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München - Mit einem 1:0-Sieg gegen Portugal hat Niklas Dorsch das deutsche U21-Team zum Europameistertitel geführt. Der Mittelfeldmotor, der aktuell beim KAA Gent in Belgien unter Vertrag steht, ist dabei wieder einmal der beste Spieler auf dem Platz. 

Im EM-Finale wirft sich Dorsch so bedingungslos in jeden Zweikampf, dass man fast Parallelen zu Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014 ziehen möchte.

Dorsch kommt am Ende auf acht Balleroberungen, gewinnt 66,7 Prozent seiner Zweikämpfe und spielt den öffnenden Pass auf Ridle Baku der das 1:0-Siegtor von Lukas Nmecha vorbereitet.

Doch nicht immer lief es in der Karriere des 23-jährigen Mittelfeldstrategen so rund.

Schwere Zeit bei Bayern und in Gent

Beim FC Bayern, wo Niklas Dorsch ab der U16 alle Jugendmannschaften durchlief, bekommt er laut eigener Aussage "keine faire Chance. Junge Spieler wurden nicht so beachtet", beklagt Dorsch 2018 im Interview mit der "tz".

Über Heidenheim, wo er eine starke Zweitligasaison spielt, geht es nach Belgien zu KAA Gent. Dort lockt das europäische Geschäft.

 

Doch in Belgien läuft es anders als erhofft, Gent fliegt ohne einen Punkt aus der Europa League raus. Der Verein verschleißt in der abgelaufenen Saison drei Trainer innerhalb von fünf Monaten und schließt auf einem enttäuschenden siebten Platz in der Liga ab.

Trotzdem betont Dorsch, dass die Erfahrung auf europäischer Ebene spielen zu können "extrem hilfreich für seine Entwicklung" war. 

Überragende EM-Leistungen

In der Vorrunde der U21-EM führt Dorsch das deutsche Team an, holt sich im letzten Spiel gegen Rumänien jedoch die zweite gelbe Karte ab. Im Viertelfinale gegen Dänemark muss Dorsch gesperrt zuschauen.

Seine Teamkollegen betonen, sie wollen das Spiel "für ihn gewinnen" und ihm "noch ein Spiel schenken." Auch Trainer Stefan Kuntz setzt trotz Sperre weiterhin auf seinen Taktgeber im Mittelfeld.

 

Nachdem sich die deutsche Mannschaft ohne ihn gegen Dänemark im Elfmeterschießen durchkämpft, darf Dorsch im Halbfinale gegen die Niederlande wieder eingreifen. Ab dann ist er wieder der Leader der "Hyänenbande", wie Trainer Kuntz sein Team nennt.

Dorsch dirigiert seine Nebenleute Salih Özcan und Arne Maier, spielt wichtige Pässe in die Tiefe und räumt vor der Abwehr mit tollem Zweikampfverhalten alles ab. 

Während der EM betonte Dorsch, dass er die "riesen Bühne für sich nutzen" möchte. Das Ziel sei dabei immer "sich weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu gehen", so Dorsch.

Mit seiner Leistung dürfte er sicher auch den ein oder anderen Klub aus der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht haben.

Zurück in die Bundesliga

Dorsch betonte vor dem EM-Viertelfinale am ran-Mikrofon, er könne sich eine Rückkehr in die Bundesliga durchaus vorstellen. "Ich bin deutscher Junioren-Nationalspieler, das Ziel sollte am Ende des Tages sein, auch wieder in Deutschland zu spielen", so Dorsch damals.

Auch ran-Experte Rene Adler sieht die Zukunft von Niklas Dorsch auf Dauer wieder in der Bundesliga.

Neben Hertha BSC sollen wohl der SC Freiburg und VfL Wolfsburg Interesse an einer Verpflichtung von Niklas Dorsch haben. Doch es droht Konkurrenz aus Frankreich: der französische Meister OSC Lille ist offenbar ebenfalls an Dorsch interessiert.

Sein Verein KAA Gent, wo Dorsch noch bis 2024 unter Vertrag steht, fordert indes eine Ablösesumme von mindestens sechs Millionen Euro. In Zeiten von Corona könnte diese Ablöse durchaus einige Vereine abschrecken.

Ob es Dorsch letzten Endes in die Bundesliga oder gar in die Ligue 1 verschlägt, bleibt abzuwarten.

 

Nach den Feierlichkeiten der U21-EM muss er erst einmal einen Termin in der Heimat wahrnehmen: Seine Oma hatte ihm Sauerbraten und Schweinshaxe versprochen, wenn die deutsche U21 den EM-Titel gewinnt.

Simeon Schönbach

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