Dan Ticktum blickt seinem ersten Rennen in der Formel E entgegen - Bildquelle: imago images/NurPhotoDan Ticktum blickt seinem ersten Rennen in der Formel E entgegen © imago images/NurPhoto

München – Sein Talent ist beachtlich, seine Entgleisungen auf und neben der Rennstrecke waren es ebenso. Dan Ticktum kommt als "Enfant terrible" des Motorsports in die Formel E (am 28. und 29. Januar jeweils ab 17:30 live auf ProSieben und ran.de).

"Ich freue mich auf die Herausforderung in der Formel E", sagt der 22-Jährige. Gleichwohl weiß der Brite, dass er aufgrund seiner früheren Aussetzer besonders im Fokus stehen wird.

Dan Ticktum: Einen gegnerischen Fahrer vorsätzlich gerammt

Bereits in der Formel 4 hatte er als junger Fahrer für einen Mega-Skandal gesorgt, als er in der Safety-Car-Phase unerlaubt zehn Fahrer überholte und sämtliche Flaggen ignorierte, um einen anderen Fahrer vorsätzlich von der Strecke zu rammen. Eine einjährige Sperre war die Konsequenz.

Auch in den Jahren darauf bewegte sich seine Fahrweise oft am Rande der Fairness – oder brach mit dieser. Er war zwar gut genug, um in das Red Bull Junior Team und in die Williams Driver Academy zu gelangen. 2020 gewann er sogar ein Renen in der Formel 2.

Sein Image als Rennpisten-Rowdy legte er aber nicht ab. Dass er einmal per Teamfunk drohte, in ein anderes Auto hineinzufahren, außerdem öffentlich gegen Fahrer-Kollegen wie Mick Schumacher oder Nicolas Latifi austeilte, brachte ihm ebenfalls keine Sympathien ein.  

Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagte einmal, Ticktum sei ein Charakter, "der manchmal den Mund aufmacht ohne vorher sein Gehirn zu benutzen." Weder bei Red Bull noch bei Williams konnte er sich durchsetzen. Die Zusammenarbeit wurde beide Male beendet.

Dan Ticktum: Der Traum von der Formel 1 platzte

Ticktum hadert noch immer damit, wie er in einem Interview mit "The Race" zugab: "Es ist ziemlich deprimierend, nicht in die Formel 1 zu kommen. Da will ich gar nicht lügen. Gerade weil ich einige Jahre sehr nah dran war, besonders bei Red Bull." 

Nachdem im August 2021 auch die Zusammenarbeit mit Williams eingestellt wurde, dachte Ticktum sogar über ein Karriereende nach: "Es gab auch andere Wege, die ich hätte gehen können." Eine Option wäre gewesen, "den Motorsport ganz zu vergessen."

Doch er traf eine andere Entscheidung. Im November wurde bekanntgegeben, dass er für das Formel-E-Team NIO an den Start gehen würde. "Es gibt definitiv eine Menge außerhalb der Formel 1 und man kann immer noch eine sehr gute Karriere außerhalb davon machen", sagt er.

"Ich brauche nicht alles. Grundsätzlich würde ich sagen, solange ich ein schönes Auto habe und ein schönes Haus, bin ich ziemlich glücklich. Wenn ich Rennen fahren kann und dafür bezahlt werde, was kann es dann Besseres im Leben geben?"

Seine ersten Eindrücke von den elektronischen Boliden waren positiv. "Das hat mehr Spaß gemacht als ich vorher gedacht hätte", gibt der Brite zu. "Ich hatte Angst vor dem fehlenden Lärm und solchen Dingen. Aber ich liebe Autos. Und hier (in der Formel E, Anm.d.Red.) liegt nun einmal die Zukunft, in diese Richtung müssen sich alle entwickeln."

Und wer weiß: Vielleicht entwickelt sich ja auch Ticktum selbst nun in die richtige Richtung. 

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