Ist froh, dass der Hype um seine Person ein wenig abgenommen hat: U21-Nation... - Bildquelle: GettyIst froh, dass der Hype um seine Person ein wenig abgenommen hat: U21-Nationalspieler und BVB-Top-Talent Youssoufa Moukoko © Getty

ran.de: Youssoufa Moukoko, der Hype um Ihre Person war in den vergangenen Monaten und Jahren immer groß. Sie waren in der letzten Bundesliga-Saison mit 16 Jahren und 1 Tag nicht nur der jüngste Debütant der Liga-Geschichte bei Borussia Dortmund, sondern wurden kurze Zeit später im Jahr 2021 auch noch vom damaligen U21-Coach Stefan Kuntz als jüngster Spieler der DFB-Historie in den U21-Kader für die EM in Slowenien und Ungarn berufen. Wenn Sie Ihre persönliche Entwicklung in dieser Zeit mit einem einzigen Wort beschreiben müssten, welches wäre das? 

Youssoufa Moukoko: "Unrealistisch." 

ran.de: Warum? 

Moukoko: "Ich hätte all das einfach so nicht erwartet. Zumal es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern damals nicht erlaubt war, dass 16-Jährige bereits bei den Profis spielen. Aber Borussia Dortmund hat beim DFB einen Antrag gestellt, dem stattgegeben wurde, so dass seitdem 16-Jährige bereits Bundesliga spielen können. Das war schon absolut top." 

ran.de: Wie gehen Sie als so junger Spieler generell mit dem Hype um Ihre Person um? 

Moukoko: "Ich finde, dass der Hype mittlerweile ein bisschen abgenommen hat. Zumindest ist er lange nicht mehr so extrem wie früher. Und das ist auch gut so, ich bin wirklich froh darüber. Man merkt einfach, dass ich beim BVB jetzt bei den Profis bin und dadurch nicht mehr so sehr im Fokus stehe. So kann ich mich in Ruhe weiterentwickeln. Momentan genieße ich das." 

ran.de: Waren Sie von dem großen öffentlichen Interesse er letzten Monate und Jahre irgendwann genervt? 

Moukoko: "Am Anfang war das schon so, aber mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen. Außerdem habe ich mich auf meinen Alltag als Fußballer konzentriert, wir haben jeden Tag Training und am Wochenende Spiele. So habe ich immer versucht, das Beste aus mir rauszuholen. Da bleibt keine Zeit, sich über andere Dinge Gedanken zu machen. Es zählt nur der Sport." 

ran.de: Nachdem es für Sie lange Zeit ja fast nur steil nach oben ging, wurden Sie in diesem Jahr bereits zwei Mal von hartnäckigen Verletzungen ausgebremst. Inwiefern hat Sie das belastet? 

Moukoko: "Das war sehr schwer für mich. Denn vor allem im März, als ich mich in diesem Jahr zum ersten Mal verletzt habe, war ich richtig gut drauf und habe unter dem damaligen BVB-Coach Edin Terzic viel Spielzeit bekommen. Ich war auf einem guten Weg, dann kam die Verletzung. Das hat mich wirklich sehr geärgert, weil ich im Endspurt der Saison damals sicherlich auch noch Spielzeit bekommen hätte. Aber Verletzungen gehören im Fußball dazu. Man muss nur richtig mit solchen Rückschlägen umgehen, eine 'Jetzt-erst-Recht-Mentalität' entwickeln und bestenfalls noch stärker zurückkommen." 

ran.de: Wie wichtig ist das Umfeld in solchen Situationen? Und wem vertrauen Sie sich dann vor allem an? 

Moukoko: "Das ist mir sehr wichtig. Ich denke da vor allem an meine Familie und meine Berater. Aber auch den Verein. Wenn du das Vertrauen spürst und merkst, dass wirklich alle hinter dir stehen, dann kannst du auch Verletzungen gut wegstecken und deine Reha in Ruhe absolvieren. Ich spreche in solchen Phasen viel mit meinen Beratern und meinen Eltern. Ich habe zu meinen Beratern ein sehr vertrauensvolles Verhältnis, wir können über alles miteinander sprechen. Eher unangenehme Themen bespreche ich eher mit meiner Mutter. Das gibt mir dann wieder Kraft, mich neuen Aufgaben zu widmen." 

ran.de: Sie haben in Ihrer noch jungen Karriere schon mit vielen namhaften und sehr anerkannten Trainern wie Lucien Favre, Edin Terzic, Marco Rose, Stefan Kuntz oder jetzt bei der deutschen U21 Antonio Di Salvo und Hermann Gerland zusammengearbeitet. Was ist Ihnen von all diesen Übungsleitern am meisten hängen geblieben? Und wer hat sie bislang vielleicht am ehesten beeinflusst? 

