Ragnar Ache wurde erstmals berufen. - Bildquelle: imago images/VI ImagesRagnar Ache wurde erstmals berufen. © imago images/VI Images

München – Kleine Kinder treffen schon mal impulsive Entscheidungen. Vom Bauchgefühl bestimmt, von den Emotionen, Eingebungen, die man als Vierjähriger noch gar nicht beschreiben kann. Kinder handeln dann, ohne es groß zu hinterfragen. Ein bisschen unberechenbar.

Ragnar Ache ist so zum Fußball zurückgekehrt. Denn als er mit vier Jahren bei der Spvgg 03 Neu-Isenburg anfing, hatte er eigentlich keine große Lust auf das Spiel und hörte wieder auf, wie er im Interview mit "Concave" verriet. 

Rücktritt vom Rücktritt

Wie es in dem Alter manchmal so ist mit der Spontanität, erklärte er nach nur vier Wochen den Rücktritt vom Rücktritt, weil er spürte, dass es nicht richtig war, dass es sich seltsam anfühlte, so ohne Fußball, wie er es beschrieb: "Also habe ich wieder angefangen", erinnert er sich.

Langsam ernst wurde es, als er im Alter von elf Jahren mit seinen Eltern von Frankfurt aus in die Niederlande zog. Da merkte er, dass Fußball eine Bestimmung sein könnte, eine Karriere. "Ein Jahr später bin ich zu Sparta Rotterdam gewechselt."

Wo er heute noch spielt. Hatte er in Deutschland noch als Torhüter begonnen, ist er seit seinem Umzug ins Nachbarland Stürmer. Und dabei ist er so gut, dass er inzwischen auf dem Radar des Deutschen Fußball-Bundes aufgetaucht ist: U21-Trainer Stefan Kuntz hat für das EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien am 17. November (ab 15:40 Uhr live auf ProSieben und ran.de) Ache als Überraschungsmann nominiert. 

"Die meisten Jungs sind bereits seit September dabei und haben sich sowohl auf als auch neben dem Platz bewährt. Ragnar Ache hat bisher eine starke Saison in der Eredivisie gespielt, weshalb wir ihn gerne besser kennenlernen wollen", sagte Kuntz. 

Unbeschriebenes Blatt

Dann werden ihn auch die deutschen Fans besser kennenlernen, denn Ache dürfte für die meisten ein komplett unbeschriebenes Blatt sein.

Nachdem er die diversen Sparta-Jugendteams durchlief, unterschrieb er im April 2016 seinen ersten Profivertrag. Sein Debüt in der niederländischen Eredivisie feierte der 1,87 Meter große Mittelstürmer am 4. April 2017. 

2017/18 kam er überwiegend als Joker zum Einsatz, ehe er 2018/19 die Hinrunde wegen einer Verletzung verpasste und zwischenzeitlich auch immer wieder in der zweiten Mannschaft spielte.  

Inzwischen scheint der Sohn eines deutschen Vaters und einer ghanaischen Mutter den Durchbruch geschafft zu haben. Der 21-Jährige kam in der laufenden Saison bislang in elf Ligaspielen zum Einsatz und erzielte dabei fünf Tore, drei weitere Treffer bereitete er vor. 

In der Jugend wurde er für keine deutsche Auswahl berufen, einen niederländischen Pass besitzt er nicht. Bereits 2017 hatte er in einem Interview mit "Voetbal International" erklärt, dass sein Ziel die deutsche Nationalmannschaft sei. Und Eintracht Frankfurt, sein "Heimatklub", damals spielte dort Kevin-Prince Boateng, wie er ein Deutsch-Ghanaer.

"Wenn ich für Deutschland spielen will, muss ich in Deutschland spielen. Ich kenne nur wenige Deutsche, die durch die Eredivisie in der Nationalmannschaft gespielt haben. Sie haben dort jede Menge Talent. Ich muss mich dort zeigen", sagte er damals. In die U21 hat er es auch so geschafft.

Vertrag bis 2021

Sein Vertrag bei Sparta läuft noch bis 2021. Sein aktueller Marktwert laut "Transfermarkt.de": 500.000 Euro. Die Berufung ist für ihn zweifellos auch eine Chance. Denn er wusste früher schon: "Gib' immer dein Bestes, denn du weißt nie, wer dich beobachtet."

Impulsiv und unberechenbar ist er deshalb nur noch auf dem Platz.

Andreas Reiners

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