einer Zeit, als bunte Fußballschuhe noch etwas Besonderes waren. Wie man hier einen Wandel erfolgreich herbeiführt, weiß Rummenigge noch aus der Zeit, als der FC Bayern vom eingetragenen Verein zur Fußball-AG wurde. Besser geht’s nicht.

Nicht nur kluge Ratschläge, sondern Taten

Hinzu kommt, dass der 65-Jährige – stets einer der größten Kritiker des DFB und seines Personals – endlich beweisen könnte, dass er nicht nur kluge Ratschläge Richtung Frankfurter Otto-Fleck-Schneise geben, sondern auch selbst anpacken kann, wenn es um das Wohl Fußball-Deutschlands geht.

Auch wenn Rummenigge selbst die Übernahme des DFB-Präsidentensamtes als "Harakiri" bezeichnete, sollte er jetzt umdenken, denn jede oder jeder andere würde wohl vom "System DFB" gnadenlos geschluckt und ausgezehrt werden. Fritz Keller ist dafür das jüngste Beispiel.

Also, Herr Rummenigge, übernehmen Sie!

Stefan Kumberger

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