Amos Pieper (li.) und Nico Schlotterbeck (re.) - Bildquelle: ImagoAmos Pieper (li.) und Nico Schlotterbeck (re.) © Imago

München/Ljubljana - Die deutsche U21 hat es geschafft, sie ist Europameister. Im Finale gegen Portugal gab es einen 1:0-Erfolg. Logischerweise wurde dort vor allem über Lukas Nmecha, Siegtorschütze und Torschützenkönig, sowie Niklas Dorsch gesprochen, der gefühlt jeden Zweikampf für sich entschied.

Doch für die Null, die hinten stand, waren vor allem die beiden zentralen Verteidiger verantwortlich. Amos Pieper und Nico Schlotterbeck, ein Duo, dass davon profitiert, schon lange eingespielt zu sein.

Schlotterbeck debütierte bereits 2019

Die U21 ist für Schlotterbeck bereits gewohntes Terrain. Der damals erst 19-Jährige wurde von U21-Bundestrainer Stefan Kuntz bereits im September 2019 zum ersten Länderspiel des "neuen" deutschen U21-Jahrgangs berufen und beim Testspiel gegen Griechenland damals noch als linker Verteidiger eingesetzt.

Beim 5:1 in Wales fünf Tage später gab der Mann vom SC Freiburg sein Debüt in der Startelf und bereitete zwei der fünf Treffer von seiner Linksverteidiger-Position aus vor. Man könnte meinen, Bundestrainer Kuntz hätte seinen Stamm-Linksverteidiger also schon sehr früh gefunden.

Doch dem war nicht so. Beim Testspiel gegen die hochdekorierten Spanier einen Monat darauf machte Schlotterbeck eine gute Partie als Innenverteidiger und erzielte sogar den 1:1-Ausgleich.

Als er dann bei den beiden Qualifikationsniederlagen gegen Belgien (1:4 und 2:3) als Linksverteidiger keinen guten Job machte, vertraute Kuntz Schlotterbeck nur noch innen. Der Position, die er auch bei seinem Leihklub Union Berlin spielt. Sein Partner ab Oktober 2020 sollte ein damaliger Debütant werden.

Spätberufener Pieper aus dem Nichts in die Startelf

Dieser Debütant war Amos Pieper. Der Bielefelder war zum Zeitpunkt seines Debüts am 3. September 2020 im U21-EM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien (4:1) bereits fast 23 Jahre alt, ungewöhnlich alt also für einen Frischling in der U21. Aber Trainer Kuntz wusste wohl, über welche Qualität er verfügt. Nicht umsonst war der Blondschopf damals gerade erst souverän mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufgestiegen.

 

Jenes 4:1 gegen Moldawien im September 2020 war auch die erste gemeinsame Partie des Innenverteidiger-Duos Pieper/Schlotterbeck. Nicht auszuschließen, dass Kuntz damals schon wusste, dass diese beiden seine Abwehr-Achse für die U21-EM 2021 werden sollten.

Nicht zuletzt haben die konstant starken Leistungen der beiden in ihren Vereinen dazu beigetragen, dass sie nicht nur gut in Form, sondern auch selbstbewusst ins Turnier gehen konnten. Während Pieper mit Arminia Bielefeld den Klassenerhalt schaffte, machte Schlotterbeck mit Union Berlin sogar die Qualifikation für die europäische Conference League klar.

Als Duo keine Minute verpasst

Bei der am Sonntag zu Ende gegangenen U21-Europameisterschaft verpassten die beiden Innenverteidiger keine einzige Minute, in sechs Spielen gab es nur vier Gegentreffer für das deutsche Team, darunter ein individueller Aussetzer von Keeper Finn Dahmen, ein Elfmeter und ein Freistoß.

Aus dem Spiel heraus ließ die deutsche Mannschaft quasi nichts zu, beim 2:1-Sieg gegen die Niederlande beschwerte sich Schlotterbeck scherzhaft gar über mangelnde Beschäftigung. Auch im Finale gegen Portugal (1:0) wurde die so hoch gelobte Offensive der Iberer vor allem nach der Pause komplett kaltgestellt. Jeder Ball der in den Sechzehner flog, wurde von einem der beiden rausgeköpft.

"Wir haben in allen drei Vorrundenpartien gut zusammengespielt. Wenn sich ein Duo gefunden hat, ist es auch schwer zu wechseln", sagte Schlotterbeck auf der Website des DFB vor dem K.o.-Turnier in Slowenien und Ungarn.

Beim dramatischen Elfmeterschießen gegen Dänemark (8:7) verwandelten beide sogar ihre Strafstöße, unter Druck kann das Duo also auch Verantwortung übernehmen. Darauf können sich ihre Mitspieler verlassen.

Pieper und Schlotterbeck Optionen für Flick?

Im Rahmen der K.o.-Phase der U21-EM wurde immer mal wieder verglichen, wie viele U21-Stars des DFB es tatsächlich in die Nationalmannschaft schaffen könnten. Im aktuellen Kader fallen da öfter die Namen Ridle Baku, Florian Wirtz und Lukas Nmecha.

Doch warum fallen nicht auch mal die Namen Nico Schlotterbeck und Amos Pieper? Die Innenverteidiger-Position ist in Deutschland nicht mehr so unangefochten besetzt wie vielleicht vor einigen Jahren noch.

 

Jerome Boateng ist gar nicht im deutschen EM-Kader vertreten und Rückkehrer Mats Hummels ist schon weit jenseits der 30, aktuell dürften nach der EM nur Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Niklas Süle gesetzt sein. Ob Hansi Flick, der nach der EM von Joachim Löw das A-Team übernimmt, mit Robin Koch plant und falls ja, auf welcher Position, ist nicht überliefert.

Fest stehen dürfte allerdings, dass sich Flick das U21-Turnier ganz genau angeschaut haben wird um im Herbst 2021 den besten Kader für seine ersten Spiele als Bundestrainer zusammenzustellen. Vielleicht gibt es da ja die ein oder andere Überraschung, vielleicht ja sogar mit Namen Pieper oder Schlotterbeck.

Kai Esser

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