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München – Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dank eines Treffers des eingewechselten Niclas Füllkrug zum 1:1-Endstand gegen favorisierte Spanier im zweiten Gruppenspiel darf die DFB-Elf um Bundestrainer Hansi Flick nun doch wieder vom Achtelfinale bei der WM in Katar träumen.

Ex-Nationalspieler Torsten Frings hat das Ergebnis in der "ran WM Webshow" exklusiv eingeordnet und spricht in der Sendung über …

… das 1:1 der DFB-Elf gegen Spanien: "Ich bin nach dem Unentschieden natürlich mega erleichtert gewesen, die Hoffnung ist noch da. Man muss den Jungs außerdem ein großes Kompliment machen, wie sie mit der harten Kritik nach dem Japan-Spiel umgegangen sind. Da ist ja einiges auf sie eingeprasselt, obwohl auch in dieser Partie sicherlich nicht alles schlecht war. Und auch dass sie nach dem 0:1 durch Alvaro Morata gegen Spanien nochmal zurückgekommen sind, wird der gesamten Mannschaft richtig gut getan haben. Ich bin also unter dem Strich mindestens genauso erleichtert über das Ergebnis wie jeder andere Fussball-Fan in Deutschland jetzt auch."

… die Möglichkeit, dass der deutschen Mannschaft die "großen" Gegner einfach mehr liegen als die "kleine": "Man muss einfach bei jedem Spiel einhundert Prozent Leistung bringen. Und das ist ja genau das, was mich bei der deutschen Mannschaft bislang so gestört hat. Wenn man die Laufbereitschaft und den Willen gegen Spanien gesehen hat und das mit dem Japan-Spiel vergleicht, da fragt man sich dann schon, ob da vorher jeder verstanden hat, worum es bei einer Weltmeisterschaft eigentlich geht. Denn Fussball spielen können die Jungs ja alle, das haben sie gegen die Spanier mit einer eindrucksvollen Leistung bewiesen und sich so eben auch die Chance aufs Achtelfinale offen gehalten."

… eventuelle Unstimmigkeiten im DFB-Team nach der Auftaktpleite gegen Japan: "Ich glaube, dass die Jungs sich auf jeden Fall ganz klar die Meinung gesagt haben. In der Presse wurde ja bereits daran gezweifelt, dass das überhaupt eine Einheit, ein richtiges Team sei. Wenn du sowas als Spieler liest, tut dir das natürlich weh. Denn so eine Behauptung ist natürlich das Schlimmste, was dir als Mannschaft passieren kann. Deswegen ist da sicherlich Klartext gesprochen worden, damit nun wirklich jeder Spieler kapiert hat, um was es bei diesem Turnier in Katar geht. Leon Goretzka hat es ganz richtig gesagt, dass gegen Spanien elf Männer auf dem Platz standen. Allerdings geht es nicht in meinen Kopf, dass man erst auf die Schnauze fallen muss, um dann eine Reaktion zu zeigen. Wir haben uns diese Situation selbst eingebrockt, können im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica aber einiges wieder gut machen. Trotzdem sollte man das Japan-Spiel nicht aus den Köpfen streichen. Denn solche Leistungsschwankungen innerhalb von nur wenigen Tagen sind unerklärlich: ein totaler Zusammenfall in den letzten 20 Minuten gegen Japan und jetzt auf einmal 90 Minuten Hintern aufreißen gegen Spanien. Genau das muss aber die Basis sein, nur so kann man eine WM auch angehen und spielen."

… Niclas Füllkrug: "Er ist ein Spieler, der sich nicht so viele Gedanken macht. Für ihn ist es ein Erlebnis, überhaupt bei der WM dabei sein zu dürfen. Hinzu kommt, dass Niclas aufgrund seiner bisherigen, sehr erfolgreichen Saison bei Werder Bremen eine totale Euphorie in sich trägt und nur so vor Selbstbewusstsein strotzt. Warum sollte man so einen Jungen also nicht einfach mal reinschmeißen? Hansi Flick hat es jetzt endlich gemacht und Füllkrug hat ihm das Vertrauen sofort zurückgezahlt. Ich bin persönlich sowieso ein großer Fan davon, immer mit einem klaren Neuner zu spielen. Allerdings müsste dann ein Spieler wie Thomas Müller hinter ihm spielen, der sich dann - wie damals beim FC Bayern mit Robert Lewandowski - immer wieder um ihn herumbewegt. Da sehe ich Füllkrug dann am stärksten. Außerdem ist er mit seiner Körperlichkeit natürlich auch noch eine absolute Waffe bei Standardsituationen und man kann ihm im Zweifel auch mal mit langen, hohen Bällen anspielen, die er dann top verarbeitet. Aus meiner Sicht hat er sich die Chance absolut verdient, gegen Costa Rica in der Startelf zu stehen."

