München - Hermann Gerland war in Redelaune.

Mit einem Latte Macchiato in der Hand philosophierte der Co-Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft nicht nur über die 0:4-Pleite in der EM-Qualifikation gegen Polen, sondern auch über den deutschen Nachwuchs im Allgemeinen. Und das zu jeder Sekunde in seiner unnachahmlichen, extrem sympathischen und vor allem überaus ehrlichen Art und Weise.

"Wir müssen generell im Nachwuchsbereich an diversen Stellschrauben drehen", leitete der "Tiger" sein Plädoyer ein. "Die Kinder müssen wieder mehr Eins-gegen-Eins und Zweikämpfe trainieren, vor allem sollen sie beim Fußball spielen aber Spaß haben. Gib' den Kindern einen Ball und lass' sie Tore schießen. Das macht ihnen Spaß, die wollen gewinnen. Und sie dürfen in ihrer Altersklasse auch noch Fehler machen, das ist doch überhaupt nicht schlimm."

"Lass' die Kinder doch dribbeln"

Einmal in Fahrt, legt Gerland noch weiter nach: "Wenn ich im Training immer nur fordere, dass die Spieler passen sollen, werden sie nicht mehr ins Dribbling gehen - also werden wir so auch keine herausragenden Dribbler mehr ausbilden können. Lass' die Kinder doch dribbeln und sich so weiterentwickeln. Es geht im Nachwuchsbereich meiner Meinung nach immer darum, den einzelnen Spieler zu fordern und zu fördern - niemals darum, dass die Mannschaft im Jugendbereich erfolgreich ist."

Gerland weiß, wovon er spricht. Der Mann mit dem "Diamantenauge" hat bekanntlich viele gestandene Bundesliga- und Nationalspieler unter seinen Fittichen gehabt und zuletzt beim FC Bayern mit einigen herausragenden Trainern wie Pep Guardiola, Carlo Ancelotti oder auch Hansi Flick zusammengearbeitet. Der 67-Jährige hat im Fußball alles gesehen und erlebt, ihm macht man nichts mehr vor. Er weiß haargenau, wie man mit Talenten umgeht, vor allem aber, wie man sie besser macht. Das hat er in der Vergangenheit schon zig Mal bewiesen.

Gerland wirkt immer authentisch

Und trotzdem ist er auch jetzt bei der deutschen U21 immer noch mit Feuereifer dabei. "Wenn ich mit einem jungen Spieler arbeite und der dann irgendwann kundtut, dass er etwas bei mir gelernt hat, ist das für mich das Allerschönste", sagt Gerland mit einem breiten Grinsen und leuchtenden Augen. Man nimmt ihm jedes Wort ab, hängt ihm bei seinen Vorträgen an den Lippen. Solche "Typen" gibt es im Fußball kaum noch. Gerland ist einer davon, wirkt immer komplett authentisch.

Seine Jungs bei der deutschen U21 wissen das sehr zu schätzen.

"Er schaut wirklich bei jedem Einzelnen haargenau hin, was er individuell verbessern kann. Gerland ist also definitiv eine Bereicherung für uns und wir werden alle noch von ihm profitieren", sagt etwa Youssoufa Moukoko im exklusiven ran-Interview. Sätze, die Gerland sichtlich erfreuen und ihn antreiben, auch in seinem Alter noch lange weiterzumachen.

"Müssen unsere Qualität auch auf den Rasen bringen"

"Wir haben eine tolle Qualität in dieser deutschen U21", so Gerland, "aber wir müssen sie auch auf den Rasen bringen. Gegen Polen haben wir das nicht geschafft, haben zu viele individuelle Fehler produziert und zurecht verloren. Immerhin haben wir es nach der Roten Karte gegen Mbom in der 19. Minute noch recht ordentlich gemacht, auch wenn keine riesige Torchance mehr dabei herausgesprungen ist."

Doch die Klatsche gegen Polen gilt es jetzt abzuhaken, so Gerland: "Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, dass solche Partien passieren können. Wir werden das abschütteln und uns dann auf San Marino konzentrieren." (Dienstag, 16. November, ab 17:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de)

Mit Gerland als Co-Trainer von U21-Nationalcoach Antonio Di Salvo auf der Bank und einem aus deutscher Sicht hoffentlich besseren Ergebnis als gegen Polen.

Dominik Hechler

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