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München/Paderborn - Es war ein stetiges Auf und Ab. Es ging hoch, aber auch ganz schnell wieder runter. Wie bei einer Achterbahnfahrt. Und auch mindestens genau so rasant. Ganz vorne im Wagen der Mönchengladbacher "Achterbahn" an der Hennes-Weisweiler-Allee: Louis Jordan Beyer.

Mit gerade einmal 18 Jahren feierte der Defensivspieler in der Saison 2018/2019 noch sein Bundesliga-Debüt - und ließ dabei direkt aufhorchen. Beim damaligen 2:0 der "Fohlenelf" gegen Bayer Leverkusen überzeugte der Teenager auf ganzer Linie und absolvierte in der Folge noch neun weitere Pflichtspiele in der deutschen Beletage. Die Krux an der Sache: der große Durchbruch wollte Beyer dabei einfach nicht gelingen.

Beyers sportliche Achterbahnfahrt 

Es folgte eine Leihe zum Hamburger SV in die Zweite Bundesliga, wo er Spielpraxis sammelte und durchweg ordentliche Partien abliefert. Doch nach seiner Rückkehr in den Borussia-Park spielte er unter Ex-Coach Marco Rose sportlich erneut kaum eine Rolle.

Hinzu kam auch noch eine Corona-Infektion in der vergangenen Saison, die ihn zu einer langen Pause zwang. Das Resultat: nur insgesamt vier Liga-Spiele für den ambitionierten Gladbacher Nachwuchskicker. Die persönliche Unzufriedenheit wuchs weiter und weiter.

Lainers Verletzung war Beyers "Glück"

Doch in dieser Spielzeit scheint die sportliche Achterbahn am Niederrhein für Beyer wieder steil nach oben zu fahren. Der Gladbacher Verletzungsmisere und Neu-Trainer Adi Hütter sei Dank. Denn da die ansonsten gesetzten Defensivspieler Stefan Lainer und Ramy Bensebaini in den vergangenen Wochen malade waren und es vor allem im Fall von Lainer noch einige Wochen sein werden, darf Beyer sich endlich auf dem Rasen zeigen.

"Vor eineinhalb, zwei Monaten sah das für mich alles noch ganz anders aus", erzählt Beyer. "Da war ich fast schon auf dem Weg zum SV Werder Bremen und bin dann doch nur in Gladbach geblieben, weil Stefan Lainer sich schwer verletzt hat." Im Rückblick durchaus Glück im Unglück für den jungen Gladbacher.

Hütter glaubt an Beyers Fähigkeiten

Denn Hütter warf ihn daraufhin gleich am 3. Spieltag im Spiel bei Union Berlin ins "kalte Wasser" und Beyer unterlief direkt ein kapitaler Fehlpass, der zu einem Gegentor führte. Doch anstatt ihn öffentlich anzugehen und ihm direkt wieder das Vertrauen zu entziehen, stellte sich der Gladbach-Coach damals nach der 1:2-Pleite in der Hauptstadt demonstrativ hinter ihn: "Keine Schelte von meiner Seite. Er hat nach dem Fehler wieder gut ins Spiel gefunden und insgesamt eine sehr ordentliche Partie gespielt."

Diese Rückendeckung zahlt Beyer nun mit starken Leistungen zurück. Beim 3:1-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg war er der beste Gladbacher Verteidiger auf dem Platz, stellte sogar seine Nebenleute Matthias Ginter und Nico Elvedi - immerhin gestandene deutsche bzw. Schweizer Nationalspieler - in den Schatten. Der mittlerweile 21-Jährige bestach durch Schnelligkeit, starke Zweikämpfe und cleveres Stellungsspiel. 

"Vertrauen tut mir natürlich sehr gut"

"Der neue Trainer schenkt mir einfach sein Vertrauen, stärkt mir den Rücken und glaubt an mich und dass ich der Mannschaft mit meinen Fähigkeiten helfen kann. Das tut nach den durchwachsenen vergangenen Jahren natürlich sehr gut", so Beyer.

Die Belohnung: eine Einladung zur deutschen U21-Nationalmannschaft. Auch dort war er schon mehrfach zu Gast - aber immer wieder mit Unterbrechungen. Die Achterbahn lässt auch beim DFB schön grüßen. Doch unter dem neuen U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo will Beyer nun Dauergast bei den DFB-Junioren werden.

"U21-Nominierung ist aktuelles i-Tüpfelchen"

"Diese Nominierung für die deutsche U21 ist für mich ein Stück weit das i-Tüpfelchen meiner aktuellen Entwicklung. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, da ich ja im September 2019 das letzte mal dabei sein durfte und danach aufgrund meiner schwierigen sportlichen Situation im Verein keine Rolle mehr gespielt habe. Von daher freue ich mich umso mehr, jetzt wieder dabei sein zu dürfen. Für mich ist das jetzt so etwas wie ein Neustart", so der Gladbacher Defensivspieler, der auch durchblicken ließ, dass er in den vergangenen Monaten durchaus Selbstzweifel hatte.

"Ich habe beim HSV den Nicht-Aufstieg miterlebt, der sportlich mehr oder weniger mit einem Abstieg gleichzusetzen ist, dann kam meine Corona-Erkrankung, die mich sehr lange außer Gefecht gesetzt hat und auch danach habe ich sportlich eine schwere Zeit durchgemacht. Klar, dass einem in dieser Phase auch mal Zweifel kamen, wie es überhaupt weitergehen soll."

Dank großem Support aus dem Tal heraus gekommen

Aber: "Dank des super Supports meiner Familie, meiner Freunde und von allen Verantwortlichen und Mannschaftskollegen bei Borussia Mönchengladbach habe ich es aus diesem Tal heraus geschafft. Sie haben immer an mich geglaubt und mir das Gefühl gegeben, dass ich in Gladbach noch gebraucht werde."

So wie im Moment. Louis Jordan Beyer im Aufwind. Wenn es nach ihm geht, darf das auch noch lange so bleiben.

Dominik Hechler

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