Bob Hanning appeliert an die Politik - Bildquelle: firo Sportphoto/firo Sportphoto/SID/Bob Hanning appeliert an die Politik © firo Sportphoto/firo Sportphoto/SID/

Berlin (SID) - Handball-Topfunktionär Bob Hanning hat sich mit einem eindringlichen Appell an die Politik gewandt und angesichts der hohen Coronafallzahlen mit deutlichen Worten vor einem weiteren Lockdown für Kinder und Jugendliche gewarnt. "Schließt Fußballstadien und Weihnachtsmärkte, sagt Konzerte und Weihnachtsfeiern ab, aber lasst die Kinder und Jugendlichen dieses Mal in Frieden", schrieb Hanning in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel (Dienstagausgabe): "Vieles kannst du mit Geld retten - die Jugend nicht."

Der Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin, der sich seit Jahrzehnten auch als Nachwuchstrainer engagiert, sei als Füchse-Chef selbst dazu bereit, "meinen Beitrag zu leisten. Wenn sich die Coronalage weiter verschlechtert, sollten wir lieber den Spielbetrieb in den Profiligen einstellen als die Sporthallen wieder für den Nachwuchs abzuschließen. Ich würde eher die Meisterschaft und die Champions League opfern, als die Jugendligen wieder dauerhaft auszusetzen."

Die Situation an der Basis beschrieb Hanning als "dramatisch. Der Vereinssport ächzt, wir verlieren gerade Tausende von Mitgliedern. Jugendmannschaften werden reihenweise abgemeldet. Dem Handball, und nicht bloß dem, wird die Basis entzogen."

Viele Jugendmannschaften hätten seit Beginn der Pandemie im März 2020 bis heute gerade einmal drei Spiele absolviert, "von Trainingsmöglichkeiten ganz zu Schweigen. Was dieser Bewegungsmangel, aber auch der Mangel an sozialer Teilhabe mit dieser Generation an Kindern und Jugendlichen macht, daran mag ich gar nicht denken", schrieb Hanning. Es stünde "nicht weniger als die körperliche und seelische Gesundheit von Millionen von Kindern und Jugendlichen auf dem Spiel. Von den Auswirkungen auf unser Gesundheits- und Gesellschaftssystem ganz zu Schweigen."

In den letzten Tagen, Wochen und Monaten seien in der Coronapolitik "etliche Fehler" gemacht worden. "Doch das größte Vergehen war und ist der Umgang mit unseren Kindern und Jugendlichen. Ob beim Sport, bei der Musik, in der Schule oder in den Kitas: Diese Gruppe so lange von der gesellschaftlichen Teilhabe auszuschließen, ist mit nichts zu entschuldigen", schrieb Hanning.

Hanning, selbst geimpft und geboostert, bezeichnete sich als "großer Fan von Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie", doch für Kinder und Jugendliche forderte er "unabhängig von Inzidenzen und Hospitalisierungsraten genau jetzt klare Bekenntnisse der Politik. Dieser 'Akt der Solidarität' ist das Mindeste, was den Kindern und Jugendlichen jetzt zusteht. Es ist höchste Zeit, unsere Stimme für diese Gruppe zu erheben."

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien