Sheldon van der Linde bejubelt den DTM-Sieg auf dem Lausitzring - Bildquelle: DTMSheldon van der Linde bejubelt den DTM-Sieg auf dem Lausitzring © DTM

Auf den ersten Blick sah der Sieg von Schubert-BMW-Pilot Sheldon van der Linde beim dritten Rennen der DTM-Saison 2022 auf dem Lausitzring am Samstag souverän und ungefährdet aus. Doch im Cockpit geriet der Südafrikaner auf dem Weg zu seinem zweiten DTM-Triumph unbeobachtet von den TV-Kameras kurz vor dem Rennende einmal kurz ins Schwitzen.

"Drei Runde vor dem Ende hatte ich einen kleinen Schreckmoment. Ich glaube es war in Kurve 5, da wäre ich fast ins Kiesbett geflogen", verrät van der Linde nach dem Rennen. "Da konnte ich mich retten."

Und so stand wenige Minuten später ein historischer Triumph fest. Es war nicht nur der erste DTM-Sieg für den neuen BMW M4 GT3, sondern auch der erste für das Team Schubert Motorsport. Für die Mannschaft aus Oschersleben war es die Krönung eines perfekten Tags, denn rund 30 Minuten vorher hatte sie mit Niklas Krütten und Ben Green auch das erste Rennen des ADAC GT-Masters auf dem Red-Bull-Ring gewonnen.

Die offene Rechnung mit dem Lausitzring

Doch zurück in die Lausitz und zu van der Linde, der seinen Sieg ausgelassen feierte. "Es fühlt sich fast noch besser an als mein erster Sieg in Assen vor zwei Jahren, als ich von weit hinten gewonnen habe", sagt der Südafrikaner mit Blick auf seinen Premierensieg in der DTM, bei dem er 2020 in den Niederlanden von Position 14 gestartet war.

Besonders emotional war der heutige Sieg für van der Linde auch, weil er damit die Serie von Misserfolgen aus der vergangenen Saison vergessen machte. "Was diesen Sieg so besonders macht ist die Tatsache, dass wir nach all den Problemen im vergangenen Jahr, als wir ein paar Mal am Podium dran waren, dann aber immer ein Reifenschaden oder sonst was passiert ist, heute endlich ein gutes Qualifying und Rennen hatten. Das ist ein tolles Gefühl."

Mit dem Sieg auf dem Lausitzring beglich van der Linde auch eine offene Rechnung mit der Rennstrecke. "Auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr waren wir hier wie bei so ziemlich jedem Rennen nah dran, haben es aber nicht ins Ziel gebracht." Nach dem Start von der Poleposition war van der Linde damals nach Reifenproblemen nur auf Rang neun ins Ziel gekommen.

Kein Gedanke an die Probleme der BMW-Kollegen

"Deshalb war ich heute vor dem Rennen etwas nervöser als sonst", gibt der Rennsieger zu. "Ich wusste, dass wir vergangenes Jahr auf der Pole gestanden und es dann nicht nach Hause gebracht hatten. Das hat mich etwas mehr unter Druck gesetzt, es auf das Podium zu schaffen. Und das haben wir geschafft."

Die Grundlage dafür war nach Position zwei im Qualifying ein Raketenstart, mit dem er an Polesetter Lucas Auer (Winward-Mercedes) vorbeizog." Ich weiß nicht, ob er geschlafen hat", lacht van der Linde. "Spaß beiseite, es war ein guter, sauberer Start, und das war heute der Schlüssel zum Erfolg." Das, und die gute Beschleunigung des BMW M4 GT3.

Allerdings hielt van der Linde am Samstag als Einziger die Fahnen des Münchener Herstellers hoch. Mit Teamkollege Philipp Eng und Walkenhorst-Pilot Marco Wittmann mussten zwei BMW-Fahrer ihre Autos aufgrund technischer Probleme vorzeitig abstellen. Daran dachte van der Linde während des Rennens aber nicht, denn er war damit beschäftigt, seine Verfolger Luca Stolz (HRT-Mercedes) und Auer auf Distanz zu halten.

Kurzer Regenschauer hat keine Folgen

"Und dann hat man keine Kapazitäten, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren", sagt er. "Ich habe nur gehofft, dass es kein Safety-Car gibt, denn ich hatte einen ordentlichen Vorsprung. Durch ein Safety-Car hätte sich alles wieder zusammengeschoben, und das ist das Letzte, was man als Führender haben will."

Gleiches galt für den kurzen Regenschauer gegen Rennmitte. "Das war ein weiterer Faktor, von dem ich nicht wollte, dass er ins Spiel kommt. Wenn man in Führung liegt, ist man der Erste, der ins Nasse kommt. Und das macht es noch schwieriger, wenn dir Leute wie Luca und Luki folgen, weil sie dann eine Referenz haben", sagt van der Linde. "Wenn es mehr geregnet hätte, wäre es für mich schwieriger geworden die Führung zu behalten."

Eine Einschätzung, die auch Verfolger Stolz bestätigte. "Sheldon ist als Erster zu Turn 1 gekommen, und es ist nicht einfach dort mit 250 zu fahren, wenn man Regentropfen auf der Scheibe hat."