Der HSV geht in seine dritte Zweitliga-Saison nach der verpassten Relegation... - Bildquelle: Ibrahim Ot/action press/Pool via xim.gsDer HSV geht in seine dritte Zweitliga-Saison nach der verpassten Relegation. © Ibrahim Ot/action press/Pool via xim.gs

Hamburg - Die Stimmung dürfte beklemmend sein, wenn Spieler und Trainer des Hamburger SV Montagfrüh um 10 Uhr noch einmal zusammenkommen.

Dieter Hecking wird noch einmal abschließend zur Mannschaft sprechen. Danach geht es in den Urlaub.

Und niemand weiß, wie der HSV nach der Sommerpause aussehen wird. Erfolgt der nächste Umbruch? Oder wird der Kern der Mannschaft zusammengehalten?

Es gibt viele Fragen, die Sportvorstand Jonas Boldt sowie Präsident und Aufsichtsratschef Marcell Jansen beantworten müssen. "Wir werden in den kommenden Tagen in die Analyse gehen", kündigt Jansen an.

Vertrag von Hecking läuft aus

Zunächst einmal stellt sich die Frage nach dem Trainer.

Der Vertrag von Hecking hätte sich nur im Falle des Aufstiegs verlängert. Hecking deutet an, er könne sich auch in der 2. Liga einen Verbleib vorstellen. Auch Boldt sagt: "Den Weg, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, wollen wir nicht einfach so über Bord werfen."

Doch ist Hecking, der sich zuletzt viele taktische Fehlgriffe geleistet hat, intern sowie extern weiter als Trainer vermittelbar?

Hecking schätzt die Situation realistisch ein: "Man muss gucken, inwieweit wir das große ganze Gebilde wieder so aufstellen können, dass alle das Gefühl haben, das es im nächsten Jahr klappen kann."

Sollte Hecking keinen neuen Vertrag beim HSV unterzeichnen, werden in den Medien Tim Walter (zuletzt entlassen beim VfB Stuttgart), Andre Breitenreiter (zuletzt entlassen bei Hannover 96) oder Dimitrios Grammozis (Vertrag beim SV Darmstadt 98 ist ausgelaufen) als Nachfolger gehandelt.     

Breitenreiter und Grammozis haben zu aktiven Zeiten selbst für den HSV gespielt. Zudem hat Breitenreiter mit dem SC Paderborn und Hannover 96 bereits zwei Vereine in die Bundesliga geführt.

Doch was für eine Mannschaft wird dem Trainer überhaupt zur Verfügung stehen?

Der HSV ging mit einem Spielerbudget von geschätzten 28 Millionen Euro in die zurückliegende Saison. Ob dieser Etat aufrechterhalten werden kann, ist in Zeiten von Corona fraglich.

Zumal sich jedes weitere Jahr in der 2. Bundesliga negativ auf die Verteilung der Fernsehgelder auswirkt.

Zahlt Kühne für die Namensrechte am Volksparkstadion?

Ein weiteres Problem: Das Namensrecht an der Arena des Hamburger SV läuft am 30. Juni aus.

Anteilseigner Klaus-Michael Kühne zahlt pro Saison vier Millionen Euro an den Verein, damit die Arena den traditionellen Namen Volksparkstadion behält.

Die Gespräche über eine mögliche Verlängerung laufen zwar. Allerdings ist Kühne bekannt dafür, nach sportlichen Misserfolgen emotional zu reagieren. Das 1:5 gegen den SV Sandhausen und der erneut verpasste Aufstieg dürfte seine Motivation also nicht gesteigert haben.

Leihspieler wie Pohjanpalo und Fein verlassen HSV

Unabhängig vom Budget sind einige Veränderungen am Kader unvermeidlich.

Die Leihspieler Adrian Fein (FC Bayern München), Jordan Beyer (Borussia Mönchengladbach), Louis Schaub (1. FC Köln), Martin Harnik (Werder Bremen) und Joel Pohjanpalo (Bayer Leverkusen) kehren zu ihren Vereinen zurück.

Zudem werden die Verträge von Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos und Mittelfeldspieler Christoph Moritz nicht verlängert. Die beiden spielten zuletzt keine bzw. fast keine Rolle mehr.

Van Drongelen erleidet Kreuzbandriss

Nach dem desaströsen Saisonabschluss muss der Kader verstärkt werden. Dem HSV fehlt es vor allem an Mentalitätsspielern, die der Mannschaft in schwierigen Phasen Halt geben. Das 1:5 gegen Sandhausen hat bewiesen, dass die Spieler dem Druck mental nicht gewachsen waren.  

Zudem erwies sich die Defensive als Schwachstelle. Da sich Rick van Drongelen auch noch einen Kreuzbandriss zuzog und mindestens die komplette Hinrunde verpassen wird, stehen weitere Innenverteidiger sicherlich ganz oben auf dem Wunschzettel.

Auch ein weiterer Stürmer könnte helfen, um den Abgang von Joel Pohjanpalo (9 Tore in der Rückrunde) aufzufangen.    

"Wir werden schauen, an welchen Stellen wir unsere Mannschaft verstärken können und werden versuchen, hierfür die bestmöglichen Spieler zum HSV zu holen", verspricht Boldt.

Einziger Neuzugang: der 18-jährige Onana

Bislang wurde erst eine Neuverpflichtung getätigt: Der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler Amadou Onana wechselt von der U19 der TSG Hoffenheim nach Hamburg. Eine Sofortverstärkung ist er freilich noch nicht.

Hinzu kommen die zurückkehrenden Leihspieler: die Innenverteidiger David Bates (Sheffield Wednesday) und Jonas David (Würzburger Kickers), Linksaußen Aaron Opoku (Hansa Rostock), der offensive Mittelfeldspieler Berkay Özcan (Istanbul Basaksehir) und Stürmer Manuel Wintzheimer (VfL Bochum).

Opoku ist der einzige Spieler, der fernab von Hamburg seinen Durchbruch erlebt - allerdings in der 3. Liga. Wintzheimer zeigte mit seinen drei Toren und zwei Vorlagen für den VfL zumindest gute Ansätze. David, Özcan und Bates dürften in Hamburg hingegen einen schweren Stand haben.

Viele Puzzleteile müssen also zusammengefügt werden, damit der Aufstieg vielleicht im dritten Jahr gelingt.

Oliver Jensen

Du willst die wichtigsten Fußball-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

NFL-Ergebnisse

Aktuelle Galerien