Marco Wittmanns beschädigter Walkenhorst-BMW nach dem Testcrash - Bildquelle: Alexander TrienitzMarco Wittmanns beschädigter Walkenhorst-BMW nach dem Testcrash © Alexander Trienitz

München/Portimao - Porsche-Bestzeit beim DTM-Testfinale in Portimao: Am Mittwoch sicherte sich der dänische SSR-Pilot Dennis Olsen bei Temperaturen knapp unter 20 Grad in 1:41.378 die Tages-Bestzeit und war damit um 0,269 Sekunden schneller als Rosberg-Pilot Nico Müller. Dadurch war erstmals an den vier offiziellen Testtagen kein Audi vorne.

Die fünfstündige Session, die wegen der TCR-Europe-Tests erst um 17 Uhr Ortszeit begann, wurde kurz nach 18 Uhr wegen eines Unfalls von Marco Wittmann eine Viertelstunde lang unterbrochen. Der Walkenhorst-BMW-Pilot schlug in Kurve sieben ein, wodurch die linke Front des neuen M4 GT3 beschädigt wurde. Der Bolide musste abgeschleppt werden.

Was genau die Ursache für den Crash war? "Wir arbeiten die Sache gerade auf und vermuten ein technisches Problem", so Walkenhorst-Teamchef Niclas Königbauer, der Wittmann nicht mehr auf die Strecke schickte, um ausschließen zu können, dass sich der ungeklärte Zwischenfall wiederholt.

Feierabend um 21 Uhr Ortszeit

Der zweimalige DTM-Champion, der am Ende nur auf 18 Runden kam, versäumte nicht viel, denn erneut nutzten die meisten Teams die Zeit nach dem Sonnenuntergang nach 20 Uhr kaum noch, um Testarbeit zu verrichten. Um 21:03 Uhr - also eine Stunde vor Ende des Tests - kam GruppeM-Mercedes-Pilot Maro Engel als letzter Pilot an die Box. Damit war endgültig Feierabend.

Während die Teams die letzten Teststunden auch für intensives Boxenstopp-Training nutzten, konzentrierte man sich beim BMW-Team Schubert unter anderem auf Rennvorbereitungen, denn für das Wochenende werden hohe Temperaturen vorausgesagt. "Wir haben die nachmittägliche Sonne und die höheren Temperaturen genutzt, um ein paar Longruns zu fahren", sagt DTM-Rückkehrer Philipp Eng.

"Das war für mich eine wichtige Erfahrung, denn ich kenne die Michelin-Reifen noch nicht so gut. Und der Reifen vorne links leidet hier sehr in der schnellen letzten und der ersten Kurve - also zwei Kurven, die direkt aufeinander folgen. Am Abend hat es dann wegen der Temperaturen nicht mehr sehr viel gebracht, zu fahren."

Bestzeit erneut 1,5 Sekunden langsamer als AVL-Simulation

Die Rundenzeiten waren erneut nicht unbedingt repräsentativ, denn die Fahrer kamen nicht einmal in die Nähe der von den AVL-Simulationen ausgespuckten hohen 1:39er-Zeiten. Dafür war die Bestzeit von Dennis Olsen immerhin um fast zwei Zehntel schneller als Ricardo Fellers Bestmarke vom Vortag.

Beim Rennwochenende in Portimao (von Freitag bis Sonntag live auf ProSieben und ran.de) dürften diese Zeiten also keine Benchmark sein.

Erneut etwas Respektabstand hatten Mercedes-AMG und das Ferrari-Team AF Corse: Luca Stolz war als bester Pilot der Marke mit dem Stern mit 0,548 Sekunden Rückstand Achter, Felipe Fraga fehlten im Ferrari auf Platz elf 0,627 Sekunden.

Götz will nichts von Sandbagging wissen: "Geben Vollgas"

Champion Maximilian Götz wollte aber trotz der Tatsache, dass Mercedes-AMG schon am Dienstag nicht über Platz 16 hinauskam, am Mittwoch-Vormittag nichts von Sandbagging wissen. "Das gesamte Mercedes-Paket war gestern ein bisschen langsamer als die anderen", sagte er. "Das war kein Sandbagging. Wir sind Vollgas gefahren."

Stattdessen sehe er "ein paar Unterschiede bei den Autos" - und deutete an, dass die Balance-of-Performance-Einstufung nicht punktgenau passe. "Der Topspeed bei BMW sieht sehr stark aus. Und beim Folgen anderer Autos habe ich gesehen, dass sie Vorteile haben. Wir waren besser in den langsamen Kurven." Der Abstand zur Spitze sei insgesamt "etwas zu groß".

Loeb bei Premiere rund eine Sekunde hinter Teamkollege

Noch etwas Abstand hatte auch Sebastien Loeb, der am Mittwoch-Nachmittag gegen 15 Uhr an der Rennstrecke eintraf und den AF-Corse-Ferrari im AlphaTauri-Design komplett für sich hatte, nachdem Kollege Nick Cassidy den Vortag absolviert hatte.

