Dank der AF-Corse-Choreographie perfektionierte HRT-Mercedes die Stopps. - Bildquelle: Motorsport ImagesDank der AF-Corse-Choreographie perfektionierte HRT-Mercedes die Stopps. © Motorsport Images

München - Die DTM-Boxenstopps sorgen für heftige Diskussionen: Während sich das Abt-Team hinter den Kulissen für ein Verbot der von AF Corse entwickelten Boxenstopp-Choreographie einsetzt, gibt es Widerstand aus den Reihen von Mercedes und Ferrari. Neben der Ferrari-Truppe setzen seit dem Lausitzring-Wochenende auch die Mercedes-AMG-Teams auf den Ablauf, bei dem nicht jedes Rad auf einmal komplett gewechselt wird.

"Warum sollten wir das verbannen?", fragt sich Lausitzring-Sieger Maximilian Götz auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Motorsport ist manchmal ein Kopiersport. Das Team von Liam hat in Monza eine großartige Leistung gezeigt und fast alle Teams haben das danach kopiert. Ich sehe keinen Grund dafür, das zu verbannen."

"Ist nicht unsere Schuld, dass wir das machen können"

Beim nächsten Rennen komme "vielleicht ein anderes Team auf eine neue Idee, wie man die Stopps durchführt", so Götz. "Wir sollten das beibehalten, weil es ein schöner Kampf ist, dass jedes Team die besten Stopps abliefern will. Wir haben das in den vergangenen zwei Wochen analysiert: Es ist einfach der cleverste Weg, die Boxenstopps so zu machen."

Was der GT3-Routinier dabei aber außer Acht lässt: Während die Mercedes-AMG-Teams in der Lausitz die AF-Corse-Choreographie übernommen haben, sind mit Abt, Rosberg, Rowe, Walkenhorst und T3 fünf von elf Teams gar nicht in der Lage, das zu tun. Das liegt daran, dass die Radmuttern beim Ferrari und beim Mercedes-AMG im Gegensatz zu den Autos von Audi, Lamborghini und BMW über einen Sicherheitsring direkt mit der Felge verbunden sind.

Dadurch steckt die Mutter nach dem Abschrauben des ersten Rades nicht im Schlagschrauber, wodurch der Mechaniker sofort zum zweiten Rad weitergehen und die nächste Mutter öffnen kann, anstatt jedes Rad einzeln zu wechseln, was mehr Zeit kostet. "Vielleicht sollten sie Radmuttern designen, die auf dem Rad bleiben", sagt AF-Corse-Ferrari-Pilot Liam Lawson. Doch das ist wegen der GT3-Homologation nicht möglich.

Dennoch wehrt sich der Red-Bull-Junior, dessen Sieg in Monza auch auf den raschen Boxenstopp zurückzuführen war, gegen eine Regeländerung. "Es ist nicht unsere Schuld, dass wir das machen können", sagt er. "Wir haben damit in Monza begonnen - und das hat sich bei uns zu einer wirklichen Stärke entwickelt. Die anderen Teams machen uns das jetzt nach, weshalb sie ähnliche Boxenstopp-Zeiten haben."

"Andere Teams werden aufholen"

Tatsächlich beeindruckte die Mercedes-AMG-Truppe von Hubert Haupt am Sonntag bei Sieger Götz mit einer Boxendurchfahrts-Zeit von 35,799 Sekunden, was um 1,257 Sekunden schneller war als bei der Walkenhorst-Truppe, die den schnellsten Stopp nach dem herkömmlichen Ablauf vollbrachte.

"Im Motorsport geht es immer um Kleinigkeiten, aus denen man das Maximum herausholen muss", sagt Lawson. "Und mit so Kleinigkeiten wie bei den Boxenstopps kann man abseits der Strecke noch etwas mehr herausholen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir das in Monza so durchziehen konnten. Das war eine unserer Stärken, aber die anderen Teams werden aufholen. Ich finde nicht, dass man etwas ändern sollte."

Im Audi-Lager sieht man das definitiv anders. Nach Mike Rockenfeller hinterfragt auch sein Abt-Teamkollege Kelvin van der Linde, ob unter den aktuellen Gegebenheiten Chancengleichheit überhaupt möglich ist.

Audi-Piloten fordern Änderung

"Ferrari und Mercedes sind in der Lage, das zu tun, aber bei anderen ist das nicht möglich. Deswegen ist es hart für uns, weil wir zwei Sekunden pro Stopp verlieren", sagt der DTM-Leader. "Gerade wenn alles so eng beisammen liegt, kämpft man um jede Sekunde. Das ist Rennsport. Die Organisatoren müssen das lösen."

 

Und auch Rosberg-Audi-Pilot Nico Müller forderte schon am Freitag Konsequenzen. "Zweieinhalb Sekunden Unterschied beim Boxenstopp sind schon ein signifikanter Unterschied", sagt auch der DTM-Vizemeister. "Das bedeutet, dass man jede Rennrunde fast eine Zehntelsekunde schneller fahren muss, um das wettzumachen."

Man müsse der AF-Corse-Truppe für ihre clevere Choreographie und auch die perfekte Umsetzung Beifall leisten, "aber wenn es einen technischen Vorteil gibt, der unterschiedliche Choreographien ermöglicht, dann muss das untersucht werden. Und man muss schauen, dass das Delta da nicht zu groß wird", so Müller.

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