Nico Müller sieht sich durch das Safety-Car um seine Chancen gebracht. - Bildquelle: ITRNico Müller sieht sich durch das Safety-Car um seine Chancen gebracht. © ITR

Zolder - Frust und Ärger bei Nico Müller nach dem enttäuschenden neunten Platz beim Sonntagsrennen der DTM in Zolder: Der DTM-Leader hält die Entscheidung der Rennleitung für "nicht akzeptabel", dass nach dem Crash von Abt-Audi-Teamkollege Robin Frijns in der zwölften Runde am Ende der Boxengasse keine Slow-Zone ausgerufen wurde, sondern eine Runde später das Safety-Car auf die Strecke geschickt wurde.

Denn da in der DTM Reifenwechsel während der Safety-Car-Phase nicht als Pflichtstopps zählen und der spätere Sieger und Titelrivale Rene Rast diesen bereits absolviert hatte, war das Rennen des Schweizers zerstört.

"Mit solchen Entscheidungen wird Meisterschaft beeinflusst"

"Es gibt eine ungeschriebene Regel, dass bei einem Safety-Car-Risiko alle Fahrer im Feld die Chance bekommen, an die Box zu kommen, damit es fair bleibt und niemand einen großen Vorteil hat", holt Müller aus und verweist auf Loic Duvals Crash beim Samstagsrennen auf der Nürburgring-Sprintstrecke.

"Damals hat der Rennleiter so lange gewartet, bis jeder zumindest einmal an der Box vorbeigefahren ist und die Chance hatte, den Pflichtboxenstopp vor dem Safety-Car abzuleisten. Aber heute war das nicht der Fall. Ich war in Sektor zwei unterwegs, als mein Team mir sagte, ich solle an die Box zu kommen. Das Safety-Car wurde aber vorher auf die Strecke geschickt."

Das kann Müller nicht nachvollziehen: "Für mich ist das unverständlich, dass zwei identische Situationen ganz anders behandelt werden. Mit solchen Entscheidungen wird die Meisterschaft beeinflusst."

Warum Müller nicht an die Box kam

Das sei für ihn "in dieser Phase der Saison nicht akzeptabel. Ich muss leider akzeptieren, dass uns heute mindestens 13 Punkte geklaut wurden und wir sie nicht zurückbekommen werden." Sich selbst habe er nichts vorzuwerfen. "Ich habe Robins Auto da stehen sehen, aber es gab keine gelbe Flaggen, als ich das erste Mal dort vorbeifuhr", schildert er die Situation.

"Er stand an einer sicheren Stelle, da gab es nichts, worüber wir uns hätten Sorgen machen müssen. Ich bin noch eine weitere Runde gefahren. Als ich dann die gelben Flaggen gesehen habe, habe ich sofort mein Team angefunkt und gesagt, dass ich an die Box kommen werde, um dem Safety-Car zuvorzukommen." Doch da war es bereits zu spät.

Warum die Rennleitung keine Slow-Zone ausrief

Aber wieso hat Rennleiter Stoppe tatsächlich nicht gleich reagiert wie beim Samstagsrennen auf der Nürburgring-Sprintstrecke vor nicht ganz einem Monat, als er nach Duvals Crash in der Kurzanbindung wartete, ehe alle Boliden ihren Pflichtstopp absolviert hatten?

Zudem sei das Auto im Bereich des Boxenausgangs gestanden. "Es war daher nicht klar, ob am Boxenausgang gearbeitet werden muss. Also war es das Ziel, die Boxengasse zu schließen. Das ist mit einem Safety-Car am einfachsten."

Müller nach Gespräch mit Rennleitung "nicht schlauer"

Doch Müller, der sich laut eigenen Angaben nach den Rennen mit Rennleiter Stoppe unterhalten habe, reicht diese Erklärung nicht aus. "Ich bin nach dem kurzen Meeting nicht schlauer geworden, wenn ich es so sagen darf", meint der Abt-Audi-Pilot, der am Nürburgring im Gegensatz zu seinen Rivalen Frijns und Rast bereits an der Box gewesen war, aber davon nicht profitiert hatte.

"Ich habe gesagt, dass ich enttäuscht bin, dass zwei identische Situationen anders gelöst wurden. Das war damals richtig, versteht mich nicht falsch. Es war die richtige Entscheidung, er wollte das Rennen fair halten. Der schnellste Fahrer sollte gewinnen. Ich hätte heute sicher nicht gewonnen, wenn er gewartet hätte, aber ich wäre mit unserer Pace zumindest auf Platz drei gelandet."

Doch in Zolder habe ihn die Entscheidung besonders hart getroffen, weil man bei einem Boxenstopp durch die lange Boxengasse 50 Sekunden verliere. Zudem hätten die Piloten, die zum Zeitpunkt der Neutralisierung des Rennens bereits an der Box waren, nicht auf ein Safety-Car-Phase spekuliert.

Müller gibt zu: "War nach dem Rennen etwas hitzig"

"Sie haben sich einfach dazu entschieden, ein bis zwei Runden früher an die Box zu kommen. Genau in diesem Fenster hat er das Safety-Car auf die Strecke geschickt, obwohl einige noch nicht beim Service waren. Das ist für mich total unverständlich."

Wie Stoppe auf Müllers Ausführungen reagiert habe? "Jetzt teilt er meine Meinung noch nicht, vielleicht wird er das noch später tun, das weiß ich nicht. Ich war nach dem Rennen etwas hitzig, wie ihr vielleicht verstehen könnt. Ich habe nicht so viel Energie da reingesteckt, die ganze Situation komplett zu erklären. Ich wollte nur, dass er weiß, dass ich das völlig unakzeptabel fand."

Die Entscheidung könnte für Müller weitreichende Folgen haben: Während er vor dem Rennen in der Meisterschaft auf Rast noch 33 Punkte Vorsprung hatte, sind es nun vier Läufe vor Schluss nur noch zehn Zähler. Und der Rosberg-Audi-Pilot kommt in Zolder, wo in einer Woche erneut zwei Rennen stattfinden, besonders gut zurecht, wie er mit seinen zwei Siegen unter Beweis gestellt hat.

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