Assen/München - Das drohende Aus für die DTM wäre für Gerhard Berger "eine Katastrophe für den deutschen Motorsport". Das betonte der Chef vom Vermarkter ITR, der hinter den Kulissen seit Monaten für den Erhalt der Rennserie kämpft, im ran-Interview am Rande des Rennwochenendes im niederländischen Assen.

Zugleich bezifferte der frühere Formel-1-Pilot die Chancen auf eine Fortsetzung angesichts des angekündigten Rückzugs von Audi nach dieser Saison auf wenig optimistische "50:50". Was er selbst bedauert: "Ich kann nichts anderes sagen, denn manchmal denkt man, so und so kann man es machen, aber es kommen dann immer wieder Diskussionen und Rückschläge."

"Entscheidung sehr stark in den Händen von Audi und BMW"

Die Verhandlungen mit den derzeit vertretenen Herstellern Audi und BMW verlaufen also nicht nach seinem Geschmack. "Die Tendenz verschiebt sich am Tag zweimal", verriet Berger, der beinahe schon zu resignieren scheint: "Ich kann keine Deadline setzen, weil die Entscheidung sehr stark in den Händen von Audi und BMW liegt."

Zwar sei auch klar, dass Konzerne Zeit benötigen würden, um sich festzulegen. Dennoch nimmt der Österreicher die Ingolstädter und die Münchner in die Pflicht: "Es gehört auch dazu, dass man sich nach vorne stellt und sagt, das ist jetzt das, was meine Firma beabsichtigt oder das ist das, was wir unterstützen. Das ist bis jetzt aber noch nicht passiert." Sollte die DTM der Moderne wirklich begraben werden müssen, "ist es nicht an meinem Einsatz gescheitert".

"Fast zu GT3-Reglement gezwungen"

Längst wird über eine Alternative diskutiert - das aber höchst kontrovers. "Im Grunde ist man fast gezwungen, auf ein GT3-Reglement auszuweichen", gab auch Berger zu bedenken: "Wenn wir so etwas machen, haben wir natürlich ein spezielles Profi-Format: Sprintrennen mit Profirennen voran auf sehr hohem Niveau."

Dabei will er aber auch immer die Fans im Blick haben - denn diese seien der Serie seit Jahren oder sogar Dekaden treu. So verweist Berger auf die 1,4 Millionen TV-Zuschauer, die am dritten Rennwochenende am Lausitzring in SAT.1 mitgefiebert haben.

"Mit anderem technischen Reglement Tür für viele Marken öffnen"

Im Zuge einer Reglement-Anpassung erhofft sich Berger auf jeden Fall mehr Vielfalt im Fahrerfeld: "Wir hätten halt alle gern viel, viel mehr Marken gehabt. Mit dem Ansatz eines anderen technischen Reglements hätten wir wahrscheinlich die Chance, die Tür zu öffnen für viele Marken, die sich gern auf dieser Plattform betätigen."

Im Gegensatz zur aktuellen DTM gehe es in diesem Fall aber um eigenständige Teams. Die Frist zur Anmeldung einer solchen Serie beim Weltverband Fia sei bis Ende September verlängert worden. Nach aktuellem Stand würden die entsprechenden Unterlagen bis dahin auch eingereicht werden. Um sich abzusichern.

Berger hat seine Deadline schon mehrmals verschoben

Eine endgültige Entscheidung bis dahin erwartet Berger offenbar nicht. Jedoch sei es für ihn "wichtig und richtig, dass wir uns unserer Verantwortung stellen und zeitgerecht Klarheit schaffen". Er selbst habe seine eigene Deadline jedoch schon mehrmals verschoben - "weil mein Herzblut einfach Motorsport ist".

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