Zlatan Ibrahimovic (m.) ist auch mit 39 Jahren nicht aufzuhalten. - Bildquelle: imago images/XinhuaZlatan Ibrahimovic (m.) ist auch mit 39 Jahren nicht aufzuhalten. © imago images/Xinhua

Mailand/München - Romelu Lukaku, Francesco Caputo und Andrea Belotti haben drei Gemeinsamkeiten. Das Trio spielt in der italienischen Serie A, es handelt sich jeweils um Stürmer und sie haben jeweils fünf Tore auf ihrem Konto.

Angesichts von fünf absolvierten Spieltagen in Italiens Eliteklasse eine durchaus beachtliche Ausbeute, doch steht das Trio im großen Schatten von Zlatan Ibrahimovic.

Der inzwischen 39 (!)-Jährige steht bei sechs Saisontreffern und führt somit das Rennen um die Torjägerkanone in Italien an. Bemerkenswert: Diese Ausbeute gelang ihm in nur drei Spielen, denn zwischenzeitlich stoppte eine Corona-Erkrankrung den Schweden in Diensten des AC Mailand.

Ibrahimovic mit deutlichen Worten zu Corona-Erkrankung

Mit gewohnt markigen Worten kommentierte er das positive Testergebnis. "Covid hatte also den Mut, mich herauszufordern. Schlechte Idee", schrieb er bei Twitter. Und das Netz explodierte, schließlich ist um Ibrahimovic längst ein ganz besonderer Kult entstanden. Als eine Art "Chuck Norris des Fußballs" wird dem schwedischen Ausnahmestürmer gehuldigt, schließlich zählt er auch noch im Alter von beinahe 40 Jahren noch mit zum Besten, was Italiens Fußball zu bieten hat.

Während andere Spieler in seinem Alter schon als Experten, Trainer oder Funktionäre die Seiten gewechselt haben, misst sich Zlatan immer noch auf dem Feld, mit Spielern, die teilweise seine Söhne sein könnten.

Und wie! Am Montagabend traf "Ibrakadabra" - einer seiner zahlreichen Spitznamen - auf die AS Rom. Nach gerade einmal 108 Sekunden erzielte er die Blitz-Führung für "seine" Rossonieri und legte in der 79. Minute vom Punkt noch einmal nach. Sein dritter Doppelpack im dritten Liga-Spiel. Die kritische itialienische Presse liegt "König Zlatan" längst zu Füßen. "Zlatan-Effekt: Ibrahimovic ist unfehlbar", schrieb beispielsweise die "Gazzetta dello Sport". Die "Tuttosport" befand hingegen: "Der zeitlose Ibrahimovic ist immer mehr der wahre Eckpfeiler Milans."

Zlatanieren - übersetzt aus dem Schwedischen: stark dominieren - funktioniert also auch mit 39 Jahren noch.

Eine Entwicklung, die so nicht unbedingt abzusehen war, als Milan im Januar den schwedischen Superstar ablösefrei aus der MLS holte. Natürlich hatte "Ibra" dort gezaubert und teilweise unglaubliche Traumtore geschossen, doch ist das Niveau in der Serie A ein anderes als in der MLS, so Kritiker des Deals. "Ibra ist einmalig, selbst wenn er nicht mehr jung ist. Er hat einen extremen Charakter und kann dem ganzen Team einen Ruck geben", wurde Milans damaliger Klub-Direktor Zvonimir Boban zu Ibrahimovics Verpflichtung zitiert.

Teamkollege: "Leader wie ihn dringend gebraucht"

Kritiker befürchteten aber, dass Ibrahimovics berüchtigtes Ego genau jenem Team eher schaden würde, statt es zu pushen. Doch es kam anders. "Seitdem er da ist, steigt die Stimmung. Milan lebt wieder durch Zlatan. Und für mich ist dieser große Klub durch Ibrahimovic sogar noch reizvoller geworden", erklärte der ehemalige Bundesliga-Profi Hakan Calhanoglu in der "Sport Bild" kurz nach der Verpflichtung des Schweden.

Der Mittelfeldspieler fügte an: "Einen Leader wie ihn haben wir ganz dringend gebraucht. Allein seine Präsenz tut dem Team gut. Er ist topfit und austrainiert. Zlatan flößt den Gegnern auch mit 38 noch immer Angst ein."

Calhanoglus Worte setzte der routinierte Schwede auf dem Platz um. Bereits in seinem zweiten Einsatz erzielte er den ersten Treffer für Milan. Neun weitere sollten in der Rückrunde folgen, vor allem nach dem Restart drehte Ibrahimovic auf. Sieben Tore und vier Vorlagen wurden ihm danach zugeschrieben. Auch dank seiner Torbeteiligungen schaffte Milan den Sprung ins internationale Geschäft, nachdem zuvor tristes Mittelmaß Alltag in der Lombardei war.

In der laufenden Saison steigerte sich der 39-Jährige dann noch einmal, nicht einmal Corona konnte Ibrahimovic dabei ausbremsen. Im ersten Spiel nach seiner Quarantäne stand gleich das Mailänder Derby auf dem Programm. Auch hier erzielte "Ibra" einen Doppelpack und schoss sein Team damit im Alleingang zum Sieg (2:1). "Milan hat das Derby seit vier Jahren nicht mehr gewonnen. Ich hing für zwei Wochen zuhause fest, also war ich hungrig und habe das gezeigt", erklärte er im Anschluss seine Gala.

Ibrahimovic will Scudetto nach Mailand holen

 

Seine Aufgabe bei Milan beschrieb Ibrahimovic auch: "Ich bin der Älteste im Team. Ich spüre viel Verantwortung und ich mag dieses Gefühl, weil alle mir folgen und ebenfalls hungrig sind, zu gewinnen."

So träumt wohl nicht nur Ibrahimovic vom Scudetto. "Ich glaube der Scudetto ist möglich, weil wenn du daran glaubst, kannst du alles erreichen." Dafür muss allerdings die Serie vom neunmal nacheinander erfolgreichen Dauermeister Juventus Turin durchbrochen werden. Doch einem Zlatan ist alles zuzutrauen.

Es wäre die Krönung seines zweiten Engagements beim AC Mailand, der seit 2011 auf den 19. Scudetto warten muss. Doch damit ihm dies gelingt, müssen die Herren Lukaku, Caputo und Belotti wohl auch langfristig nur die zweite Geige in Italiens Torjägerranking spielen.

Die Hauptrolle liegt bei Zlatan Ibrahimovic, der selbst mit 39 Jahren noch einen ganzen Klub mit seinem Ehrgeiz und seinen Fähigkeiten in den Bann ziehen kann. Nun fehlen nur noch die Trophäen.

Markus Bosch

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