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Liebe Motorsport-Freunde, liebe DTM-Fans,

Die DTM erfindet sich 2019 mal wieder neu: Ein neues Reglement, neue Autos, ein neuer Motor, noch mehr PS. Keine Frage: Bei den neuen Turbo-Biestern mit ihren über 600 PS brauchen die Piloten Eier.

Was die DTM aber auch braucht, sind mehr Typen. Es gibt zur Saison 2019 einen wichtigen Schritt in Sachen Leistung, Technik und Geschwindigkeit. Da dürfen die Stars gerne versuchen, Schritt zu halten. Denn zu mehr Spektakel auf der Strecke muss auch der Typ hinter dem Lenkrad passen.

Wir wollen Spektakel

Die Kritik äußere ich schon länger: Die Typen fehlen in der DTM. Sie dürfen gerne lauter und extrovertierter werden! Sie sollen deutlich sagen, wenn etwas Mist war. Wir brauchen keine politisch korrekten Fahrer, die Ja-Sager, sondern es dürfen – in einem gewissen Rahmen – auch gerne mal die Fetzen fliegen. Kontroverse Diskussionen, Zoff, schöne Geschichten: Das ist es ja, was wir wollen. Wir wollen Spektakel. Ich hoffe, dass die Neuerungen etwas Pfeffer in die Sache bringen. Denn auf die Fahrer kommt ein Haufen Arbeit zu.

Man hört bei allen Herstellern deutlich durch: Es geht am Anfang gar nicht darum, wer das schnellste Auto hat. Sondern eher: Wie überleben wir, welches Auto hält bis ins Ziel durch? Denn der neue Vierzylinder-Turbomotor sorgt durch die hohen Drehzahlen und die Vibrationen für technische Schwierigkeiten.

Mehr Ausfälle?

Und damit auch für ganz neue Herausforderungen für Teams und Fahrer. Denn: Die höhere Leistung werden die Piloten deutlich spüren, das Auto hat eine ganz andere Fahrbarkeit als vorher. Möglicherweise sehen wir dadurch auch etwas, das es schon lange nicht mehr gab: Technisch bedingte Ausfälle.

Parallel suchen wir wieder den Reifenflüsterer. Denn durch die höhere Leistung frisst das Auto die Hinterräder förmlich auf. Früher konnte man volle Attacke fahren. Jetzt müssen die Piloten aufpassen, was sie mit den Reifen veranstalten, müssen die Balance zwischen Aggressivität und Defensive finden, müssen mit dem Gaspedal sensibel umgehen. Wir können uns auf eine echte Reifenschlacht freuen! Die Fahrer müssen durch Motor und Reifen an viel mehr Dinge denken als vorher, bei der Einstellung des Autos mit dem Team und dem Ingenieur zusammen. 

Startprozedere ein ganz heißes Thema

Schon beim Start wartet die erste echte Herausforderung: Die technischen Starthilfen wurden abgeschafft. Das macht es richtig schwierig. Denn ein Start mit einer Kohlefaser-Kupplung ist nicht ohne, da hat man keinen großen Spielraum. Der Start ist extrem risikoreich, alles ist möglich: Frühstart, Fehlstart, ein Abwürgen des Motors. Viel Raum für Peinlichkeiten. Ein ganz, ganz heißes Thema.

Den verstellbaren Heckflügel gibt es weiterhin, neu ist das Push-to-Pass-System. Heißt: Auf Knopfdruck kann der Fahrer kurzzeitig 30 PS mehr aktivieren. Wer mich kennt weiß: Ich halte nicht viel von künstlichen Überholhilfen. Denn die haben immer einen Beigeschmack. Der Führende sollte nicht benachteiligt werden. Außerdem kann es zu taktischen Spielchen führen am Ende eines Rennens. Aber: Action ist vorprogrammiert, was für die DTM die richtige Richtung ist.  

Vielleicht sehen wir uns ja in Hockenheim. Oder ihr seht die DTM bei ran racing in SAT.1!

Euer Timo Scheider

Timo Scheider fuhr von 2000 bis 2016 für Opel und Audi 181 Rennen in der DTM, von denen er sieben gewann, dazu holte er 24 Podestplätze. 2008 und 2009 gewann er den Titel. Seit 2018 ist er ranDTM-Experte.