Bringt Michelin in der DTM eine zweite Reifenmischung? - Bildquelle: DTMBringt Michelin in der DTM eine zweite Reifenmischung? © DTM

Redaktion - Kommt in der DTM dieses Jahr bei den Rennen eine zweite Reifenmischung zum Einsatz oder nicht? Darüber wird hinter gerade hinter den Kulissen diskutiert. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' spricht sich DTM-Boss Gerhard Berger für eine derartige Lösung aus, da eine alternative weichere Reifenmischung für unterschiedliche Strategien und mehr Rennaction sorgen könnte.

Reifenpartner Michelin setzt sich währenddessen für möglichst haltbare Reifen ein und will aus Imagegründen verhindern, dass es zu Schäden kommen könnte. Dennoch willigte man für den Hockenheim-Test ein, dass die Teams neben der härtesten Mischung S9M zu Testzwecken pro Fahrzeug auch einen Satz der weicheren S8M-Mischung ausprobieren dürfen.

"Man muss aufpassen, dass Reifen nicht zu gut ist"

Der Abbau hielt sich auch wegen der niedrigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt bei beiden Mischungen in Grenzen. Für den Lausitzring-Test wurde nun laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' die S8M-Mischung von Michelin nominiert. Die weichste Mischung - der S7M-Reifen - bleibt vorerst weiterhin im Regal.

Nach den Tests werde man "entscheiden, wie wir die verschiedenen Spezifikationen mischen, damit wir die Performance maximieren und auch ein strategisches Element bei den Rennen ermöglichen", bestätigte ITR-Technikchef Michael Resl beim Hockenheim-Test, dass man sich mit dem Gedanken spiele, zwei Reifenmischungen pro Rennen einzusetzen.

Dafür spricht sich derzeit vor allem das Abt-Team aus. "Wenn es die Möglichkeit gibt, dass Michelin zwei unterschiedliche Mischungen bringt, dann wären wir sofort dafür", sagt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier, der sich davon "mehr Überholmanöver" und einen "strategischen Mehrwert" verspricht.

"Jeder im Rennsport sagt, dass Michelin sehr gute Reifen baut. Man muss aber aufpassen, dass der Reifen nicht zu gut ist und nicht abbaut. Und wir deswegen wie an einer Perlenkette aufgefädelt hintereinander herfahren werden. Es gibt kein Push-to-pass und kein DRS mehr. Darum pushen wir für dieses Thema. Eine zweite Mischung würde der DTM guttun."

Zweite Mischung als "massiver Kostentreiber"?

Doch nicht alle sehen das ähnlich. Vor allem bei den Teams im Mercedes-AMG-Lager spricht man sich gegen eine zweite Mischung aus. "Zwei unterschiedliche Reifen bedeuten mehr Testfahrten", warnt Mercedes-AMG-Kundensport-Koordinator Thomas Jäger vor den Kosten.

Denn laut dem neuen DTM-Reglement sind Tests während der Saison komplett freigegeben, solange man nicht in den zwei Wochen vor dem Event auf der jeweiligen Strecke fährt. Zudem erhalten die Teams nach den fünf Reifensätzen pro Fahrzeug beim Saisonauftakt an allen weiteren Wochenenden nur noch drei Sätze - und müssen daher mit den Pneus haushalten.

"Man muss als Team verstehen, wie sich die Reifen in Hinblick auf Temperaturen, Drücke, Verschleiß und bei den Longruns verhalten", erklärt Jäger. Private Tests auf allen permanenten DTM-Kursen könnten also die Folge sein: "Wenn du perfekt vorbereitet sein willst, dann musst du das tun. Und das treibt die Kosten massiv in die Höhe."

Doch das sei nicht der einzige Faktor. "Für Saison 1 sollte man dafür sorgen, dass man alles gut organisiert und koordiniert hinbekommt", meint der Mercedes-AMG-Kundensport-Koordinator. "Und wenn man die Erfahrung hat, weiß man für die Zukunft auch, ob man wirklich einen strategischen Faktor wie eine 'Reifenmischung 2' braucht, um das spannender zu machen. Das kann man momentan noch nicht so richtig einschätzen."

Herausforderung für BoP: "Feinjustierung viel schwieriger"

Abgesehen davon sieht er mit einer zweiten Reifenmischung nicht nur eine zusätzliche Herausforderung für die Teams, sondern auch für die AVL, die für die Balance of Performance (BoP) zuständig ist. "Auch unter dem Gesichtspunkt BoP wäre es einfacher, man würde es bei einer Mischung belassen, denn mit einer zweiten Mischung wird es immer so sein, dass sich die Fahrzeugkonzepte unterschiedlich verhalten", warnt Jäger. "Das würde eine Feinjustierung viel schwieriger machen."

Mercedes-AMG wolle sich aber diesbezüglich nicht einmischen. "Das muss die ITR am Ende natürlich unter Berücksichtigung der Teams und Budgets entscheiden. Wir werden da keinerlei Druck ausüben", sagt Jäger. "Man sollte aber ein bisschen auf die Teams hören. Ich kann es aus deren Sicht total verstehen, weil es ein Kostentreiber ist, aber ich kann auch verstehen, wenn man ein Spannungselement hineinbringen will."

Wie Hans-Peter Naundorf vom BMW-Rennstall Rowe die Problematik einschätzt? "Aus technischer Sicht und aus Kostensicht würde ich es gerne bei einer Mischung belassen", stellt er klar. "Aber für die zukünftige Show und für das Entertainment ist es glaube ich interessant, eine zweite Mischung zu bringen. Daher wäre es auch das richtige, das zu tun. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust."

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