Die Deutschen verspielten gegen Schweden eine Führung - Bildquelle: imagoDie Deutschen verspielten gegen Schweden eine Führung © imago

Rennes - Rien ne va plus: Die deutschen Fußballerinnen sind auf dem Weg zum dritten Stern in der Hitzeschlacht von Rennes eingebrochen und müssen Olympia im TV gucken. Der zweimalige Weltmeister unterlag trotz einer Führung im WM-Viertelfinale 1:2 (1:1) gegen Ex-Lieblingsgegner Schweden. Damit haben die Deutschen die Vorschlussrunde am Mittwoch in Lyon (21.00 Uhr) gegen den Europameister aus den Niederlanden verpasst.

Sofia Jakobsson sorgte für das erste WM-Gegentor der Deutschen (22.), Stina Blackstenius (48.) legte nach. Der Treffer von Lina Magull (16.) war zu wenig für den Olympiasieger von 2016, der durch das Viertelfinal-Aus nicht bei den Spielen im kommenden Jahr in Tokio dabei ist. Die Spielerinnen müssen sich mit einer Prämie in Höhe von 10.000 Euro pro Kopf für das Erreichen des Viertelfinals begnügen.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg verzichtete zunächst auf Dzsenifer Marozsan. Die Spielmacherin, die im Auftaktspiel gegen China (1:0) vor drei Wochen an gleicher Stelle einen Zehenbruch erlitten hatte, saß zunächst auf der Bank. Zu Beginn der zweiten Hälfte kam die 27-Jährige, Linda Dallmann musste raus. Ansonsten hatte "MVT" ihre Startformation im Vergleich zum Achtelfinale gegen Nigeria (3:0) auf zwei Positionen verändert. Für Melanie Leupolz und Verena Schweers rückten Dallmann und Carolin Simon in die erste Elf.

Mentaler Vorteil nutzlos

Die Deutschen gingen mit einem mentalen Vorteil in die Partie. Die Schwedinnen hatten seit 1995 kein Pflichtspiel gegen den Rekord-Europameister gewonnen. Unter anderem zogen die Skandinavierinnen im Olympia-Finale 2016, bei der WM 2015 im Achtelfinale, beim EM-Halbfinale 2013 sowie beim WM-Endspiel 2003 den Kürzeren.

Für die Partie vor 25.301 Zuschauern hatte Voss-Tecklenburg in die taktische Trickkiste gegriffen. Erstmals seit dem China-Spiel agierte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem 4-2-3-1-System. Spielführerin Alexandra Popp agierte nicht im Sturmzentrum, sondern im defensiven Mittelfeld. Lea Schüller lief ganz vorne auf, Magull sollte als Marozsan-Ersatz das Spiel gestalten.

Die "MVT"-Strategie ging bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad Celsius zunächst auf. Die Deutschen bestimmten das Geschehen in der Anfangsphase. Die erste gute Chance vergaben allerdings die Schwedinnen. Jakobsson scheiterte an der deutschen Torhüterin Almuth Schult (12.).

Schweden nach der Pause eiskalt

Vier Minuten machte es das DFB-Team viel besser. Nach einem Ballverlust Schwedens im Aufbauspiel schaltete Sara Däbritz am schnellsten. Die 24-Jährige spielte Magull mustergültig frei, die mit einem sehenswerten Abschluss ihr zweites WM-Tor erzielte. Die Deutschen konnten sich aber nicht lange über die Führung freuen. Innenverteidigerin Marina Hegering unterschätze einen langen Pass, Jakobsson bedankte sich. Schult musste zum ersten Mal bei der WM hinter sich greifen. Deutschland kassierte erstmals seit 2003 ein Gegentor im ersten Durchgang einer WM-Endrunde.

Die linke Abwehrseite war spätestens nach dem Gegentor der neuralgische Punkt im deutschen Team. Simon spielte zum wiederholten Mal bei der Endrunde ganz schwach. Stina Blackstenius hätte das fast zum zweiten schwedischen Treffer (36.) genutzt. Kurz darauf musste die offenbar angeschlagene Simon raus (43.). Leonie Maier kam als Rechtsverteidigerin in die Partie, Giulia Gwinn wechselte nach links. Dennoch bekamen die Deutschen ihre Abwehrprobleme nicht in den Griff und waren mit dem 1:1 zur Pause gut bedient.

Kaum war Marozsan in der Partie, schlug es hinten ein. Blackstenius staubte ab, nachdem Schult zunächst gut pariert hatte. Nach dem Rückstand versuchte Marozsan erfolglos, das Spiel an sich zu reißen. Die Schwedinnen machten die Räume dicht, Blackstenius und Jakobsson vergaben bei Kontern die Chance zur Vorentscheidung (71./78). Bei Deutschland ging in der Offensive kaum etwas. Kurz vor Schluss vergaben die eingewechselte Lena Oberdorf (88.) und Hegering (90.+3) jeweils per Kopf Ausgleichschancen.

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