Moukoko: "Ich habe bisher von jedem meiner Trainer etwas mitgenommen. Stark geprägt hat mich Edin Terzic. Er war zwar im Training in Dortmund immer sehr streng mit mir, hat mich auf jeden noch so kleinen Fehler hingewiesen und ist mir kaum von der Seite gewichen (lacht). Aber er hat mich nicht nur sehr gefordert, sondern auch gefördert. Das war einfach überragend von ihm. Terzic hat einmal zu mir gesagt: 'Du bist gut, aber ich will dich noch besser machen'. Dieser Satz hat mir unglaublich viel Auftrieb gegeben. Er meinte immer, dass, wenn ich ins Spiel komme, ich einfach mein Ding machen soll, weil er mir komplett vertraut. Das hat etwas mit mir als junger Spieler gemacht. Ich wusste, ich konnte mir auch Fehler auf dem Rasen erlauben und trotzdem hatte ich seine Rückendeckung. Trotzdem war und ist mir natürlich bewusst, dass du als junger Spieler immer mehr machen musst als die erfahrenen Profis. Denn du willst dir ja deine Spielzeit im Training verdienen. Wenn du glaubst, Talent allein reicht aus, wirst du im Profifußball keine Chance haben. Ohne harte Arbeit, keine Ergebnisse." 

ran.de: Di Salvo hat bei seinem Amtsantritt als neuer U21-Coach gesagt, dass man sie früher oder später mit Sicherheit in der deutschen A-Nationalmannschaft sehen wird. Wie gehen Sie mit solchen Aussagen um? 

Moukoko: "Das hört sich natürlich gut an und zeigt, dass der Trainer etwas in mir sieht. Aber es reicht natürlich nicht, wenn andere gut über dich sprechen. Du musst dich immer wieder aufs Neue beweisen, jeden Tag, in jedem einzelnen Training. Aber klar würde ich mich darüber freuen, irgendwann mal in der A-Nationalmannschaft aufzulaufen." 

ran.de: In Ihrem Zusammenhang wird ja immer wieder von einem "Mega-Talent" oder "Ausnahmekönner" gesprochen, die Fans und viele Experten haben große Hoffnungen in Sie und sagen Ihnen eine große Karriere voraus. Wie gehen Sie mit diesem Druck um? 

Moukoko: "Ich versuche das gar nicht so sehr an mich heranzulassen. Es gibt auch noch viele andere große Talente, nicht nur mich. Und ich glaube, für uns alle ist es wichtig, sich nicht verrückt zu machen. Sonst kannst du dich nicht mehr konzentrieren und verlierst deine Ziele aus den Augen. Du musst bestenfalls so bleiben, wie du bist und einfach dein Spiel spielen. So wie auf der Straße. Nur halt mit Schiedsrichtern (lacht)." 

ran.de: Erst 16 Jahre alt und laut "transfermarkt.de" schon einen Marktwert von 18 Millionen Euro. Inwiefern beschäftigen Sie sich mit solchen Werten? 

Moukoko: "Ich beschäftige mich nicht damit. In anderen Ländern gibt es auch Talente, deren Marktwert rasant steigt. Kein Mensch ist meiner Meinung nach so viel Geld wert. Aber das gehört zum Fußball dazu. Wenn du deine Leistung bringst, wird dein Marktwert automatisch steigen. Mir persönlich ist das aber nicht so wichtig." 

ran.de: Beim BVB spielen sie aktuell mit einem der besten Stürmer der Welt, Erling Haaland, zusammen. Wie ist der Umgang zwischen Ihnen beiden und was können Sie vielleicht noch von ihm lernen? 

