Baustellen in Katar entsprächen Standard in Mitteleuropa - Bildquelle: AFPSIDGIUSEPPE CACACEBaustellen in Katar entsprächen Standard in Mitteleuropa © AFPSIDGIUSEPPE CACACE

Köln (SID) - Der globale Gewerkschaftsbund der Bau- und Holzarbeiter hat dem DFB von einem Boykott der Fußball-WM 2022 in Katar abgeraten. "Der Standard auf den Baustellen entspricht inzwischen dem von Mitteleuropa oder den USA. Ein Boykott würde die positiven Änderungen zunichtemachen", sagte Dietmar Schäfers, Vizepräsident der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI), dem SID. Ein entsprechendes Schreiben schickte die BHI am Freitag dem Deutschen Fußball-Bund.

Zuletzt war die Boykott-Forderung durch den Protest mehrerer Nationalteams neu befeuert worden. "Vor vielen Jahren hätten wir uns dem angeschlossen. Aber ein Boykott zum jetzigen Zeitpunkt wäre kontraproduktiv und hilft niemanden, schon gar nicht den vielen Wanderarbeitern", sagte Schäfers, der regelmäßig in Katar vor Ort ist und mit den Arbeitern spricht.

Schäfers hob vor allem die Verbesserungen auf den Baustellen, aber auch in den Unterkünften hervor. "Es gibt wegen der Hitze inzwischen Kühlräume. Auch die Wasserversorgung ist exzellent. Zudem gibt es eine auf die Nationalität abgestimmte Essensversorgung", sagte der BHI-Vize. Der Verbund vertritt 351 Gewerkschaften mit rund zwölf Millionen Mitgliedern in 127 Ländern.

Auch politisch habe sich in Katar viel getan. "Das Kafala-System ist gelockert und es ist auch möglich, den Arbeitgeber zu wechseln. Es ist ein Mindestlohn eingeführt worden, da kämpfen andere Länder noch drum. Und die Wanderarbeiter wählen ihre eigenen Sprecher, die Beschwerden sofort anbringen können, bis hin zum Arbeitsministerium. Wir dürfen nun die positiv wachsende Pflanze in Katar nicht kaputt treten", sagt Schäfers.

Dennoch sieht auch die BHI noch Verbesserungspotenzial. "Natürlich geht mehr. Wir wünschen uns, dass über die WM hinaus dieser Standard für das ganze Land gilt und kontrolliert werden kann. Da bin ich sehr zuversichtlich", sagte Schäfers: "Jetzt geht es darum, Nachhaltigkeit zu erreichen."

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