Liebe Motorsport-Freunde, liebe DTM-Fans,

es wird ein spezielles Rennwochenende in Misano (7. bis 9. Juni, live in SAT.1 oder auf ran.de). Denn wir erleben nach dem Comeback der Gaststarter-Idee im Vorjahr den ersten Superstar aus einer anderen Motorsport-Kategorie: MotoGP-Vizeweltmeister Andrea Dovizioso.

Ganz grundsätzlich machen die Gaststars die DTM an sich nicht besser, aber man kann durch sie sehr viel Aufmerksamkeit generieren, was der Serie nur helfen kann. Und: Die Meisterschaft ist so reizvoll und so spannend, dass es genug Stars gibt, die richtig Lust darauf haben, das mal zu machen.

Rossi oder der "Iceman"

Wenn ich mir einen Fahrer wünschen könnte, würde ich Valentino Rossi gerne in einem DTM-Auto sehen. Oder aber den coolen "Iceman", Kimi Räikkönen. Ein Charaktertyp, der wäre geil. Oder Travis Pastrana, Freestyle-Motocrosspilot. 

Und ich gebe gerne offen und ehrlich zu: Ich hätte auch sehr viel Bock auf die neuen Autos, die zusätzliche Leistung, die über 600 PS. Wenn ich die Chance bekomme, bin ich sofort dabei. Ich traue mir zu, konkurrenzfähig zu sein, wenn ich die entsprechende Vorbereitung bekomme. 

Klar: Die DTM ist ein heißes Pflaster mit engen Rundenzeiten, aber die Top Ten bekomme ich aus dem Stand hin. Mit Testtagen auch mehr. Ich bin Racer durch und durch, das bin ich immer noch. Ob für BMW, Audi oder auch Aston Martin: Ich habe das Telefon parat, und meinen Helm auch.

Vollgas-Junkie

Andrea kenne ich noch aus meiner Audi-Zeit. Er war immer schon sympathisch, bodenständig, sehr nahbar. Ein cooler Typ, sehr ehrgeizig. Ein Vollgas-Junkie, mit einem extrem hohen Limit. 

Heißt: Der Mann kennt keine Angst, nimmt ein extremes Risiko und kann sehr schnell ein starkes Niveau erreichen, wo dann aber als DTM-Rookie auch schnell etwas schiefgehen kann. Man muss ihn also vielleicht ein wenig einfangen. Er ist aber einer, der am Lenkrad auf jeden Fall etwas kann. 

Ich erwarte von ihm deshalb einen guten Auftritt. Die Top 10 wären vermessen, viel wichtiger ist sowieso, wie er es selbst empfindet. Ich war früher Gaststarter in der Rallycross-WM – man schwebt dabei ein bisschen zwischen zwei Empfindungen.

Zum einen, dass man es macht, weil man wirklich einfach Bock drauf hat, egal, was dabei herauskommt. Man will Spaß haben. Das ist auch eine gute und richtige Einstellung. 

Aber klar: Da gibt es noch den eigenen, hohen Anspruch und die Erwartungen als Rennfahrer, und auch vom Umfeld, im Fall von "Dovi" auch zusätzlich von den heimischen Fans in Italien. Es dürfte deshalb auch etwas stressiger werden für ihn. 

Überraschungen auf der Strecke

Auch, weil er die ganzen Abläufe, Meetings und das Drumherum nicht kennt, weil vieles ungewohnt sein wird. Er wird mit Sicherheit die eine oder andere Überraschung auf der Strecke erleben. Denn vieles kann er noch gar nicht einschätzen, trotz der beiden Testtage. Denn wenn ein Rennwochenende erst einmal losgeht, ist alles anders. Wenn es gilt, wenn der Stress beginnt, die Action, gegen die 17 anderen Fahrer, wenn er liefern muss und auch will.

Aber ich finde: er hat nichts zu verlieren, er hat keinen Druck, er kann nur gewinnen! Mein Tipp: Dovi, genieß‘ es einfach, hab‘ Spaß mit dem Audi RS 5 DTM und den über 600 PS.

In diesem Sinne: Auch Euch viel Spaß in Misano oder bei ran racing in SAT.1.

Euer Timo Scheider

Timo Scheider fuhr von 2000 bis 2016 für Opel und Audi 181 Rennen in der DTM, von denen er sieben gewann, dazu holte er 24 Podestplätze. 2008 und 2009 gewann er den Titel. Seit 2018 ist er ranDTM-Experte.

Motorsport 2018 / 2019