ranFussball-Experte Rene Adler schreibt in seiner Kolumne über die Situation... - Bildquelle: 2019 Getty ImagesranFussball-Experte Rene Adler schreibt in seiner Kolumne über die Situation bei U21-Bundestrainer Stefan Kuntz (Bild) und seinem Team vor den beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Moldau und Belgien. © 2019 Getty Images

Hallo liebe Fußball-Freunde,

nach zehn Monaten Zwangspause wegen der weltweiten Corona-Pandemie geht es für die deutsche U21-Nationalmannschaft jetzt endlich wieder weiter. Mit den beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Moldau (3. September ab 17:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) und in Belgien (8. September ab 15:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) stehen für U21-Bundestrainer Stefan Kuntz und seine Jungs zwei richtungsweisende Partien auf dem Programm - da ist es sicherlich kein Vorteil, dass das Team so lange nicht miteinander arbeiten konnte.

Aber: Schon direkt nach der U21-EM 2019 haben wir uns alle die Frage gestellt, wie gut dieser neue Jahrgang wirklich ist und ob Kuntz es wirklich schafft, aus den neu zusammengewürfelten Spielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Und genau das ist ihm gelungen.

Es ist einfach der große Trumpf des deutschen U21-Bundestrainers und des gesamten Teams um ihn herum, dass ein Umfeld generiert wird, in dem man Leistung bringen kann - da ist es fast schon zweitrangig, wer die betreffenden Spieler sind. Wobei es natürlich schon Ausnahmetalente gibt, die ein Spiel auch mal allein entscheiden können und somit herausstechen.

In diesem Zusammenhang hätte ich mich sehr auf Florian Wirtz gefreut, kann aber die jetzige Entscheidung nachvollziehen, ihn doch erstmal noch bei seinem Verein Bayer 04 Leverkusen zu lassen.

Belgien-Pleite im November 2019 war verdient

Ich bin mir also sicher, dass Kuntz es auch jetzt, nach zehn Monaten Pause, schaffen wird, ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken. Wobei die deutsche U21 in der letzten Partie, im November 2019, keinen wirklich guten Eindruck hinterlassen hat. Das 2:3 gegen Belgien in Freiburg war eine verdiente Niederlage, das war spielerisch einfach zu wenig.

Und so rangieren die DFB-Junioren aktuell in ihrer EM-Quali-Gruppe mit sechs Punkten aus drei Spielen - zwei Partien weniger als Belgien - auf Platz zwei. Zur Erinnerung: Nur die Gruppensieger und die fünf besten Gruppen-Zweiten qualifizieren sich direkt für die U21-EM-Endrunde im kommenden Jahr. Da sollte sich die deutsche Mannschaft im besten Fall keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Umso wichtiger sind jetzt die beiden Spiele gegen Moldau und in Belgien. In diesem Zusammenhang hat es mich ehrlich gesagt dann zunächst einmal schon gewundert, dass Kuntz bei seiner Nominierung fast schon auf seine komplette bisherige Achse verzichtet. Kein Markus Schubert im Tor, kein Niklas Dorsch im zentralen Mittelfeld und kein Janni Serra oder Johannes Eggestein im Sturm. Zumal der Werderaner zuletzt ja sogar Kapitän dieser Mannschaft war.

Der U21-Bundestrainer geht hier aus meiner Sicht ein kalkuliertes Risiko ein. Zumal es der Spielplan ja auch gut mit Deutschland meint. Gegen Moldau kann sich die Kuntz-Elf, bei allem Respekt vor diesem Team, finden und einspielen, um dann, in Belgien, wo es letztlich um alles geht, hoffentlich leistungstechnisch voll auf der Höhe zu sein.

Kuntz nominiert klar nach Leistungsprinzip

Und je mehr ich über diese Entscheidungen nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass Kuntz bei seiner Nominierung dieses Mal offensichtlich ganz klar das Leistungsprinzip hat gelten lassen. Denn: Weder Eggestein, noch Serra konnten in ihren Klubs in den vergangenen Monaten überzeugen.

