Bundestrainer Stefan Kuntz führte die U21 souverän zur EM-Endrunde 2019 in I... - Bildquelle: imago images / Sven SimonBundestrainer Stefan Kuntz führte die U21 souverän zur EM-Endrunde 2019 in Italien und San Marino. © imago images / Sven Simon

ran.de: Stefan Kuntz, Sie sind 1996 mit Deutschland in England Europameister geworden, hatten dabei mit Ihrem Tor gegen die "Three Lions" im Halbfinale großen Anteil an diesem Erfolg und waren auch 2017 beim U21-EM-Triumph mit ihrem Team als Bundestrainer in der Vorschlussrunde gegen die englische Nationalmannschaft erfolgreich. Was macht Sie zu so einem ausgewiesenen England-Experten?

Stefan Kuntz: (lacht) "Das will ich gar nicht so sagen, dass wir oder speziell ich England-Experten sind. Mein Halbfinale 1996 und das Halbfinale mit der deutschen U21 im Jahr 2017 waren unter dem Strich zwei komplett unterschiedliche Erlebnisse. Das Spiel bei der EM 1996 in England war sicherlich der persönliche Höhepunkt meiner Karriere. Alle sprachen vom 'Mythos Wembley', wir spielten dort gegen den Gastgeber und ich konnte dann auch noch eine Bude machen. Das war schon sensationell. Und 2017 ging es letztlich darum, ein Team völlig überraschend gegen den haushohen Favoriten ins U21-EM-Finale zu führen. Dass das wie 1996 auch im Elfmeterschießen gelang, ist natürlich eine nette Parallele zu damals."

ran.de: Die englische U21 hat seit der Halbfinal-Pleite gegen Ihre Mannschaft bei der EM 2017 kein Spiel mehr verloren. Was macht das Team von "Three Lions"-Coach Adrian Boothroyd so stark?

Kuntz: "Ganz klar die individuelle Klasse der Spieler. Viele von den Jungs spielen beispielweise bei uns in der Bundesliga oder aber in der englischen Premier League. Und dort bekommen sie in ihren Vereinen auch regelmäßige Einsatzzeiten. Das sagt schon alles."

ran.de: Auf welche englischen Spieler muss Ihr Team in Bournemouth ganz besonders achten?

Kuntz: "Das ist ehrlicherweise schwer zu sagen, weil es auch ein Stück weit darauf ankommt, wer am Dienstag überhaupt alles im Kader stehen wird."

ran.de: Sie müssen dieses Mal gezwungenermaßen auf Maximilian Eggestein und Lukas Klostermann verzichten, weil sie von Ihrem Bundestrainer-Kollegen Joachim Löw in die A-Mannschaft berufen wurden. Sehen Sie das eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Kuntz: "Was meinen Job als U21-Bundestrainer betrifft, sicherlich mit einem lachenden Auge. Denn wir sollen ja im besten Fall A-Nationalspieler entwickeln. Und wir begleiten sowohl Maximilian als auch Lukas schon seit einigen Jahren. Natürlich sind das beides absolute Unterschiedsspieler, die unserer Mannschaft auch gut zu Gesicht stehen würden."

ran.de: Müssen Sie befürchten, dass Ihnen diese beiden Spieler auch bei der U21-EM in Italien fehlen werden?

Kuntz: "Ich habe mit Joachim Löw darüber gesprochen und er meinte, dass man schauen müsse, was für die Entwicklung von Maximilian und Lukas besser ist: A-Länderspiele gegen Lettland und Weißrussland mit möglicherweise eher wenig Einsatzzeit, oder eben doch lieber ein Turnier als Führungsspieler einer Mannschaft. Ich gehe daher davon aus, dass ich in Italien auf die beiden Jungs zurückgreifen kann."

ran.de:Sie selbst haben Keeper Florian Müller vom 1. FSV Mainz 05, sowie die Stürmer Emmanuel Iyoha von Erzgebirge Aue und Lukas Nmecha von Preston North End zum ersten Mal für die deutsche U21-Nationalmannschaft nominiert. Warum ausgerechnet diese Spieler? 

Kuntz: "Flo haben wir ja bereits drei Mal eingeladen, aber er musste bisher jedes Mal verletzt absagen. Jetzt hat es endlich mal geklappt. Er ist Stammtorhüter bei einem Bundesligisten und hat sich die Nominierungen somit absolut verdient. Und im Sturm drückt uns ja bekanntlich sowieso der Schuh. Und nachdem Cedric Teuchert beim FC Schalke 04 geblieben ist und Janni Serra krankheitsbedingt passen musste, habe ich mich für Iyoha und Nmecha entschieden."

ran.de: Was können Sie vor allem zu Nmecha sagen? Er durchlief seit der U16 sämtliche U-Teams in England, möchte nun aber lieber für den DFB spielen.

Kuntz: "Lukas ist ein extrem veranlagter Spieler, der seine komplette sportliche Ausbildung bei Manchester City genossen hat. Somit ist er vor allem ein spielerisch starker Stürmer, der bei seinem Leihverein Preston North End in der englischen Championship nun aber auch den einen oder anderen langen Ball mit dem Rücken zu zwei Türstehern verteidigen muss - das ist dann schon ein Unterschied. Ich habe ihn und seine Familie kürzlich in Manchester besucht und ihn als extrem positiven Menschen kennengelernt. Da wir ihn nicht so regelmäßig in Deutschland in der Bundesliga oder Zweiten Liga sehen, wollte ich die Möglichkeit nutzen, ihn mir mal zehn Tage am Stück bei uns in der U21 anzuschauen. Außerdem ist er mit seinem Geburtsjahr 1998 natürlich auch ein Kandidat für die Zeit nach der EM in Italien, wenn viele aktuelle Spieler aus der deutschen U21 ausscheiden werden."

ran.de: Was können die deutschen Fans von Ihrer Mannschaft gegen England erwarten?

Kuntz: "Ein extrem interessantes Spiel in einem richtig geilen, kleinen und vor allem ausverkauften Stadion. Und das dann auch noch gegen einen überragenden Gegner. Das ist doch genau das, wonach ein Fußballer lechzt. Und da kann ich aus meiner eigenen Erfahrung von 1996 noch sagen, dass es das Größte ist, wenn man den Engländern auswärts im eigenen Stadion das Leben so richtig schwer machen kann."

ran.de: Welche Erkenntnisse erwarten Sie sich für die U21-EM in diesem Jahr in Italien?

Kuntz: "Wir werden einige taktische Dinge ausprobieren. Ich möchte sehen, ob und wie mögliche Fehler in diesem System von den Gegnern bestraft werden. Das lässt dann super Rückschlüsse im Hinblick auf die EM im Juni zu."

Das Interview führte: Dominik Hechler

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