… einen möglichen Startelf-Einsatz von Füllkrug gegen Costa Rica: "Die anderen Jungs wissen natürlich, was sie an Füllkrug haben. Er ist ein klarer Neuner, der die Statik des Spiels verändert. Auf der anderen Seite müsste dann ja jemand anderes für ihn auf die Bank und somit um seinen Platz in der Startelf zittern. Das hat man als Spieler erfahrungsgemäß auch nicht so gerne. Allerdings muss man bei so einer WM die eigenen Eitelkeiten hinten anstellen, um erfolgreich zu sein. Und mit dem Wissen, dass wir gegen Costa Rica gewinnen und das eine oder andere Tor erzielen müssen, glaube ich fest daran, dass Flick ihn von Beginn an spielen lassen wird. Zumal das ein Spiel auf ein Tor werden wird – da ist Füllkrug für mich persönlich sowieso gesetzt. Denn es wird sicherlich viele Flanken aus dem Halbfeld geben, die er dann bestenfalls verwerten kann."

… die nicht genutzten Torchancen von Jamal Musiala und Leroy Sane: "Einfach wie Füllkrug das Ding unter die Latte hauen – das ist immer die beste Lösung. Aber wenn ich mir die Torchance von Jamal Musiala so anschaue, bin ich ehrlich gesagt gar nicht so sicher, ob er ihn in dieser Situation wirklich querlegen kann. Aber einfach mittig auf den Keeper zu schießen ist sicherlich auch nicht die beste Lösung. Flach in die lange Ecke wäre hier die sicherste Variante gewesen, ein Treffer zu erzielen. Und bei Sane hat mir letztlich ein wenig die Überzeugung gefehlt. Er ist nach seiner Verletzung aber auch noch nicht wieder im Rhythmus. Das war klar zu erkennen. Wenn er topfit gewesen wäre, hätte er das Ding auch gemacht."

… Jamal Musiala: "Er ist in seiner jetzigen Verfassung nicht mehr aus der deutschen Nationalmannschaft wegzudenken. Es ist unglaublich, wie gut dieser Junge mit seinen 19 Jahren schon ist. Und er kann vor allem ja nur noch besser werden. Das ist ein Spieler, an dem wir noch sehr viel Freude haben werden. Allerdings ist es natürlich immer gefährlich, wenn du in so jungen Jahren schon so viele Spiele machst, dass dann vielleicht mal ein kleiner Knick in der Karriere kommt. Leider häufig durch Verletzungen. Ich wünsche ihm aber, dass er davon verschont bleibt und seinen Weg weiter geht."

… den kommenden Gruppengegner Costa Rica: "Sie haben gegen Japan gezeigt, dass sie noch da sind. Ich glaube auch, dass ihnen die sieben Gegentore gegen Spanien bei einer WM richtig weh getan haben und sie das nicht so auf sich sitzen lassen wollten. Allerdings kann ich Japan nicht verstehen. Die schlagen die deutsche Mannschaft, werden gefeiert ohne Ende und versagen dann in so einem wichtigen Spiel gegen Costa Rica. Natürlich ist das eine ordentliche Mannschaft, aber wenn wir gegen sie auch nur halbwegs so spielen wie gegen Spanien, werden wir Costa Rica auch schlagen."

… sein eigenes Tor gegen Costa Rica im WM-Auftaktspiel 2006: "Ich erinnere mich sehr gerne daran zurück. Das war sicherlich eines der schönsten Tore meiner Karriere – weil es auch ein wichtiges war. Da haben wir mit dem 4:2 den Deckel drauf gemacht. Ich hoffe natürlich, dass die Jungs das am Donnerstag genauso machen."

… Kevin De Bruynes Aussagen, dass die belgische Mannschaft zu alt sei: "Das sind Aussagen, die man bei so einem Turnier nicht tätigen kann. Das geht so einfach nicht. Ich wäre als Mitspieler richtig angepisst gewesen. Denn du fährst als belgische Mannschaft nach Katar mit dem klaren Ziel und eigentlich auch den sportlichen Voraussetzungen, um den WM-Titel mitzuspielen, aber dann stellt sich heraus, dass das offensichtlich keine richtige Mannschaft ist. Es wirkt auf mich so, als ob sie nur dort wären, weil sie für ihr Land bei einer Weltmeisterschaft dabei sein müssen. Aber ohne großes Ziel. Deswegen ist das für mich eine ganz, ganz schlimme Aussage."

