Laut Rockenfeller muss sich die DTM vor zu viel Herstellereinfluss schützen - Bildquelle: HRTLaut Rockenfeller muss sich die DTM vor zu viel Herstellereinfluss schützen © HRT

Die DTM hat dieses Jahr ein Teamorder-Verbot eingeführt, um Herstellerspielchen - wie im Vorjahr bei Mercedes-AMG - auch in GT3-Zeiten zu unterbinden. Doch Ex-Champion Mike Rockenfeller, der dieses Jahr als TV-Experte agiert und das Thema Stallorder aus der Fahrerperspektive gut kennt, hält das Thema für eine "Gratwanderung" für die Traditionsserie.

"Das ist ein ganz schwieriges Thema für die DTM, denn man will, dass sich die Hersteller engagieren, aber keine strategischen Spielchen mehr spielen", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Man hätte also gerne das Gute am Kundensport und die guten Seiten der Hersteller, die investieren und die DTM als Marke pushen sollen."

Dass DTM-Boss Gerhard Berger nun gegen die Teamorder vorgeht, hält der 38-Jährige für den richtigen Schritt. "Es ist ein Killer, wenn die Leute sehen, dass es hier kein pures Racing gibt. Man belügt seine Kunden nicht - und die erkennen das sehr schnell", findet er klare Worte.

Rockenfeller: Teamorder-Verbot der richtige Weg

Mit dem Verbot haben Berger und die DTM laut Rockenfeller zumindest klargemacht, "dass man faires Racing sehen will und nicht das, was wir aus der Vergangenheit kennen". Natürlich könne "man darüber diskutieren, wie man diese Regel jetzt kontrollieren und überwachen will. Aber es ist die richtige Herangehensweise. Und selbst, wenn man es nur zu 99 Prozent hinkriegt, ist das viel besser als 50 Prozent."

Denn auch nach dem Ende der DTM als Herstellerserie besteht laut Ex-Audi-Werksfahrer Rockenfeller die Gefahr, dass der Einfluss der Autokonzerne zu groß wird, wie er am Beispiel von Einsteiger Porsche beschreibt: "Sagen wir mal, sie würden nicht gewinnen, dann müssten sie mehr Unterstützung liefern." Denn gerade als Porsche wolle man in der DTM gewinnen.

Aber "wenn es zu viel Unterstützung gibt, warum sollte dann ein Kunde gegen Herstellerteams fahren, wenn er keine Chance hat?", fragt sich Rockenfeller. "Es benötigt eine Balance. Bis jetzt läuft es gut, aber wir sind erst im zweiten Jahr", sieht er den Kampf noch nicht als gewonnen an.

DTM heute nicht mehr so leicht von Herstellern erpressbar

Die Chancen, dass man die Hersteller in der DTM unter GT3-Bedingungen besser im Griff hat als in der Vergangenheit, sind jetzt aber laut dem Routinier, der dieses Jahr in der IMSA-SportsCar-Championship für Cadillac fährt, deutlich größer.

Das liegt seiner Meinung nach daran, dass man durch den Wechsel auf GT3-Autos breiter aufgestellt ist als in der Vergangenheit, als man zeitgleich maximal drei Marken in der DTM hatte. "In der Vergangenheit hatten wir das Problem, dass bei zwei oder drei Herstellern immer einer sagen konnte: 'Wenn ich das nicht bekomme, dann steige ich aus!'", erzählt er.

Es sei schwierig gewesen, damit umzugehen - und es sei immer wieder zu "dummen Dingen" gekommen, man habe "dem Teamkollegen geholfen und andere Dinge". Da nun aber so viele Marken in der DTM am Start sind, ist die Serie nicht mehr so leicht erpressbar wie in der Vergangenheit.

Gratwanderung: Warum es die Hersteller braucht

"Mein Rat wäre es, die Hersteller so weit es geht auf Distanz zu halten, aber sie ausreichend zu beteiligen, damit es interessant bleibt und sie weiter bereit sind, in das Marketing und in die Fahrer zu investieren. Denn die DTM braucht große Namen, gute Fahrer und gutes Racing", stellt Rockenfeller klar.

"Und das Gute ist: Wenn man sieben, acht Marken am Start hat, dann ist es kein Problem, wenn eine verschwindet", sagt er. "Eine andere wird kommen."