BMW wird 2019 wohl ohne Titel bleiben. - Bildquelle: imago images / PakuschBMW wird 2019 wohl ohne Titel bleiben. © imago images / Pakusch

Liebe Motorsport-Freunde, liebe DTM-Fans,

der Titelkampf befindet sich am achten und damit vorletzten Rennwochenende auf dem Nürburgring (13. - 15. September, live und exklusiv in SAT.1 und auf ran.de) in der heißen Phase. Während Audi schon in Feierlaune ist und bereits den ersten Titel als bester Hersteller geholt hat, herrscht bei BMW Ratlosigkeit. Denn man wird in diesem Jahr wohl komplett leer ausgehen.

Keine Frage: Wir haben uns alle gewünscht, dass zumindest Audi und BMW um den Titel kämpfen. Dass Aston Martin im ersten Jahr nicht vorne mitfahren wird, war aufgrund des kurzfristigen Einstiegs und der fehlenden Entwicklungszeit abzusehen. 

Stark nachgelassen

BMW hat stark angefangen, hat aber auch leider stark nachgelassen. Es fühlt sich so an, als ob man in München die Entwicklung und die Erfahrung über das Jahr nicht so effektiv nutzen konnte wie in Ingolstadt. Durch die neue Fahrzeug-Generation ist jeder Meter auf der Strecke wichtig. Und da hat Audi es besser verstanden, was es jetzt braucht, um mit dem Auto schneller zu fahren. Da haben sie einfach die Hausaufgaben besser gemacht.

Ein klares Defizit muss man bei BMW beim Motor attestieren: Beim Topspeed hängt der BMW dem Audi immer so zwei bis drei km/h hinterher. Hört sich nicht viel an, macht aber eine Menge aus. Denn das ist geschenkte Zeit beim Geradeausfahren. Dadurch muss BMW in den Kurven mehr riskieren, muss mehr ans Limit gehen und hat dadurch auch einen höheren Reifenverschleiß. Das macht es schwieriger eine perfekte Runde hinzubekommen – ein Teufelskreis.

Audi-Kader in der Breite auf einem Niveau

Audi schafft es zudem, in der Breite des Kaders ungefähr auf einem Niveau zu fahren. Das gibt es bei BMW nicht, da sind Marco Wittmann und mit Abstrichen auch Philipp Eng die Benchmark. Für einen Hersteller ist es schlecht, wenn man nicht auf die ganze Mannschaftsstärke zurückgreifen und sie im Titelkampf nutzen kann.

Das Besorgniserregende: Ob und wie BMW darauf eine Antwort findet. Denn nur so kannst du dich verbessern, auch als Team: Wenn man weiß, woran man arbeiten muss. Ist das Auto zu schwierig zu fahren? Können andere das Problem nicht erklären? Kann der Fahrer mit einem Setup umgehen, mit dem andere gar nicht umgehen können? Liegt es an den unterschiedlichen Fahrstilen? Kann sich Marco Wittmann besser an die Gegebenheiten anpassen? Das sind Fragen, die muss man sich stellen. Und Antworten finden.

Die Kunst in der DTM ist es, diese Probleme in der laufenden Saison zu erkennen und auszubessern, denn Weiterentwicklungen sind nur in engen Grenzen möglich, Testfahrten gibt es während der Saison keine. Das Rennwochenende wiederum bietet nur zwei Trainingssessions, also extrem wenig Zeit, um zu experimentieren. Hast du da den falschen Weg gewählt, war es das fast schon. Heißt: Es ist super schwierig, eine Antwort zu finden. 

"Was sollen wir machen? Mehr geht einfach nicht"

Eine schlechte Stimmung nehme ich bei BMW nicht wahr, es ist eher ein Schulterzucken: "Was sollen wir machen? Mehr geht einfach nicht." Da kommt man als Team und Fahrer schnell in ein Frust-Fahrwasser. Da muss man aufpassen, dass niemand resigniert. Alle müssen weiterhin versuchen, das Maximale herauszuholen. Denn jeder Meter, jede Erfahrung jetzt ist wichtig für den Winter und für die neue Saison.

Marco Wittmann kann einem fast schon leid tun. Denn das muss man so sagen: Für BMW ist der Titelkampf verloren, wenn nicht am Nürburgring doch noch ein Wunder passiert. Der Meister wird wohl beim Finale in Hockenheim gekürt, es werden René Rast und Nico Müller den Titel unter sich ausmachen.

In diesem Sinne: Euch viel Spaß auf dem Nürburgring oder bei ran racing in SAT.1.

Euer Timo Scheider

Timo Scheider fuhr von 2000 bis 2016 für Opel und Audi 181 Rennen in der DTM, von denen er sieben gewann, dazu holte er 24 Podestplätze. 2008 und 2009 gewann er den Titel. Seit 2018 ist er ranDTM-Experte.

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