Laurens Vanthoor bereitete am Sonntag lange ein Manöver gegen Sheldon van de... - Bildquelle: Motorsport ImagesLaurens Vanthoor bereitete am Sonntag lange ein Manöver gegen Sheldon van der Linde vor © Motorsport Images

"Ganz ehrlich? Ich bin ihm kurz hinten drauf gefahren. Sorry, aber das war die einzige Möglichkeit, an ihm vorbeizukommen." Laurens Vanthoor verzweifelte im Sonntags-Rennen der DTM in Portimao regelrecht hinter Sheldon van der Linde.

Im Zweikampf um P7 versuchte es SSR-Porsche-Pilot Vanthoor auf jede nur erdenkliche Weise, einen Weg am Schubert-BMW mit der #31 vorbeizufinden. Nach dem Kontakt war schließlich der Weg frei - in Runde 25 überholte Vanthoor van der Linde in Kurve 1.

Dass es so lange dauerte, hängt auch mit den verschiedenen Fahrzeug-Konzepten zusammen: Bei BMW spielt im GT3-Rennsport der Topspeed traditionell die größte Rolle. Das war schon die größte Stärke des M6 GT3, und auch der Nachfolger M4 GT3 ist so konzipiert, dass er seine Zeit vor allem auf den Geraden herausholt.

"Selbst wenn man aus den Kurven heraus viel aufgeholt hat, ist er einem jedes Mal einfach weggefahren. Wir waren zwar besser auf der Bremse, aber jetzt nicht so viel besser. Das mussten wir mit der Brechstange versuchen", beteuert Vanthoor daher. Und schiebt gleich nach: Für van der Linde wäre das Manöver auch okay gewesen.

Porsche verliert rund elf km/h auf BMW

"Ich habe zu ihm gesagt: 'Sorry, aber ohne dich leicht zu berühren, wäre ich niemals im Leben vorbeigekommen.' Da hat er auch nur gelacht", erzählt der Porsche-Werksfahrer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' weiter. "Das ist schon sehr frustrierend, wenn man hinterher fährt und man kann nix tun."

Der Porsche 911 GT3 R ist aufgrund seines Boxermotors auf den Geraden im Nachteil. In Zahlen ausgedrückt: van der Linde kam im Sonntags-Rennen auf einen Bestwert von 272,0 km/h und führte damit die Topspeed-Liste an, während Vanthoor als schnellster Porsche-Fahrer auf Portimaos Start-Ziel-Geraden mit 261,5 km/h geblitzt wurde.

"Wir sind halt bei der Motorleistung nicht die stärksten, deshalb wird es schwierig, erstens im Rennen zu kämpfen, und zweitens holen wir uns die Rundenzeit über Grip", erklärt Vanthoor. Daher ist es für Porsche noch wichtiger, als für die Konkurrenz, die in der DTM zum Einsatz kommenden Michelin-Reifen möglichst optimal zu nutzen.

Laurens Vanthoor: Lernen jedes Mal dazu

"Reifenabbau tut uns mehr weh", sagt Vanthoor daher. Denn der 911er lebt vom mechanischen Grip, den der Reifen liefert. Doch es wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis die Zuffenhausener die für sie noch relativ unbekannten Reifen im GT3-Rennsport richtig verstanden haben. "Der Reifen ist sicher nicht einfach", meint Vanthoor.

"Wir haben schon ein paar Testtage hinter uns und haben da noch ein paar Fragezeichen. Aber wir sind nah dran. Man muss gucken, wo wir das optimieren können." Daher möchte der Belgier auch nicht über eine möglicherweise falsche BoP-Einstufung jammern.

"Solange wir nicht alles zu 1.000 Prozent richtig machen, brauchen wir nicht über andere Dinge zu meckern", winkt Vanthoor ab. "Im Endeffekt sind wir neu in der DTM und lernen jedes Mal dazu, wenn wir auf die Strecke gehen. Wir verbessern uns stark."

Genau diese starken Verbesserungen sollten das Porsche-Lager für die weitere Saison optimistisch stimmen. Zumal Vanthoors Teamkollege Dennis Olsen schon im ersten Rennen in die Top 5 kam und der Belgier selbst in beiden Rennen Punkte sammelte. Vanthoor kündigt an: "Ich erwarte, dass wir in ein paar Wochenenden um den Sieg kämpfen."