… den möglichen WM-Achtelfinalgegner der DFB-Elf: "Ich glaube, dass es Kroatien wird. Man darf Belgien natürlich aufgrund ihrer individuellen Klasse nicht unterschätzen, aber ich bin der Überzeugung, dass ihnen die Aussagen von Kevin De Bruyne noch ordentlich nachhängen. Zumal die Kroaten so abgezockt sind, dass sie, wenn es darauf ankommt, ihr entscheidendes Spiel auch gewinnen werden. Dafür sind sie mit Spielern wie Luka Modric einfach zu erfahren. Das wird also ein ganz dickes Brett für uns im Achtelfinale – wenn wir es denn erreichen. Davon gehe ich aber ganz sicher aus. Aber klar, erstmal Costa Rica schlagen, dann können wir auch ausführlich über Kroatien sprechen."

… die strauchelnden Favoriten wie beispielsweise Argentinien: "Bei den Argentiniern war nach dem 2:0 gegen Mexiko pure Erleichterung zu spüren. Ich glaube, dass wirklich keiner damit gerechnet hat, dass man zum Auftakt gegen Saudi-Arabien verliert. Aber die Konstellation in der Gruppe war schon von Anfang an so, dass Argentinien nach Saudi-Arabien noch zwei Gegner hatte bzw. hat, die sie aufgrund ihrer eigenen Stärke schlagen können. Deswegen war mir eigentlich auch klar, dass sie nach der Pleite gegen Saudi-Arabien nun gegen Mexiko so zurückkommen und höchstwahrscheinlich auch das Achtelfinale erreichen würden. Diese WM erinnert mich persönlich auch ein wenig an die WM 2002, bei der ich selbst für Deutschland am Start war. Damals sind auch viele Favoriten frühzeitig ausgeschieden oder hatten zumindest so ihre Probleme. Bei diesem Turnier haben wir dann stark davon profitiert, weil wir im Achtel-, Viertel- und Halbfinale Gegner hatten, denen wir qualitativ deutlich überlegen waren. Und so konnten wir 2002 ja auch ins Finale einziehen."

… die Erinnerungen an die WM 2018, als Deutschland gegen Südkorea im letzten Gruppenspiel noch ausgeschieden ist: "Ich hoffe sehr, dass man aus den Erfahrungen der letzten Weltmeisterschaft gelernt hat. Allerdings glaube ich auch, dass Südkorea eine andere Mannschaft ist als Costa Rica. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn wir vorbereitet wären und aus 2018 unsere Lehren gezogen hätten. Sowas sollte uns wirklich nicht mehr passieren. Das wäre der Super-Gau. Nicht nur für uns Fans, sondern auch für den deutschen Fussball. Aber wenn wir Costa Rica nicht schlagen, dann haben wir es auch nicht verdient, bei einer WM dabei zu sein. Dann ist es auch wirklich besser, wenn wir nach Hause fahren. Ich bin mir aber sicher, dass das nicht passieren wird."

Wann findet das Finale bei der WM 2022 in Katar statt?

Das Finale bei der WM 2022 wird am 18.12.2022 in Katar ausgetragen. Um 16 Uhr ist im Lusail Iconic Stadium Anpfiff. 


Wie ist Deutschland bei der WM 2022 ausgeschieden?

Deutschland hat den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Die deutsche Nationalmannschaft holte in der Gruppe E nur vier Punkte und beendete die Gruppe als Tabellenvierter. Japan und Spanien ziehen in die nächste Runde ein.


Wer überträgt die WM 2022 in Katar live?

Übertragen wird die WM 2022 von ARD, ZDF und von MagentaTV. Dabei sind aber nicht alle Spiele der WM im frei empfangbar zu sehen sein: 48 der 64 WM-Spiele werden im Free-TV zu sehen sein, der Rest nur über ein Abonnement von MagentaTV. 


WM 2022: Wie sah der deutsche Kader bei der WM aus?

26 Spieler konnte Bundestrainer Hansi Flick für die WM 2022 in Katar nominieren:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle (Borussia Dortmund), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (West Ham United), David Raum (RB Leipzig), Christian Günter (SC Freiburg), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Armel Bella Kotchap (FC Southampton), Matthias Ginter (SC Freiburg)

Mittelfeld und Angriff: Leon Goretzka (FC Bayern München) Joshua Kimmich (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Serge Gnabry (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Kai Havertz (FC Chelsea), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Mario Götze (Eintracht Frankfurt)


WM 2022 in Katar