BMW-Motorsportdirektor Marquardt fürchtete um den Kundensport. - Bildquelle: BMW AGBMW-Motorsportdirektor Marquardt fürchtete um den Kundensport. © BMW AG

München - DTM-Boss Gerhard Berger hat es geschafft, dass Audi und BMW ihm beim Rückzug aus der Dachorganisation ITR eine finanzielle Basis hinterlassen, damit er sein GT3-basiertes DTM-Konzept für die Zukunft umsetzen kann. Das ursprünglich GT-Plus bezeichnete Reglement wurde nun umbenannt. "GT-Pro nennen wir es", stellte Berger bei der Bekanntgabe klar.

Bei Audi waren am Ende nur noch rechtliche Dinge der Grund, warum sich die Lösung verzögerte. Doch BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt hatte sich lange skeptisch gezeigt, weil man fürchtete, dass das neue DTM-Format das Kundensport-Modell in Gefahr bringe.

Warum BMW seine Meinung änderte

Das klingt jetzt anders. "Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass eine Racing-Plattform nirgends besser aufgehoben sein kann als in Gerhards Händen", streut Marquardt Berger Rosen. "Wenn es jemand hinkriegt, dann er!"

Was hat also schließlich bei den Münchnern zum Umschwung geführt? "Wir haben immer gesagt, dass wir sicherstellen wollen, dass unsere Kundensport- und Privatteams dadurch nicht unter Druck geraten", stellt Marquardt klar.

"Das wird bei der Lösung, die wir jetzt gefunden haben, respektiert. Und sie bietet diesen Teams eine weitere Plattform. Es handelt sich also nicht mehr um eine Hersteller-Sache, sondern um eine Plattform für Privatteams und für den Kundensport. Das war uns wichtig."

Tatsächlich hatte Berger noch im Juni im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' gemeint, die DTM habe ein grundlegend anderes Konzept als das GT-Masters. "Das Ganze wird getragen von Herstellern, die wirklich wöchentlich technische Weiterentwicklungen einbringen und somit den vielen Fans einen direkten sportlichen sowie technischen Wettbewerb bieten können."

Marquardt: BMW-Teams sehr interessiert

Davon ist man nun weit entfernt. Und Marquardt hat laut eigenen Angaben auch positive Rückmeldungen von seinen Teams bekommen. "Ich kann schon mal für unsere Teams sprechen, dass sie sehr interessiert an dieser Sache waren", bestätigt der BMW-Motorsportdirektor.

"Es war mir wichtig, dass unsere Teams interessiert sind, dass unsere Kundensportabteilung bei BMW interessiert ist. Und dass nicht die Hersteller die Show machen. Das ist uns gelungen." Doch auch für BMW könnte die neue, auf GT3-Autos basierende DTM ein fruchtbarer Boden sein, glaubt Marquardt.

BMW sieht Chance, neuen M4 GT3 zu verkaufen

Denn die Münchner wollen nach dem Ladenhüter M6 GT3, dessen Einsatzkosten unter anderem wegen des komplexen V8-Biturbomotors höher waren, mit dem neuen M4 GT3 einen Erfolg landen. Auch wenn das Auto erst im Laufe des nächsten Jahres eine FIA-Homologation erhält, wodurch hinter dem DTM-Einsatz 2021 ein großes Fragezeichen steht.

"Der M6 war recht erfolgreich, aber ich hätte mir bei den Verkäufen mehr Breite und mehr Teams gewünscht", gibt Marquardt zu, dass er nicht ganz zufrieden ist. "Ich hoffe, dass wir das mit dem neuen Auto erreichen können. Und da ist es natürlich eine gute Sache, wenn es mehr Plattformen gibt, auf denen das Auto eingesetzt werden kann."

Für Teams wie Schubert, das im GT-Masters aktiv ist, oder die NLS-Teams Rowe und Walkenhorst sei eine zusätzliche Plattform gut. "Und ich hoffe auf einige neue Teams, die den BMW dort einsetzen werden", sagt Marquardt.

Wie viel Unterstützung kommt von den Herstellern?

Aber welche Unterstützung erhalten die Teams von BMW, wenn sie in der neuen GT3-DTM antreten? "Wir planen, vom neuen M4 GT3 so viele Autos wie möglich zu verkaufen", so der BMW-Motorsportdirektor. "Daher ist klar, dass wir den Teams die technische und jegliche andere Unterstützung geben, die sie brauchen, ohne dort als Hersteller aufzutreten."

 

Dass Berger in der Lage sein wird, genügend Boliden für seine Meisterschaft zu finden, steht für Marquardt außer Zweifel. "Es gibt zwölf oder 13 Hersteller, die GT-Autos haben. Und wenn man zwei, drei Autos von jedem Hersteller nimmt, dann hat man überall ein sehr gutes Feld", sagt er.

So geht es jetzt weiter

Obwohl Berger bei der Pressekonferenz meinte, dass Audi und BMW ihre Teams unterstützen würden, stellt auch Audi-Sportchef Dieter Gass klar, dass man sich sehr im Hintergrund halten werde: "Das ist weit weg von einem Werks-Support. Es ist viel mehr wie das, was wir heute im Kundensport erleben, wenn es Unterstützung von einem Hersteller gibt."

Auch er sei erleichtert, dass nun endlich eine Lösung gefunden wurde, "aber jetzt fängt die eigentliche Arbeit für alle erst an", meint er. Was in den kommenden Wochen auf dem Programm stehe? "Wir werden jetzt beginnen, mit den Teams zu sprechen", sagt er.

"Die Teams müssen jetzt damit beginnen, sich zu organisieren. Sie müssen schauen, wie sie eine Teilnahme an dieser neuen DTM finanzieren können. Und wir müssen schauen, wie wir sie unterstützen können, damit Autos an den Start gebracht werden."

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