Von Dominik Hechler

München/Doha - Es ist nicht überliefert, ob in der deutschen Kabine nach dem unsäglichen 1:2 zum WM-Auftakt gegen Japan die Stimme von Roland Kaiser aus den mobilen Musikboxen dröhnte.

Sein Gassenhauer "Ich glaub‘ es geht schon wieder los" hätte aber sicherlich gut zu diesem durchweg enttäuschenden Nachmittag der DFB-Elf in Katar gepasst.

Denn die leeren, aschfahlen und ratlosen Gesichter, sowie die vielen Konjunktive in den Interviews nach der Japan-Pleite - "Wir hätten vorne die Tore machen müssen", "Wir hätten besser hinten raus spielen müssen" oder "Wir hätten energischer verteidigen müssen" - erscheinen im Zusammenhang mit der deutschen Fussball-Nationalmannschaft wie ein Deja-Vu.

Es sind Sätze, die die Fans seit Wochen, Monaten, ja fast schon Jahren hören - mit bis jetzt erfolgloser Hoffnung auf Besserung. WM-Titelkandidat in Katar? Mitnichten!

Viel eher droht in der Wüste nach 2018 das zweite Vorrunden-Aus bei einer WM in Folge.

Die Pressekonferenz mit Bundestrainer Hansi Flick einen Tag nach der Niederlage am Donnerstag ab 10:00 Uhr im Livestream auf ran.de

Deutschland hat ein Qualitätsproblem

Und warum? Ganz einfach: Deutschland hat ein Qualitätsproblem. Spieler wie Niklas Süle oder Nico Schlotterbeck machen in der Nationalmannschaft nahtlos da weiter, wo sie im Verein bei Borussia Dortmund zuletzt aufgehört haben - sie verteidigen teilweise absolut desolat.

Hinzu kommt, dass bei der DFB-Elf kein Spieler auf dem Rasen steht, der mal ein Zeichen setzt, die Mannschaft wachrüttelt. Keiner will so richtig den Ball haben, Top-Stars wie Kai Havertz tauchen einfach ab und erfahrene Kräfte wie Serge Gnabry treffen das Tor einfach nicht.

Auch das ist eine Qualität - das Tore schießen. Natürlich "hätte" Deutschland auf dem Papier die individuelle Qualität und Leistungsfähigkeit, jeden Gegner dieser Welt zu schlagen und sich den WM-Titel zu holen.

Wir leben aber nicht im Konjunktiv. Die Realität sieht anders aus. Das muss auch der DFB und vor allem Bundestrainer Hansi Flick mit seiner Mannschaft verstehen.

Das Qualitätsgefälle innerhalb des Kaders ist einfach zu groß, so kann Deutschland bei einer WM nicht bestehen. Ein technisch hochveranlagter Spieler wie Ilkay Gündogan, der sonst nur mit überragenden Kickern bei Manchester City zusammenspielt, muss sich bei so manchem Zuspiel seiner DFB-Teamkollegen vorkommen wie im falschen Film.

Es ist nun einmal die bittere Erkenntnis und Realität, dass die deutsche Mannschaft mit dem aktuellen Kader nicht mal so nebenbei gegen ein im Vergleich zur Weltspitze zweitklassiges Team wie Japan gewinnt. Gegen Spanien muss einem deswegen ja fast schon Angst und Bange werden.

DFB-Team gegen Spanien nun mehr als gefordert

Die deutsche Mannschaft ist also gefordert. Mehr denn je. Weg mit dem Konjunktiv, hin zur Realität. Das muss für Flick letztendlich heißen, ab sofort nur noch stur nach Leistung und nicht mehr nach Namen aufzustellen.

Kein Alibi-Fußball mehr, sondern volle Konzentration und Emotion - und zwar von der ersten bis zur letzten Minute.

Wann würde das DFB-Team bei der WM 2022 im Achtelfinale spielen?

Sollte sich Deutschland als Gruppenzweiter (der Gruppensieg ist für das DFB-Team nicht mehr möglich) für das Achtelfinale bei der WM-Endrunde in Katar qualifizieren, geht es für die Flick-Elf am 6. Dezember ab 16 Uhr in Al-Rayyan mit der ersten K.o.-Runde weiter. 


Wie ist Deutschland bei der WM 2022 ausgeschieden?

Deutschland hat den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Die deutsche Nationalmannschaft holte in der Gruppe E nur vier Punkte und beendete die Gruppe als Tabellenvierter. Japan und Spanien ziehen in die nächste Runde ein.


DFB-Team: Wer zeigt die deutschen Spiele bei der WM live?

Alle WM-Spiele des DFB-Teams in der Vorrunde und der möglichen K.o.-Phase werden von ARD und ZDF gezeigt. Auch die Halbfinals und das Endspiel werden im Free-TV übertragen. Das ZDF zeigt am 27.11. Deutschland gegen Spanien, die ARD überträgt am 23.11. das Gruppenspiel gegen Japan, sowie am 1.12. das Duell mit Costa-Rica.


WM 2022: Wie sieht der deutsche Kader bei der WM aus?

26 Spieler konnte Bundestrainer Hansi Flick für die WM 2022 in Katar nominieren:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle (Borussia Dortmund), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (West Ham United), David Raum (RB Leipzig), Christian Günter (SC Freiburg), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Armel Bella Kotchap (FC Southampton), Matthias Ginter (SC Freiburg)

Mittelfeld und Angriff: Leon Goretzka (FC Bayern München) Joshua Kimmich (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Serge Gnabry (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Kai Havertz (FC Chelsea), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Mario Götze (Eintracht Frankfurt)


WM 2022 in Katar

WM 2022 Achtelfinale

  • 03.12.2022
    - 06.12.2022
    1/8 Finale Weltmeisterschaft 2022

02.12.2022