Lehrer und Schüler: Mattias Ekström (re.) mit Andrea Dovizioso. - Bildquelle: Audi Communications Motorsport Lehrer und Schüler: Mattias Ekström (re.) mit Andrea Dovizioso. © Audi Communications Motorsport

München – Mattias Ekström schnappt sich das Papier, das aus dem Drucker kommt. Ein prüfender Blick, um die Daten zu vergleichen, dann ein kurzes Gespräch, Gelächter. Der Schwede gestikuliert grinsend, wird dann ernst, erklärt. 

Andrea Dovizioso hört interessiert zu, saugt bei den Testfahrten vor seinem DTM-Gaststart in Misano am kommenden Wochenende (7. - 9. Juni live in SAT.1 und im Livestream auf ran.de) alles auf, was Ekström ihm beibringt. Der Schwede wird auch dann dabei sein, wenn es bei den Saisonrennens fünf und sechs für den MotoGP-Superstar ernst wird.

Passende Personalie

Es gibt so Personalien, die passen. Ekström passt wie die Faust aufs Auge: Der 40-Jährige ist Doviziosos Coach bei dessen DTM-Debüt. Und im Grunde die beste Wahl. 

Ein alter Hase, zweimaliger Meister, mit allen Wassern gewaschen und einer Erfahrung aus 17 Jahren DTM und 193 Rennen. Einer, dem man nichts mehr vormacht. Ein hervorragender Entwicklungsfahrer, wofür man ein gewisses Gespür, ein gutes Gefühl für das Auto braucht. 

Ekström muss Dovizioso die Tourenwagen-Welt so einfach und effektiv wie möglich rüberbringen, immer wieder in Details gehen, helfen, unterstützen. Der bisweilen schelmische Humor des Schweden hilft, die Anspannung bei Dovizioso aufzulockern.

Hinzu kommt: Ende 2013 gründete er sein eigenes Team, trat mit "EKS" in der Rallycross-WM an, wurde drei Jahre später Weltmeister, EKS gewann den Teamtitel. Er hat seitdem bewiesen, dass er eine Mannschaft aufbauen und führen, Vorbild sein kann. 

"Bestens funktioniert" 

"Aus meiner Sicht hat die Zusammenarbeit zwischen uns beiden bestens funktioniert. Anders hatte ich es auch nicht erwartet, bei jemandem wie Mattias. Die Unterstützung, die ich bekommen habe, war einfach überwältigend. Wir haben die Zeit, die uns zum Testen zur Verfügung stand, perfekt genutzt", sagte Dovizioso. 

Und Ekström meinte: "Er ist ein extrem guter Schüler, hört gut zu und lernt schnell, ist dazu extrem ehrgeizig. Dadurch ist es relativ einfach. Je mehr man ihm gibt, desto mehr setzt er um, weshalb die Schritte deutlich zu erkennen sind."

Als Coach musste sich Ekström auch selbst in den Audi RS 5 DTM setzen. Zehn Runden waren nur erlaubt, aber es waren die ersten für ihn mit den Turbo-Boliden mit über 600 PS. 

Denn er hatte seine DTM-Karriere ja nach der Vizemeisterschaft 2017 beendet, zugunsten der Rallycross-WM, auf die er sich anschließend konzentrierte.

Ein klassischer Fall von verzockt: Audi beendete ein Jahr später die Unterstützung für Ekströms EKS. Er hatte sich mit einem eigenen Gaststart im Mai 2018 noch von den DTM-Fans verabschiedet. Seit Ende 2018 ist es recht ruhig um den Schweden geworden. 

Warum eigentlich? Schließlich wollte er zurück in die DTM. Nach der Saison 2018 gab es auch Gespräche mit Audio über ein Comeback. Das Problem: es war kein Platz frei, die Cockpits vergeben. 

Ekström hätte die Chance ergriffen, aber nicht mehr mit der Brechstange. Bei einem freien Cockpit ja, aber nicht bei besetzten Plätzen. 

"Er kann sehr viel mitgeben"

Er bereitet im Moment die "zweite Halbzeit" seiner Karriere vor, wie er selbst sagt, verraten will er die Pläne noch nicht. Mit seinem EKS-Team ist er in der WM noch am Start, allerdings nur noch in einem Vorjahresauto und kleinerem Budget. Ekström ist weiter Teamchef, außerdem als Gaststarter vereinzelt selbst im Auto. Für Audi ist er zudem Marken-Botschafter und macht Dinge wie das Coaching. "Da ist er begeistert, das zündet ihn an und er kann seinen Beitrag leisten", so Audis Motorsportchef Dieter Gass. 

Was zeichnet ihn aus? "Er kann sehr viel mitgeben. Er denkt immer einen Schritt weiter. Das ist in so einer Funktion sehr wichtig, denn er muss sich in den Fahrer hineinversetzen können, was er für Probleme hat und was er wissen muss."

Es gibt so Personalien, die passen.

Andreas Reiners

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