Der neunmalige Rallye-Weltmeister kam in immerhin 75 Runden auf eine persönliche Bestmarke von 1:42.990 und war damit wie schon in Hockenheim - wie die Analyse von 'Motorsport-Total.com' ergab - rund eine Sekunde langsamer als Teamkollege Fraga, der in seinem schnellsten Umlauf 1:42.005 fuhr.

Insgesamt kam er mit 1,612 Sekunden Rückstand auf den 28. Platz, wodurch nur T3-Lamborghini-Pilotin Esmee Hawkey und Grasser-Lamborghini-Debütant Alessio Deledda hinter ihm landeten.

Wieder fit: Auer bei Winward im Einsatz

Loeb kennt den anspruchsvollen Kurs in Portimao, auf dem es unterschiedlichste Kurventypen und zahlreiche nicht einsehbare Kurven gibt, nur von einem WTCC-Testtag im Jahr 2014. "Ich bin also ein bisschen im Simulator gesessen, habe Videospiele gespielt und mir auch ein paar Onboards angeschaut. Das ist alles", sagt er, als er von 'Motorsport-Total.com' auf seine Vorbereitung angesprochen wird.

Ebenfalls endlich zum Einsatz kam am Mittwoch Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer, der sich am Dienstag nicht ganz fit gefühlt hatte. Der Österreicher fuhr insgesamt 39 Runden und reihte sich mit 0,716 Sekunden Rückstand inmitten der Mercedes-AMG-Phalanx ein.

DTM-Trophy-Champion Green noch einmal im Einsatz

Zu dieser zählte wie schon am Dienstag auch DTM-Trophy-Champion Ben Green, der als Belohnung für seinen Triumph einen Mercedes-AMG GT3 des HRT-Teams testen durfte. Nach dem technischen Defekt am Dienstag kam er am Mittwoch noch einmal zum Einsatz und absolvierte insgesamt 27 Runden.

"Ich fuhr einen Run auf neuen Reifen, und das war ziemlich cool", freut sich der Brite, der dieses Jahr im ADAC GT Masters im Schubert-BMW saß. "Diese Michelin-Reifen sind wirklich schnell. Ich habe auch am zweiten Tag einiges gelernt. Jetzt muss ich schnell zum Flughafen, damit ich meinen Flug nicht verpasse." Der Rest der Piloten bleibt hingegen in Portugal, wo am Freitag die Saison 2022 mit zwei Freien Trainings gestartet wird.

Mittwoch-Ergebnis des DTM-Tests in Portimao:
1. Dennis Olsen (SSR-Porsche) 1:41.378 (80 Rd.)
2. Nico Müller (Rosberg-Audi) 1:41.647 (57)
3. Nicki Thiim (T3-Lamborghini) 1:41.690 (60)
4. Ricardo Feller (Abt-Audi) 1:41.721 (53)
5. Thomas Preining (Bernhard-Porsche) 1:41.742 (58)
6. Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) 1:41.771 (55)
7. Laurens Vanthoor (SSR-Porsche) 1:41.822 (68)
8. Luca Stolz (HRT-Mercedes) 1:41.926 (48)
9. Sheldon van der Linde (Schubert-BMW) 1:41.971 (41)
10. Mikael Grenier (GruppeM-Mercedes) 1:42.001 (29)
11. Felipe Fraga (AF-Corse-Ferrari) 1:42.005 (62)
12. Rene Rast (Abt-Audi) 1:42.023 (55)
13. Maximilian Götz (Winward-Mercedes) 1:42.042 (44)
14. Kelvin van der Linde (Abt-Audi) 1:42.079 (64)
15. Lucas Auer (Winward-Mercedes) 1:42.093 (39)
16. Marius Zug (Attempto-Audi) 1:42.094 (79)
17. Maximilian Buhk (Mücke-Mercedes) 1:42.106 (62)
18. Arjun Maini (HRT-Mercedes) 1:42.121 (45)
19. Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW) 1:42.167 (18)
20. Philipp Eng (Schubert-BMW) 1:42.252 (63)
21. David Schumacher (Winward-Mercedes) 1:42.321 (50)
22. Dev Gore (Rosberg-Audi) 1:42.323 (85)
23. Rolf Ineichen (Grasser-Lamborghini) 1:42.366 (73)
24. Clemens Schmid (Grasser-Lamborghini) 1:42.401 (59)
25. Esteban Muth (Walkenhorst-BMW) 1:42.541 (53)
26. Maro Engel (GruppeM-Mercedes) 1:42.595 (25)
27. Ben Green (HRT-Mercedes) 1:42.909 (20)
28. Sebastien Loeb (AF-Corse-Ferrari) 1:42.990 (75)
29. Esmee Hawkey (T3-Lamborghini) 1:43.040 (58)
30. Alessio Deledda (Grasser-Lamborghini) 1:43.774 (56)

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