Mark Pieth nimmt die Schweizer Justiz in die Pflicht - Bildquelle: AFPSIDRODRIGO ARANGUAMark Pieth nimmt die Schweizer Justiz in die Pflicht © AFPSIDRODRIGO ARANGUA

Köln - Der Basler Strafrechtsexperte Mark Pieth hat die Schweizer Justiz wegen des schleppenden Fortschritts der Strafverfahren zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland harsch kritisiert. "Ich halte das für Schlamperei. Aber warum schlampt ein Gericht, ist es nur Inkompetenz, oder steckt politisches Kalkül dahinter? Ich weiß es nicht, aber es ist auffällig", sagte Pieth der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe).

Pieth bezieht sich konkret auf den Fall, wonach das zuständige Bundesstrafgericht in Bellinzona nach fünfmonatiger Prüfung erst in dieser Woche die Anklage an die Berner Bundesanwaltschaft zurückgegeben und um eine Ergänzung bis Ende Januar gebeten habe. "Warum das Gericht fünf Monate braucht für eine Sache, die nun in kürzester Zeit zu beheben ist, dafür gibt es keine vernünftige Erklärung", sagte der 66-Jährige.

Muss Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden?

In der "Sommermärchen-Affäre" drängt die Zeit. Bis zum 27. April muss ein erstinstanzliches Urteil vorliegen, andernfalls verjähren die Betrugs-Vorwürfe gegen die früheren Funktionäre des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Horst R. Schmidt (78), Theo Zwanziger (74) und Wolfgang Niersbach (69) sowie den früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi (70). 

Die für Ende Januar geplanten Gerichtstermine wurden wegen des schleppenden Fortgangs bereits gestrichen. Korruptionsexperte Pieth, der von 2011 bis 2013 als Vorsitzender einer unabhängigen Governance-Kommission damit beauftragt war, den Weltverband FIFA in seiner Struktur zu reformieren, hält es laut SZ für wahrscheinlich, dass das Verfahren zwar noch eröffnet wird, dann aber wegen Verjährung eingestellt werden muss.

Sommermärchen 2006: Wurde ein FIFA-Funktionär bestochen?

Konkret geht es um 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee über die FIFA mutmaßlich an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind. Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer und Louis-Dreyfus an den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam nach Katar geflossen.

Die Berner Bundesanwaltschaft (BA) hatte das Verfahren bereits am 6. November 2015 eröffnet, bisher ist noch kein Fall zur Anklage gekommen. Das Verfahren gegen Franz Beckenbauer, den Organisationskomitee-Vorsitzenden der WM 2006, trennte die BA im Juli 2019 wegen gesundheitlicher Probleme des 74-jährigen Beckenbauer ab.

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