Wer hätte das gedacht? Thomas Preining schenkte Porsche den ersten DTM-Sieg - Bildquelle: DTMWer hätte das gedacht? Thomas Preining schenkte Porsche den ersten DTM-Sieg © DTM

Vor der DTM-Saison hatte kaum jemand den 23-jährigen Österreicher Thomas Preining auf der Rechnung, doch am Norisring sorgte der Bernhard-Pilot für den ersten Porsche-Sieg in der DTM-Geschichte. Aber woran liegt es, dass die Entdeckung selbst verdienten Werksfahrerkollegen wie Laurens Vanthoor im SSR-Porsche die Show stiehlt?

"Die DTM ist für Thommy genau die richtige Meisterschaft - auch vom Charakter her", ist Porsches GT3-Projektleiter Sebastian Golz im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' überzeugt. Damit spielt er darauf an, dass sich Preining stärker präsentiert, wenn er sich wie in der DTM nicht auf Teampartner einstellen muss.

"Bei Langstreckenrennen ist Thommy immer schnell und er kann auch alles, aber wenn ich auf ihn ein Auto zuschneide, dann performt er extrem gut", so Golz. Wenn man dem Linzer hingegen ein Auto gäbe, "bei dem er sich mehr an andere Belange anpassen muss, dann kann er nicht das rausholen, was er eigentlich zeigen könnte."

Darum war der Porsche-Cup eine gute DTM-Schule

Zudem sei Preining "ein Qualifyer, das muss man auch sagen", sieht Golz Preinings Stärke im Kampf um die beste Rundenzeit. Und das Qualifying ist in der DTM seit dem Wechsel auf GT3-Autos, die über keinerlei Überholhilfen verfügen, noch wichtiger geworden.

"Dennis Olsen und Thomas sind ja reine Cup-Zöglinge, sie kommen aus dem Carrera-Cup", versucht sich Golz in einer Erklärung, warum Preining und auch dem Dänen Dennis Olsen, der für SSR Performance fährt, das DTM-Rennformat liegt.

"Das ist ja ganz klar dieses Sprintthema: Rausgehen, Zeiten reinhauen - einer kämpft gegen einen", so Golz. Und tatsächlich hat Preining diesbezüglich mit dem Titel im Porsche-Carrera-Cup Deutschland im Jahr 2018 bereits seine Klasse gezeigt.

Timo Bernhard behielt mit Prognose recht

Dass Preining in der DTM aufblühen könnte, war Teamchef Timo Bernhard bereits vor der Saison bewusst: Er bezeichnete den Porsche-Werksfahrer, der für ihn 2021 neben Christian Engelhart im ADAC GT Masters fuhr, für den Serienwechsel als seinen absoluten Wunschfahrer.

Preining werde "einige überraschen" und sei "einer der besten Fahrer im Feld", hatte Bernhard schon vor der Saison angekündigt. Zudem meinte auch er damals bereits, dass es seinem Piloten liegen könnte, mit der Mannschaft ohne Kompromisse um das letzte Hundertstel zu kämpfen.

Jetzt fühlt er sich bestätigt. "Er hat bereits gezeigt, dass ihm das Format liegt, als einzelner Fahrer in einem Auto mit dem Team zu arbeiten, denn die DTM ist ein anderes Umfeld als zum Beispiel die GT-World-Challenge", sagt Bernhard im Gespräch mit den englischen Kollegen von unserem Schwesterportal 'Motorsport.com'.

Bernhard lobt Preinings Fahrstil: "Weiß, was er tut"

"Dort wird auch hart gefahren und der Wettbewerb ist auch hart, aber als Langstreckenfahrer musst du mit deinen Teampartnern immer Kompromisse eingehen. Das Auto muss immer Priorität haben, also manchmal muss du deinem Teampartner etwas zugestehen, damit das ganze Auto besser wird."

Die Aufgabe in der DTM sei "ähnlich schwierig, aber die Priorität liegt ein bisschen woanders - und ich denke, dass ihm dieses Umfeld gut liegt."

Wo er sonst Preinings Stärken sieht? "Er hat natürlich viele Qualitäten, aber ich würde den Speed und das rohe Talent nennen", legt sich Bernhard fest. Er habe in den vergangenen Jahren viele Onboard-Aufnahmen seiner Fahrer verfolgt, weil es ihn als Ex-Pilot persönlich interessiert, aber auch, um ihren Fahrstil zu verstehen und als Team auf den Piloten eingehen zu können.

"Aber wenn ich seine Onboard sehe, dann ist er einer der wenigen Fahrer, bei denen ich sage: Was den Fahrstil angeht, weiß er, was er tut - und das passt einfach zusammen", so Bernhards Urteil.