Moukoko: "Erling und ich fahren immer zusammen zum Training und reden dann auch viel miteinander. Auf dem Rasen bin ich ein anderer Spielertyp als er, trotzdem kann ich natürlich noch viel von ihm lernen. Erling läuft immer sehr viel, ich bin eher ein mitspielender Stürmer, der den Ball am Fuß braucht. Aber seine tiefen Läufe mit dieser unglaublichen Wucht und dem unbändigen Willen, unbedingt das Tor machen zu wollen, das ist schon stark. Ich habe diesen Willen zwar auch, aber Erling ist auf seine Art und Weise einzigartig. Es gibt in meinen Augen nur wenige Spieler, bei denen das so ausgeprägt ist, wie bei Erling. Diesen Willen will ich auch bei mir entwickeln. Dann ist die Chance, dass du Tore erzielst, um einiges höher." 

ran.de: Mit der deutschen U21 geht es in den letzten beiden Länderspielen des Jahres 2021 noch gegen Polen und San Marino. Welche Erwartungen haben Sie an diese beiden Partien? 

Moukoko: "Wir wollen sechs Punkte holen. Natürlich wird es gegen Polen schwierig, aber wir spielen zu Hause, haben eine gute Mannschaft und vor keinem Gegner Angst. Gegen San Marino müssen wir dann mit Respekt in die Partie gehen und unsere Tore machen. Bei diesem Spiel dürfen wir von der ersten Sekunde an keinen Zweifel aufkommen lassen, wer gewinnen wird. Wenn wir sie auf die leichte Schulter nehmen, wird es schwer für uns." 

ran.de: Wie sehen Sie generell Ihre Rolle in der U21 des DFB? 

Moukoko: "Ich komme mit jedem Spieler gut aus, lache viel und versuche so, gute Laune zu verbreiten. Das entspricht meiner Persönlichkeit, so bin ich einfach. Aber ich möchte noch keine Rolle im Sinne eines Führungsspielers übernehmen. Ich versuche auf dem Rasen einfach, vorneweg zu gehen und mein Bestes zu geben und neben dem Platz verhalte ich mich allen gegenüber sehr respektvoll." 

ran.de: Mit Hermann Gerland arbeitet bei der deutschen U21 ein Co-Trainer, der vor allem für seine extrem gute Arbeit mit jungen Talenten bekannt ist. Wie ist die bisherige Zusammenarbeit mit ihm, was hat er Ihnen vielleicht schon mit auf den Weg gegeben und was können Sie von Gerland lernen? 

Moukoko: "Ich hatte die Ehre, schon bei unserem ersten gemeinsamen U21-Lehrgang in der Klosterpforte in Harsewinkel mit ihm zu sprechen. Allerdings habe ich vorher schon ein bisschen gezittert und mich erst nicht so recht getraut, ihn anzusprechen (lacht). Aber dann habe ich doch noch mit ihm ein längeres Gespräch geführt. Dabei hat er mir gleich extrem viele, gute Tipps mit auf den Weg gegeben. Das war schon hilfreich. Zum Beispiel, dass ich als Stürmer im Spiel immer bereit sein muss, egal, wo der Ball auch gerade ist, er wird irgendwann zu mir kommen. Und dann muss ich das Tor schießen. Er schaut wirklich bei jedem Einzelnen haargenau hin, was er individuell verbessern kann. Gerland ist also definitiv eine Bereicherung für uns. Er hat schon viel erlebt und was er sagt, hat Gewicht. Ich habe großen Respekt vor ihm, mittlerweile machen wir auch unsere Witze zusammen (lacht). Trotzdem warte ich häufig noch darauf, dass er zu mir kommt und mich anspricht, nicht umgekehrt. Wie gesagt, dafür ist mein Respekt vor ihm manchmal noch zu groß (lacht). Aber wir werden alle noch von ihm profitieren." 

ran.de: Was haben Sie sich für die kommenden Wochen und Monate bei den DFB-Junioren, aber auch im Verein bei Borussia Dortmund vorgenommen?  

Moukoko: "Erstmal will ich mit der deutschen U21 sechs Punkte holen, im Verein endlich verletzungsfrei bleiben und wieder Spielzeit bekommen. Im Moment muss ich mich beim BVB wieder ins Team kämpfen, um endlich wieder mehr auf dem Rasen zu stehen. Ich will diese Herausforderung auf jeden Fall annehmen."

Das Interview führte: Dominik Hechler

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