Die DTM testet in Jerez. - Bildquelle: imago images/eu-imagesDie DTM testet in Jerez. © imago images/eu-images

München – Noch einmal heulen sie auf, die Vierzylinder-Turbomotoren. Vom 11. bis 13. Dezember finden im spanischen Jerez de la Frontera die Young Driver Tests statt. Was macht Robert Kubica dort? Wer ist sonst alles da? Und was soll das Ganze?

ran.de beantwortet die Fragen zu den Testfahrten.

Was steht an? Der alljährliche sogenannte Young Driver Test. Dabei erhalten in der Regel junge und auch nicht mehr ganz so junge Talente eine Chance, sich im DTM-Auto zu zeigen. 

Einige von ihnen schafften in der Vergangenheit auch den Sprung in ein Stammcockpit, manche verewigten sich im Notizbuch, um dann später ihre Chance in der DTM zu bekommen.

Für die Hersteller ist es in dieser Winterpause die einzige Möglichkeit, vor den offiziellen ITR-Testfahrten vom 16. bis 18. März in Monza auf die Strecke zu gehen. Vor allem BMW hat nach der enttäuschenden Saison Nachholbedarf.

"Wir müssen am Auto intensiv arbeiten und die Technik auf das Niveau bringen, das wir haben wollen", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. Denn die Weiterentwicklung blieb 2019 auf der Strecke, da die Münchner vor allem mit Zuverlässigkeitsproblemen durch den neuen Vierzylinder-Turbomotor zu kämpfen hatten. "Wir müssen die Zuverlässigkeit in unserem Auto wieder auf Top-Niveau bringen", fordert Marquardt.

Vor allem in der zweiten Saisonhälfte geriet BMW ins Schlingern, war unter dem Strich gegen Audi chancenlos. In Zahlen: 550 Punkte holte BMW, 1132 hingegen Audi. Alle drei Titel gingen dann auch vorzeitig nach Ingolstadt.

Der BMW-Boss: "Das, was wir in der Saison mit Weiterentwicklung nicht hinbekommen haben, müssen wir über den Winter versuchen aufzuholen, mit Simulatorarbeit zum Beispiel. Der Wettbewerb wird genauso daran arbeiten, deswegen musst du besser und intensiver arbeiten."

Wer ist alles am Start? Audi und BMW sowie das Audi-Kundenteam WRT. Sieben Fahrer testen dabei den Audi RS 5 DTM. In Spanien erstmals am Lenkrad des aktuellen Meisterautos, das 2019 zwölf der 18 Rennen und alle drei möglichen DTM-Titel gewann: Edward Jones, Kelvin van der Linde, Robin Rogalski und Fabio Scherer.  

Edward Jones (24) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bestritt in der abgelaufenen Saison die IndyCar Series. Kelvin van der Linde (23) wurde dieses Jahr mit einem Audi R8 LMS GT3 zum zweiten Mal nach 2014 Champion des ADAC GT Masters. 

Der erst 19 Jahre alte Robin Rogalski aus Deutschland gewann in einem Audi R8 LMS GT4 den Audi Sport Seyffarth R8 LMS Cup 2019. Der Schweizer Fabio Scherer (20) trat in der erstmals veranstalteten FIA Formel-3-Meisterschaft an. 

Referenzfahrer sind DTM-Champion René Rast (33/Deutschland) und Vizemeister Nico Müller (27/Schweiz). Außerdem ist der 2019 in einem Kundenfahrzeug des WRT Team Audi Sport erstmals in der DTM eingesetzte Jonathan Aberdein (21/Südafrika) dabei.

BMW lässt in Jerez einen prominenten Fahrer ins Cockpit: den früheren Formel-1-Fahrer Robert Kubica. "Ich freue mich schon sehr auf den Test und darauf, den DTM-Rennwagen mit Turbo-Antrieb kennenzulernen. Denn ich kann mir eine Zukunft in der DTM sehr gut vorstellen. Ich suche nach einer neuen Herausforderung, und das ist die DTM ganz sicher", sagte der 35-Jährige, der nach einer enttäuschenden Saison bei Williams die Formel 1 nach nur einem Jahr wieder verlässt.

Neben Kubica wird auch Nick Yelloly am Test in Jerez de la Frontera teilnehmen. Der 29-Jährige ist seit dieser Saison BMW Werksfahrer und feierte mit dem BMW M6 GT3 des FIST-Team AAI den Titelgewinn in der China GT Championship. Referenzfahrer sind Marco Wittmann und Philipp Eng.

Was ist mit Aston Martin? Der DTM-Neuling ist in Jerez nicht am Start. Das Privatteam R-Motorsport hatte sich nach der Debütsaison von Technikpartner HWA getrennt und steht nun vor einem Neustart. Die Autos? Wurden verkauft, was allerdings nicht unüblich ist. Die Motoren? Werden möglicherweise von BMW bezogen. Das Einsatzteam? Wird ebenfalls noch gesucht. 

R-Motorsport-Teamchef hat mehrfach betont, zuletzt noch beim Dream Race in Fuji im Gespräch mit DTM-Chef Gerhard Berger, dass man 2020 am Start sein wird. Wie genau – das wollen die Schweizer noch bekanntgeben. 

Was sagen die BMW-Kollegen zu Robert Kubica? Sie freuen sich. In erster Linie vor allem die, deren Cockpits er nicht gefährdet. "Ich bin gespannt, was er abliefert und freue mich auf den ersten Kontakt und darauf, ihm erste Tipps zu geben, um ihm den Sprung zu vereinfachen. Dann muss man schauen, wie er sich schlägt und wo die Reise für ihn hingeht", so Wittmann. 

Denn ein Selbstläufer wird das sicher nicht, die Vergangenheit hat gezeigt, dass Formel-1-Fahrer Zeit für die Umstellung benötigen. "Das ist eine Herausforderung für alle Formel-1-Fahrer. Man hat es an Timo (Glock) gesehen, er hat auch zwei, drei Jahre gebraucht. Die DTM ist kein Ponyhof. Man kommt nicht mal eben so in die DTM", so Wittmann weiter.

"Er wäre absolut etwas für unser Team. Er hat schon BMW-Erfahrung und wäre ein guter Name für die DTM. Ich würde mich freuen, wenn er zu uns kommt", sagte Glock.

Wie stehen die Chancen des Polen? Das muss man abwarten. Auf der einen Seite wird er die große Frage nach seinem sportlichen Potenzial in einem DTM-Auto erstmals beantworten. Auf der anderen Seite steht natürlich auch sein Sponsor PKN Orlen, der die Personalie auch finanziell attraktiv machen könnte.

Fakt ist: Setzt BMW wie gehabt auf sechs Werksautos, müsste man sich von einem Fahrer aus dem aktuellen Kader trennen. Bislang hat sich nur der zweimalige Champion Marco Wittmann selbst für 2020 bestätigt. 

Wie geht es nach den Tests weiter? Mit den Daten und Erkenntnissen werden Audi und BMW ihre Boliden im Rahmen der durch das strikte Reglement vorgegebenen Möglichkeiten weiterentwickeln und verbessern.

Der nächste Test findet vom 16. bis 18. März in Monza statt. Es ist auch zugleich die Generalprobe vor dem Saisonstart im belgischen Zolder (24. bis 26. April).

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