München - "Stefkuntz11" ist endgültig bereit. Die üblichen Anlaufschwierigkeiten, die man einem 1962er-Jahrgang zugestehen sollte, hat er erfolgreich bewältigt.

Stefan Kuntz weiß inzwischen sogar, wie man auf Instagram anderen Accounts folgt. Und schon kann der U21-Nationaltrainer sehen, was seine Spieler so treiben. 

Kuntz ist kein Papa, eher ein Kumpel

Das aber weniger als Papa, sondern eher als Kumpel. Wie nach dem 2:1 gegen Wales und der erfolgreichen Qualifikation zur EM 2021, als er mit seinen Spielern per "Corona-Faust" feierte.

"Das sind junge Burschen, wir müssen noch ein bisschen was lernen. Es kann aber jeder rausgehen und sagen, dass er einen kleinen Schritt nach vorne gemacht hat", sagte Kuntz nach einem Spiel, in dem nicht alles rund lief. Unter dem Strich steht aber der am Ende souveräne Gruppensieg.

"Wir haben uns direkt qualifiziert und dabei keine Hilfe gebraucht, das ist für den Jahrgang wichtig. Jetzt haben wir noch einmal vier Monate, in denen viel passieren kann", so Kuntz im Hinblick auf die U21-EM-Gruppenphase in Slowenien und Ungarn, die vom 24. bis 31. März 2021 ausgetragen wird.

"Nochmal andere Gesprächsthemen"

Vier Monate, in denen er seinen Kader zusammenstellt und das Team auf die nächste große Aufgabe einschwört. Eingangs erwähnte sozialen Medien gehören bei Kuntz dazu.

"Man kann die Jungs auf Instagram ganz gut verfolgen. Und man hat nochmal ganz andere Gesprächsthemen, wenn man sich trifft", sagte er bei ran.de.

Keine Frage: Diese Episode beschreibt das Binnenverhältnis zwischen Stefan Kuntz und seinen Spielern ziemlich gut. 

Die Sprache der Spieler sprechen. Am Puls der Zeit sein. 

Wichtige Voraussetzungen für einen Coach, der Jungs trainiert, die irgendwo zwischen Teenager und Erwachsener hängen, die sich inmitten der Reifephase von einem vielversprechenden Talent zu einem gestandenen Profi befinden.  

Die noch eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen, vor allem menschlich.

Die auf eine gewisse Weise verstanden werden wollen. Ohne Frage ein schmaler Grat, denn es besteht durchaus die Gefahr, dass so etwas bei einem Altersunterschied von gut 40 Jahren peinlich-bemüht wirkt, was dann nach hinten losgehen kann. Schließlich wird den Jungstars gerne mal nachgesagt, dass sie verwöhnt sind, nur Instagram und Co. im Kopf haben.

Doch Kuntz trifft offenbar den richtigen Ton.

Authentisch und berechenbar

Authentisch und berechenbar müsse man sein, sagt Kuntz. Eine gute Mischung finden zwischen Spaß und Ernst. Die U21 zahlt ein offenes Verhältnis mit Leistung und Offenheit zurück. Das Ergebnis sind Teamgeist und Zusammenhalt, ohne die Disziplin zu vernachlässigen.

Ein gutes Beispiel: Als mal vier Spieler zu spät kamen, verhängte er eine hohe Geldstrafe. Alternative: "Einfach" mal vor der Mannschaft singen. 

Spielerflüsterer wird Kuntz auch genannt. Ein Menschenfänger. Einer, der seine Stärken vor allem im zwischenmenschlichen Bereich hat. Für die Spieler eine Art Vaterfigur.

Das sind Eigenschaften, die ganz offensichtlich ankommen, ebenso die regelmäßigen Besuche in Einrichtungen oder Vereinen im Rahmen der #Herzzeigen-Aktionen des DFB. Die U-Teams wollen Brücken bauen und dabei nah und erlebbar sein - eine Aktion, die vor allem Kuntz mit Leben füllt.

Die Spieler wachsen

Die Jungs wachsen so als Mensch, aber natürlich auch als Spieler. 

Denn Kuntz beweist, dass er seine Mannschaft auch spielerisch weiterentwickeln kann. Der übliche Umbruch mit einem neuen Jahrgang seit der EM im vergangenen Jahr läuft. 

Was auffällt: Kuntz zaubert aus allen Ecken des Landes (und auch des Auslands) Talente hervor, die zunächst nicht einmal Experten auf dem Zettel hatten. 

Was dann wie ein zusammengewürfelter Haufen aussieht, wird schnell zu einer verschworenen Gemeinschaft, zu einer Truppe mit Profil und Qualität. Sportliche Widrigkeiten wie Corona, die Verletzung von Arne Maier oder die Schalke-Posse um Markus Schubert umschiffte er, Jungs wie Lukas Nmecha (RSC Anderlecht), Niklas Dorsch (KAA Gent), Mergim Berisha (RB Salzburg) und Florian Wirtz (Bayer Leverkusen) formte er.

Baku als Beispiel

Paradebeispiel der erfolgreichen Arbeit ist ohne Frage Ridle Baku, der zuletzt sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feierte. 

Kuntz, der mit der U21 2017 Europameister wurde und 2019 erst im Finale verlor, ist so erfolgreich mit dem Nachwuchs, dass er mit höheren Aufgaben in Verbindung gebracht wird.

Doch nicht mit Kuntz. 

"Wir haben einen geilen Nationaltrainer und ich habe hier einen geilen Job", erteilte er vor dem Spiel gegen Wales den Spekulationen um die Nachfolge von Löw eine Absage. Er hat mit dem Nachwuchs noch eine Menge vor.

Nicht nur auf Instagram.

Andreas Reiners

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