Timo Scheider schreibt regelmäßig auf ran.de. - Bildquelle: ImagoTimo Scheider schreibt regelmäßig auf ran.de. © Imago

Liebe Motorsport-Freunde, liebe DTM-Fans,

das Highlight des Jahres steht an. Norisring. DTM-Rennen im Herzen von Nürnberg. Der einzige Stadtkurs Deutschlands. Das fränkische Monaco, wie man so schön sagt. Es ist einfach ein ganz spezielles Wochenende, das speziellste im ganzen DTM-Kalender.

Denn am Dutzendteich ist alles nah beieinander, das Fahrerlager, die Teams, die Fans, die berühmte Steintribüne. Motorsport im wahrsten Sinne des Wortes zum Anfassen. Das gibt es in der Konstellation nirgendwo anders.

Eine echte Herausforderung

Aus Fahrersicht ist der Kurs eine echte Herausforderung, auch wenn er extrem einfach aussieht mit seinen im Grunde nur dreieinhalb Kurven. Die Strecke ist kurz, dazu hast du ein Setup, das ganz anders ist als sonst, nämlich mit sehr wenig Anpressdruck, um einen hohen Topspeed zu erzeugen. 

 

Hinzu kommt: Alles ist unfassbar strapazierend für die Bremsen, das Gleiche gilt für den Fahrer, es gab in der Vergangenheit aufgrund der vielen Runden und Bremsvorgänge immer wieder Krämpfe in den Bremsbeinen. Die Gefahr eines Bremsversagens ist auch größer, die Unfallgefahr sowieso. 

Hinzu kommen die generellen Probleme durch das neue Reglement, Unwägbarkeiten und Fragezeichen bei der Haltbarkeit: Die 2019er-Autos sind aus technischer Sicht einfach noch nicht aussortiert.

Klar ist: Am Norisring gibt es keinen Raum für Fehler. Du bist in jeder Situation nur Millimeter von Mauern, Leitplanken oder der "Wall of Shame" ausgangs des Schöller-S entfernt. Der kleinste Lupfer, der kleinste Millimeter weniger zur Mauer, die kleinsten Nuancen können beim Qualifying gleich zwei oder drei Startreihen ausmachen.

Grundsätzlich ist es für einen Fahrer ganz schwer, auf dem Kurs einen Unterschied zu machen. Man benötigt teilwiese eine ganz andere Art von Fahrstil, weshalb auch schon mal Piloten vorne sind, mit denen man gar nicht gerechnet hat. 

Klar ist: Die Zündschnur ist kürzer als sonst, es kann schnell mal zu Unfällen oder auch Ausrastern kommen. Die Gemüter sind dort immer erhitzt, alles wirkt aufgeheizt, nervös, weil jeder hier noch ein bisschen mehr gewinnen will. Auch dafür ist der Norisring gut - Entertainment pur.

Mit 41 Fieber ins Auto

Ich kenne das von mir: Ich habe mich schon mal mit 41 Grad Fieber ins Auto geschleppt und bin auf die Pole gefahren. Trotz eines Verbots durch die Ärzte habe ich auch das Rennen bestritten und bin Vierter geworden. Das Adrenalin war so groß, dass ich von der Krankheit gar nichts gemerkt habe.

Ich bin mir sicher: Es wird wieder rund gehen. Für Audi ist es ein Heimspiel, für BMW auch. Da ist die Anspannung einfach eine andere. Das sind alles Kleinigkeiten, die im Hinterkopf einen gewissen Druck erzeugen. Und dann ist das Haus auch noch voll, das macht das ganze Paket erst richtig rund.  

Deshalb finde ich es sehr schade, dass ich diesmal nicht vor Ort sein kann, aber ich bin selbst im Einsatz: Die Rallycross-WM in Schweden ruft. Falls ihr wissen wollt, wie es dort für mich lief: Schaut in meinen Vlog auf ran.de rein.

In diesem Sinne: Euch viel Spaß in Nürnberg oder bei ran racing in SAT.1.

Euer Timo Scheider

Timo Scheider fuhr von 2000 bis 2016 für Opel und Audi 181 Rennen in der DTM, von denen er sieben gewann, dazu holte er 24 Podestplätze. 2008 und 2009 gewann er den Titel. Seit 2018 ist er ranDTM-Experte.

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