Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport trennt sich nach nur einem DTM-Jahr v... - Bildquelle: LATAston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport trennt sich nach nur einem DTM-Jahr von Antriebspartner und Einsatzteam HWA © LAT

München - Die Trennung zwischen DTM-Neuling Aston Martin und Antriebspartner und Einsatzteam HWA ist beschlossene Sache. Das hat Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport in einer Pressemitteilung offiziell bekanntgegeben. Gerüchte halten sich schon seit einigen Wochen, am Montag fiel aber laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' die endgültige Entscheidung, dass die beiden Partner nach nur einer gemeinsamen Saison in der DTM getrennte Wege gehen werden.

"Bedauerlicherweise haben wir für die weitere Zusammenarbeit mit der HWA AG keinen Konsens hinsichtlich der Durchführung unseres DTM-Engagements finden können, sodass uns in letzter Konsequenz nur eine Beendigung der gemeinsamen DTM-Teilnahme mit HWA mit dem Fokus in die Zukunft bleibt", erklärt Teamchef Florian Kamelger.

Bekanntgabe der neuen Partner "in absehbarer Zukunft"

"Wir planen aber unser DTM-Engagement auch nach dem Ende unserer Zusammenarbeit mit HWA fortzusetzen und werden uns dafür unter anderen Vorzeichen in Abstimmung mit Aston Martin 2020 neu orientieren."

Wie diese Neuorientierung genau aussehen wird, werde das Team "in absehbarer Zukunft bekanntgeben". Als mögliche Motorenpartner werden Honda und BMW gehandelt, den Einsatz soll ein Team aus Großbritannien durchführen.

Aber wie kam es eigentlich zur Trennung? HWA hatte R-Motorsport im Vorfeld ein Angebot für eine Verlängerung des Einjahresvertrags gemacht, dieses wurde aber von Teamchef Kamelger und seinem Partner Andreas Baenziger nicht angenommen.

Warum HWA gegen Audi und BMW im Nachteil war

Ein Problem sind die hohen Kosten, wie bereits HWA-Vorstand Ulrich Fritz im Interview mit 'Motorsport-Total.com' klarstellte: "Man muss sich in einem Wettbewerb mit Werksteams wie Audi und BMW gut überlegen, ob man die Ressourcen zur Verfügung hat oder bereitstellen will, um dort wirklich vorne mitzukämpfen."

Damit spielt Fritz auf die schwierige finanzielle Ausgangssituation im Kampf gegen die Werke an: Durch die zahlreichen Motorschäden und Defekte, die in der Debütsaison vom neuen Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor ausgelöst wurden, waren die Kosten dieses Jahr höher als erwartet, was bei R-Motorsport auf wenig Begeisterung stieß.

Dazu kommt, dass die Weiterentwicklung des Triebwerks und eventuelle Nachbesserungen, wie sie bereits während der Saison Thema waren, weitere Gelder verschlungen hätten. Deswegen sah R-Motorsport laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' auch davon ab, eine Nach-Homologation des HWA-Motors zu beantragen.

Wichtiger Hintergrund: Obwohl die Weiterentwicklung der Triebwerke eigentlich eingefroren ist, arbeiten Audi und BMW hinter den Kulissen weiter daran, ausgemachte Schwachstellen zu beseitigen - um gerüstet zu sein, wenn dann im Winter über mögliche Nachbesserungen unter dem Vorwand der Zuverlässigkeit diskutiert wird.

Kapitalerhöhung durch Aufrecht?

Denn wenn es gelingt, ein Performance-Thema als Haltbarkeitsthema zu präsentieren, könnte man sich so einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten. HWA hat allerdings im Gegensatz zu Audi und BMW keinen Konzern im Hintergrund, der die Entwicklung bezahlt. Selbst wenn es zu Nachbesserungen kommt, hätte man also einen schweren Stand.

Um den enormen Aufwand zu stemmen, musste HWA-Boss Hans Werner Aufrecht, wie 'Motorsport-Total.com' von mehreren Quellen erfahren hat, selbst die Löcher stopfen. Ein weiterer Hinweis: Bei der Vynamic GmbH, dem gemeinsamen Joint-Venture von HWA und R-Motorsport, das unter anderem für den DTM-Einsatz zuständig ist, gab es am 30. April 2019 eine Erhöhung des Stammkapitals von vier Millionen auf 8,1 Millionen Euro.

Wie HWA-Vorstand Fritz im Interview ankündigte, wirkt sich die Trennung nicht auf alle Bereiche aus. "Bei welchen Projekten die AF Racing AG (Dachfirma von R-Motorsport; Anm. d. Red.) und die HWA AG auch weiterhin zusammenarbeiten, wird derzeit verhandelt", gab der Hersteller aus Affalterbach bekannt, was auf eine Fortführung des Joint-Ventures Vynamic hindeutet.

Ära Aufrecht in der DTM voraussichtlich zu Ende

Mit dem Ende der DTM-Partnerschaft geht aber voraussichtlich eine Ära zu Ende, schließlich war Aufrecht von 1986 bis 2017 Chef der DTM-Dachorganisation ITR und spielte auch nach seiner Ablösung durch Gerhard Berger in der DTM als HWA-Chef eine tragende Rolle. Das Unternehmen aus Affalterbach war bis Ende 2018 für den Mercedes-Einsatz verantwortlich und bescherte den Stuttgartern im Abschiedsjahr Titel in allen drei Meisterschaften.
Nach dem Mercedes-Ausstieg nutzte man die Gelegenheit, dass Neueinsteiger Aston Martin einen erfahrenen Partner sucht, und entwickelte den neuen Vantage samt Turbomotor für Lizenznehmer R-Motorsport in Rekordzeit - und fungierte auch als Einsatzteam. Wenn HWA nach der Trennung nicht in anderer Funktion in die DTM zurückkehrt, ist die Ära Aufrecht nun endgültig vorbei.

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