Anders ist der Fall bei Dorsch und Schubert. Der Ex-Heidenheimer ist erst kürzlich nach Belgien zum KAA Gent gewechselt und es ist sehr gut vorstellbar, dass Kuntz ihn nach Rücksprache dieses Mal lieber bei seinem neuen Verein lässt, damit er sich dort entsprechend einleben und hoffentlich sportlich auch durchsetzen kann. Denn der Trainer, der Dorsch nach Gent geholt hat, ist inzwischen schon wieder entlassen worden. Umso mehr ist der Mittelfeldspieler nun unter Druck, sich dem neuen Coach zu zeigen und möglichst auch aufzudrängen.

So wird es auch bei Schubert gewesen sein, der sehr turbolente Monate beim FC Schalke 04 hinter sich hat und nun mit Ralf Fährmann um die Nummer eins im Tor der "Knappen" konkurriert. Das Gute: Die Erfahrung zeigt, dass wenn Kuntz auf seine Spieler zugeht und ihnen solche Wünsche gewährt, er das im Nachgang von den betreffenden Jungs mit starken Leistungen zurückbekommt.

Belohnung für Spieler wie Janelt und Co.

Auf der anderen Seite sind die Nominierungen von Spielern wie Maxim Leitsch, Ismail Jakobs, Vitaly Janelt, Mergim Berisha, Ragnar Ache oder aber auch Salih Özcan als Belohnung anzusehen. Das sind Jungs, die vor allem in der zurückliegenden Rückrunde bei ihren Vereinen überzeugt haben, komplett im Spielrhythmus sind und so letztlich auf sich aufmerksam machen konnten. Ein Berisha spielt beispielsweise jetzt nicht bei RB Salzburg, weil er nur den Ball hochhalten kann. Und auch ein Jakobs hat beim 1. FC Köln nicht umsonst 20 Liga-Spiele in der vergangenen Saison absolviert.

Für mich ist all das ein klarer Fingerzeit von Kuntz, dass bei der deutschen U21 unumwunden das Leistungsprinzip gilt. Und - wie im Fall von Eggestein - selbst das Kapitänsamt nicht vor einer Nicht-Nominierung schützt.

Die Jungs aus der "zweiten Reihe" drücken, wollen auch spielen. Und diese Anstrengung wird von Kuntz belohnt - und die jetzt Nicht-Nominierten so vielleicht auch wieder angespornt, in Zukunft mehr Leistung zu bringen. Der U21-Bundestrainer hat mit seinen Spielern ein so gutes und enges Verhältnis, dass er das auch so durchziehen kann, ohne eine gewisse Unruhe erwarten zu müssen. Ein großer Vorteil.

Und: Die Leistungsdichte bei dem aktuellen Jahrgang ist auch noch deutlich enger, als bei der Mannschaft davor. Da haben sich mit Spielern wie Luca Waldschmidt oder Florian Neuhaus über die zwei Jahre des Zusammenarbeitens hinweg klare Stammspieler herauskristallisiert, da sie auch in ihren Vereinen immer mehr Spielzeit bekommen haben und zum Teil sogar gesetzt waren. Diese Entwicklung steht dem aktuellen Team noch bevor.

Maier-Rückkehr gut für die deutsche U21

Hier tut die Rückkehr von Arne Maier zur deutschen U21 der Mannschaft sicherlich richtig gut. Nach langer, verletzungsbedingter Leidenszeit ist der Herthaner endlich zurück im Kreis der DFB-Junioren. Das wird vor allem Kuntz freuen, der große Stücke auf Maier hält und eigentlich schon im vergangenen Jahr damit beginnen wollte, um ihn herum ein neues Team aufzubauen.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie fit der Berliner wirklich ist. Aber alleine seine Präsenz wird dem Team gut tun. Zudem kennt Kuntz den Mittelfeldspieler und weiß im Falle eines Falles, war er sportlich von ihm zu erwarten hat.

Ich freue mich jedenfalls sehr auf die beiden U21-Spiele der deutschen Mannschaft gegen Moldau und Belgien und hoffe, dass wir uns am 3. und 8. September auf ProSieben MAXX oder im Livestream auf ran.de sehen.

Bis dahin,

Euer Rene

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