München - Für Stefan Kuntz fiel die Erholung nach dem bitteren Olympia-K.o. eher kurz aus. Für ein paar Golfschläge auf Mallorca reichte es immerhin, auf der Sonneninsel traf der DFB-Trainer sogar zufällig seinen alten Freund, Pur-Sänger Hartmut Engler. Zeit zum Nachdenken über seine Zukunft im "Abenteuerland" U21 blieb Kuntz da kaum.

Und so steht der 58-Jährige doch wieder an der Linie, wenn am Donnerstag (ab 18:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) in San Marino der lange Weg zur EM 2023 und damit auch zu Olympia 2024 beginnt.

Kuntz-Zukunft offen

Die Frage ist nur: Wie lange macht Kuntz noch? "Die Zeit zum Abschalten war kurz", sagt der Europameister von 1996, der zuletzt offen mit einem Abschied vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kokettiert hatte. Also hat er zunächst einmal nur bis zum Jahresende seine Zusage gegeben. Er brauche noch mehr Ruhe und "natürlich auch ein paar Gespräche, die durch die Urlaubszeit nicht stattgefunden haben, um dann selber für mich zu wissen, was das Richtige ist", sagt er.

Direkt nach dem Vorrunden-Aus in Tokio hatte Kuntz erklärt, "deutliche Signale" seines Körpers zu empfangen. Das Jahr 2021 mit dem überraschenden Triumph bei der zweigeteilten EM und dem kurz darauf folgenden Tokio-Trip zehrte an den Kräften. Nun beginnt für ihn das schon vierte Kapitel des Jahres, und zum vierten Mal ist seine Mannschaft eine andere.

Wie sieht die Zukunft der U-21 aus?

Kein Wunder, dass Kuntz langsam auf dem Zahnfleisch geht. Seine Zukunfts-Gedanken seien "ein Prozess", bei dem er eben nicht sagen könne, dass er genau "viereinhalb Tage" brauche und danach wisse, wie es weiter gehe. Also bitte er um Nachsicht, dass seine Entscheidung "so ist, wie sie ist. Wenn es etwas anderes gibt, sage ich es gerne."

Und so macht sich Kuntz gegen den Fußball-Zwerg San Marino und fünf Tage später in Lettland wieder an die Arbeit. Erneut muss er quasi bei Null anfangen, gleich 17 Spieler stehen vor ihrem Debüt im wichtigsten U-Team des DFB. Dazu gehört auch Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund, der als erster 16-Jähriger der Geschichte für die deutsche U21 auflaufen kann.

Kuntz kennt das, schon 2017 und 2019 übernahm er eine No-Name-Truppe und marschierte doch mit beiden ins Finale. "Die Vergangenheit war klasse. Aber das ist keine Garantie, dass es so weitergeht", sagt Kuntz. Sowohl 2019 als auch 2021 habe er nach dem Endspiel mit seinen Jungs auf dem Rasen über den langen Weg mit allen Höhen und Tiefen philosophiert. Genau darauf hoffe er nun auch für 2023. Wenn er denn so lange durchhält.

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