Russland gewann das Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien mit 3:0. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesRussland gewann das Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien mit 3:0. © 2018 Getty Images

Moskau -   Wladimir Putin lächelte in der Ehrenloge genüsslich, ehe er sich nach dem Rekordsieg schnell seiner Gastgeberpflichten besann. Der russische Präsident nahm den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman Al Saud im Luschniki-Stadion freundschaftlich in den Arm, als wolle er ihn trösten. Die staatsmännische Geste fiel Putin nicht schwer, immerhin hatte er von seiner zuvor heftig gescholtenen Sbornaja in Moskau den höchsten Sieg in einem offiziellen WM-Eröffnungsspiel geschenkt bekommen.

Das 5:0 (2:0) gegen Saudi-Arabien kehrte die lange miserable Stimmung im ganzen Land um und lässt die Russen in der lösbaren Gruppe A mit Ägypten und Uruguay auf den Achtelfinal-Einzug hoffen. Trainer Stanislaw Tschertschessow war vor dem ARD-Mikrofon überwältigt: "Ein 5:0 habe ich mir nicht erträumt. Es ist ein bisschen hoch vielleicht. Aber ich weiß, was die Mannschaft kann. Wir haben uns sehr gut vorbereitet. Wichtig ist, dass die Begeisterung im ersten Spiel im Land da ist."

Erster Russland-Sieg seit 2002

Die Begeisterung wuchs unter knapp 80.000 Zuschauern von Minute zu Minute: Zwar war den Gastgebern zunächst der Druck deutlich anzumerken, doch Juri Gasinski (12.) sorgte schon früh für die Befreiung. Die Joker Denis Tscheryschew (43./90.+1) und Artem Dschjuba (71.) sowie Alexander Golowin (90.+4) bescherten der Nummer 70 der FIFA-Weltrangliste den ersten Erfolg bei einer Endrunde seit dem 2:0 gegen Tunesien 2002.

"Wenn ich aber jetzt anfange zu träumen", sagte der frühere Bundesligatorwart Tschertschessow, "dann vergesse ich, meinen Job zu machen. Es ist ein Turnier. Es endet nicht mit diesem Spiel."

Nervöse erste Minute bis zur Befreiung

Während die Spieler sich mit einer Ehrenrunde von den Fans verabschiedeten, plauderte Putin noch immer auf der Tribüne mit FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der mächtigste Mann Russlands, eigentlich ein glühender Eishockey-Liebhaber, hatte der Sbornaja vor dem Spiel persönlich aufgetragen, "modern und mit Würde" zu spielen. Mission erfüllt! Auch wenn es in den nervösen ersten Minuten noch nicht danach aussah.

Im Duell der beiden nominell schwächsten WM-Mannschaften versuchte Saudi-Arabien zumindest, Kombinationen aufzuziehen. Aber es trafen die Russen - mit der ersten Chance des Turniers. Der saudische Mittelfeldspieler Taiseer Al-Jassim fiel nach einer Flanke von Golowin auf den Hosenboden, was Gasinski freistehend einen Kopfball und sein erstes Länderspieltor ermöglichte.

Oliver Kahns Hilfe kam bei saudischem Keeper nicht an 

 

Torhüter Abdullah Al-Mayouf nutzte dabei auch nichts, dass kein Geringerer als Oliver Kahn mit seiner Akademie die saudischen Keeper für die WM trainiert hatte. Und Putin? Der lächelte kurz, dann breitete er entschuldigend die Hände in Richtung des Kronprinzen aus.

Es folgten allerdings zwei Momente des Luftanhaltens: Innenverteidiger Ilja Kutepow hätte den Ball beinahe ins eigene Tor geköpft (21.), Mittelfeldspieler Alan Dsagojew musste mit einer schmerzhaften Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden (24.).

Dennoch: Die saudische Spielfreude hatten die körperlich überlegenen Russen mit dem Tor gedämpft. Das Niveau auf beiden Seiten sank minütlich, bis der für Dsagojew gekommene Tscheryschew mit einer Finte zwei Abwehrspieler narrte und aus kurzer Distanz traf.

Dschjuba mit schnellsten WM-Jokertor

Saudi-Arabien kämpfte mit wachsender Verzweiflung um seine Chance. Das 1:2 bei der Generalprobe gegen die deutschen Weltmeister hatte Anlass zum Optimismus gegeben, doch der Aufbau der Grünen Falken wirkte planlos und selbst im Vergleich mit dem ideenarmen russischen Konterspiel noch klar unterlegen.

Al-Jassim bot sich immerhin die Gelegenheit zum Anschluss, doch er rutschte nach einer Flanke knapp am Ball vorbei (57.).

Mit Dschjubas Tor 89 Sekunden nach seiner Einwechslung, dem schnellsten WM-Jokertor seit 2002, war das Spiel entschieden. Tschertschessow, einst Torwart bei Dynamo Dresden, ging beim Jubeln völlig aus sich heraus. Der Rest war ein russisches Schaulaufen mit weiteren Treffern - teils untermalt von La Ola.

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